#blickzurück: Kalenderblatt der Geschichte Das geschah am 18. August

1896: Bürgerliches Gesetzbuch verkündet

Am 18. August 1896 unterschrieb Kaiser Wilhelm II. das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB). Eine Kommission aus Juristen hatte 25 Jahre gebraucht, um es zu erarbeiten. Die 2.385 Paragrafen des BGB vereinheitlichten das gesamte deutsche Privatrecht. Im neuen Kaiserreich herrschten bis zur Verkündung des BGB chaotische juristische Zustände. Jeder zuvor existierende Kleinstaat und jedes Fürstentum beharrte auf die eigene Rechtssprechung. Das BGB regelte nun Verträge, Eigentumsverhältnisse, Familienangelegenheiten und das Erbrecht. Am 1. Januar 1900 trat es in Kraft.

Das Gesetzbuch blieb im Kern selbst während der NS-Diktatur und in der DDR bestehen. Seit Ende des Zweiten Weltkrieges gab es im bundesdeutschen BGB dennoch einige Änderungen: So gibt es nun Paragrafen, die die rechtliche Gleichstellung von Mann und Frau sicherstellen, Verbraucherrechte stärken oder uneheliche Kinder im Erbrecht mitberücksichtigen. Laut "Spiegel" ist es das "erfolgreichste deutschsprachige Buch der Neuzeit".

Gesetzbücher im Regal - Palandt-Kommentar zum BGB neben Zivilprozessordnung und Textsammlung Deutsche Gesetze
Das Bürgerliche Gesetzbuch von 1896 ist bis heute eine der wichtigsten deutschen Rechtsschriften. Bildrechte: IMAGO / bonn-sequenz

1896: Erster LKW der Welt

Die Daimler-Motoren-Gesellschaft in Cannstatt präsentierte 1896 mit dem "Phönix" den ersten Lastwagen der Welt. Noch sah der LKW wie eine Kutsche aus und sein Zweizylinder-Motor hatte gerade einmal 4 PS bei einer Höchstgeschwindigkeit von 16 Kilometern pro Stunde. Gottlieb Daimler, Inhaber der Daimler-Motoren-Gesellschaft, legte dennoch den Grundstein für die Motorisierung des Güterverkehrs auf der Straße. Am 1. Oktober verkaufte Daimler den "Phönix" an das British Motor Syndicate in London. Ab 1903 nahm die Firma Büssing die Serienfertigung des LKW auf. Bis heute sind LKW für den Transport von Waren essenziell. Allein auf deutschen Straßen beförderten Lastwagen im Jahre 2020 3,6 Milliarden Tonnen Güter, so das Statistische Bundesamt.

Erster LKW von Daimler
Der erste LKW von Daimler 1896 erinnerte eher an eine Kutsche. Bildrechte: imago/United Archives

1933: Erster Volksempfänger präsentiert

Auf der 10. Großen Deutschen Funkausstellung wurde er vorgestellt: Der "VE 301 W". Ein Volksempfänger (VE) mit Wechselstrom (W), dessen Bezeichnung auf die Machtergreifung am 30. Januar 1933 verwies. Propagandaminister Joseph Goebbels hatte im Mai 1933 100.000 Volksempfänger in Auftrag gegeben. Kostenpunkt: Zunächst 76 Reichsmark für ein Radio, statt der üblichen 200 bis 400 Mark.1938 wurde es sogar noch billiger: Eine "Goebbels Schnauze", wie der Volksempfänger von vielen Deutschen genannt wurde, kostete nun lediglich 35 Reichsmark. Das Radio wurde zum wichtigsten Medium der nationalsozialistischen Propaganda. Der Rundfunk unterstand direkt Goebbels' "Reichsministerium für Propaganda und Volksaufklärung". Durchhalteparolen sollten vor allem im Zweiten Weltkrieg den Kriegswillen der Deutschen aufrechterhalten. Doch auch Konzerte und Unterhaltungssendungen standen auf dem Programm. Allerdings waren 1933 nur 40 Prozent der Neugeräte Volksempfänger. Auch Radios von Siemens oder Blaupunkt blieben beliebt, denn damit ließen sich besser Auslandssender hören.

Eine junge Frau mit einem Volksempfänger, ca. 1930er Jahre Deutschland
Für jeden deutschen Haushalt sollte er erschwinglich sein: der Volksempfänger. Bildrechte: IMAGO / Prod.DB

1960: Anti-Baby-Pille kommt auf dem Markt

"Enovid" hieß das Präparat, das in den Vereinigten Staatenm im August 1960 als hormonelles Verhütungsmittel auf den US-amerikanischen Markt kam. Das Kombinationspräparat aus den Hormonen Progesteron und Östrogen, das effektiv eine Schwangerschaft verhinderte, war die erste erhältliche Anti-Baby-Pille. Entwickelt hatten es der Endokrinologe Gregory Pincus und sein Kollege John Rock. Auch die US-amerikanische Krankenschwester Margaret Sanger hatte sich für die Entwicklung des Präparats eingesetzt. Bei ihrer täglichen Arbeit war sie ständig mit den Folgen ungewollter Schwangerschaften konfrontiert. Schon 1951 war es dem Chemiker Carl Djerassi gelungen, die erste wirksame Anti-Baby-Pille herzustellen. Ab dem 1. Juni 1961 brachte die Firma Schering die erste Anti-Baby-Pille auf den bundesdeutschen Markt. Dort wurde sie zunächst aber nur Frauen mit Regelbeschwerden verschrieben. In der DDR war die "Wunschkindpille" für Frauen ab 1972 kostenlos erhältlich.