#blickzurück: Kalenderblatt der Geschichte Das geschah am 22. September

1938: Sänger Dean Reed in den USA geboren

Dean Reed – der "Rote Elvis" – war einer der bekanntesten Amerikaner in der DDR und Sowjetunion. Der Cowboy aus Denver/Colorado unterstützte in den 1960/70er-Jahren den Freiheitskampf in Chile, drehte Italowestern und tourte als erster US-amerikanischer Sänger durch die Sowjetunion. 

Reed kam 1938 in der Nähe von Denver auf die Welt und wuchs auf einer Hühnerfarm auf. Nach der Highschool jobbte er als "singender Cowboy". Mit 20 Jahren bekommt er einen Vertrag mit "Captiol Record", schafft es aber nicht zum anvisierten Erfolg. Der Durchbruch kam durch einen Auftritt 1961 in Chile. Reed blieb dort, arbeitete und lebte in Chile und Argentinien und setzte sich dort für die Bekämpfung der vorherrschenden Armut ein.

1964 nahm er an der Weltfriedenskonferenz in Helsinki teil und sorgte für Aufsehen, weil er sich für die Bekämpfung der Armut einsetze. In Folge durfte er in der Sowjetunion auftreten, als "sozialistische Lichtgestalt aus Amerika." In der DDR trat er erstmals 1971 in Leipzig auf. Er verliebte sich in eine junge Frau aus Döbeln. Die beiden heirateten und Deen Read zog in die DDR. Die Ehe scheiterte und er heiratete 1981 erneut: die Schauspielerin Renate Blume. Als auch diese Beziehung zu scheitern droht, verschwindet Reed eines Abends im Juni 1986. Wenige Tage später wird er tot in einem See in der Nähe von Ost-Berlin aufgefunden. Er hatte sich die Pulsadern aufgeschnitten und einen 15-seitigen Abschiedsbrief hinterlassen.

1972: DDR und BRD unterzeichnen Verkehrsvertrag

Seit Errichtung der Berliner Mauer 1961 und der immer weiter ausgebauten Sicherung des "antifaschistischen Schutzwalles" der DDR zur Bundesrepublik wurde der legale Grenzübertritt in westlicher Richtung nahezu unmöglich.

Mit dem "Grundlagenvertrag" zwischen der Bundesrepublik und der DDR von 1972 erfolgte die Anerkennung der gemeinsamen Grenzen und die Respektierung der Unabhängigkeit und Selbständigkeit der Staaten. Der im selbern Jahr verabschiedete Verkehrsvertrag ermöglichte mehrmals jährlich Reisen von Bundesbürgern in die DDR auf Einladung von Verwandten oder Bekannten sowie von Institutionen oder Organisationen aus kommerziellen, kulturellen, religiösen oder sportlichen Gründen.

Unterzeichnet wurde er von den Staatssekretären Egon Bahr und Michael Kohl und regelte dauerhaft den gegenseitigen Wechsel-und Transitverkehr von Menschen oder Waren und Gütern auf Straßen, Schienen und Wasserwegen über deutsch-deutsche Grenzübergangsstellen.

Egon Bahr (li., Deutschland/SPD/Bundesminister für besondere Aufgaben) Michael Kohl (2.v.li., DDR/SED/Mitglied Außenpolitische Kommission und Sekretär für Westdeutsche Fragen im Politbüro des ZK der SED) anlässlich der Unterzeichnung des Grundlagenvertrages zwischen BRD und DDR in Berlin Ost, 1972
Egon Bahr (links) Michael Kohl (2.v.li.) anlässlich der Unterzeichnung des Grundlagenvertrages zwischen BRD und DDR in Berlin Ost, 1972. Die beiden Politiker unterschrieben auch den Verkehrsvertrag. Bildrechte: imago/Stana

1975: "Klaus Renft Combo" wird in der DDR verboten

Am 22. September 1975 waren Klaus Renft und seine Combo zu einem Radiointerview in Berlin eingeladen. Doch das Interview wurde von der Sendeleitung unterbrochen, denn an diesem Tag bekam die Band aus Leipzig ihr Spielverbot. Sie waren von der SED zu "unerwünschten Personen" erklärt worden, die wegen "Beleidigung der Arbeiterklasse und Diffamierung der Staatsorgane" nicht mehr auftreten durften. Alle sechs Gruppenmitglieder erhielten ihr Berufsverbot schriftlich von der Abteilung Kultur beim Rat des Bezirks Leipzig: "Mit Wirkung vom 22. September 1975 gilt die Tanzmusikformation Klaus Renft Combo als aufgelöst."

Unter anderem führte das Lied "Rockballade von kleinen Otto" zum Verbot. Der Text handelt vom "kleinen Otto", einem DDR-Bürger, der mit seinem Leben unter anderem wegen der Funktionäre unzufrieden ist. Er möchte nach Hamburg ausreisen, wird aber gefasst, verbüßt eine Haftstrafe wegen Republikflucht und ertränkt sich später in der Elbe, in der Hoffnung, dass diese ihn nach Hamburg treibt.