Spur der Ahnen Hitlers Vorzeigepilot

Inge Kümpel war keine drei Jahre, als ihr Vater 1940 verschwand. Der Pilot der Deutschen Wehrmacht kehrte nach einem Angriff auf Kriegsschiffe der Engländer und Norweger nicht mehr zurück. Mit "Die Spur der Ahnen" macht sich Inge Kümpel auf die Suche nach Antworten.

Otto Andreas war ein erfahrener Pilot, die Bilder des tapferen und erfahrenen Soldaten zierten Titelseite von Illustrierten. Für seine Kampfeinsätze gegen Polen wurde er mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Bis heute weiß seine Tochter Inge jedoch nicht, wo ihr Vater nach einem Kriegseinsatz geblieben ist. Im Schneesturm abgestürzt, von den Engländern abgeschossen, notgelandet und gefangen genommen oder gar übergelaufen? Es gab keine Beerdigung, kein Grab und das obwohl er als einer von Hitlers Vorzeigepiloten galt.

Der letzte Einsatz des Vorzeigepiloten

Mit seiner Familie lebte Otto Andreas in Lübeck. Zu Kriegsbeginn war er 36 Jahre, hatte eine Frau, zwei Kinder und stand mitten im Leben. Er war ein hochrangiger Pilot, Staffelkapitän beim legendären Löwengeschwader der Luftwaffe der Deutschen Wehrmacht.

Es war der 20. März 1940: Bombeneinsatz über der britischen Nordsee auf Kriegsschiffe der Engländer und Norweger. An jenem Tag sollte Inge Kümpel ihren Vater zum letzten Mal sehen. Als kommandierender Offizier führte Otto Andreas mehr als 60 Flieger.

Ein riskanter Angriff

Um England die Versorgung zu kappen, wurden gezielt Handelsschiffe angegriffen. So auch an diesem Tag. Allerdings geht aus den Archiven über den Angriff an diesem Tag hervor, dass das Wetter äußerst schlecht war. Regen und Sturm waren über der Nordsee angesagt, der Einsatz also schwierig zu fliegen und daher umso riskanter.

Um den letzten Einsatz ihres Vaters zu rekonstruieren, trifft sich Inge Kümpel mit Forschern und Archivaren in Deutschland und Großbritannien. An der Universität Aberdeen in Schottland erhält sie die meisten Informationen über den Hergang. Der Militärforscher John Foreman hat sich intensiv mit den Einsätzen der britischen Luftwaffe "Royal Air Force" im Zweiten Weltkrieg befasst und somit auch mit dem 20. März 1940. Das Ziel von Otto Andreas sind die schottischen Orkney-Inseln und der Scapa Flow, dem großen natürlichen Hafen für die Kriegsschiffe der Royal Navy. Hier wird auch der Absturz vermutet oder vielleicht die Gefangennahme durch die Briten. John Foreman weiß mehr dazu.

Die letzten Stunden im Flugzeug

Am 19. März 1940 wurden zwei Schiffkonvois ausgesendet, einer aus der Nähe von Edinburgh. Zur gleichen Zeit kam ein anderer von Norwegen mit dem Ziel Orkney-Inseln. Am Morgen des 20. März 1940 flog ein deutsches Aufklärungsflugzeug über die Nordsee, um diese britischen Schiffe zu finden und das mit Erfolg. Gleichzeitig waren mehrere Kampfflugverbände der Briten 100 Kilometer südlich auf Wick stationiert - in ständiger Alarmbereitschaft. Ab 18 Uhr griffen die ersten deutschen Bomber an. Eine Stunde später kamen 14 "Heinkels 111", so die Typ-Bezeichnung der Kampfflugzeuge. An Bord Otto Andreas und weitere junge Militärs. Sie attackierten die Schiffe in der Nähe von Rattray Head und trafen fünf Schiffe, aber keines sank. Dann kam der entscheidende Moment im Leben des Vaters von Inge Kümpel.

Angriff durch die Briten

Das Flugzeug von Hauptmann Otto Andreas wurde durch ein britisches "Hurricane"-Jagdflugzeug abgefangen und angegriffen. Geflogen wurde es von Feldwebel Terrence Gough. Er trifft das Flugzeug von Otto Andreas. "Es ist etwa zehn Meilen nordöstlich von Rattray Head ins Meer gestürzt. Weder die Maschine noch jemand von Besatzung wurde je gefunden. Leider kann ich nicht mehr sagen. Es war Krieg“, so John Foreman.

Der Militärforscher Foreman weiß allerdings auch, was später mit dem jungen Feldwebel Gough passieren sollte. Ihn ereilte das gleiche Schicksal wie Otto Andreas. Nur neun Wochen nach Rattray Head wird der 21-jährige Gough selbst bei der Schlacht um Dünkirchen Opfer eines deutschen Luftangriffs. Sein Schicksal gleicht dem von Otto Andreas: Beide haben ein namenloses Grab im Meer. Inge Kümpel hat endlich Gewissheit, dass sie nun das Grab ihres Vaters im tiefen Wasser vor den Oakneys gefunden hat. Ihre jahrelange Suche nach seinem Schicksal findet damit ein Ende.

Über dieses Thema berichtet der MDR in DIE SPUR DER AHNEN: TV | 24.10.2018 | 21:15 Uhr