#blickzurück: Kalenderblatt der Geschichte Das geschah am 20. August

1942: Roland Freisler wird Präsident des Volksgerichtshofs

Über die Jahre wurde er zum "Blutrichter" in der höchsten juristischen Distanz des Dritten Reichs: Am 20. August 1942 wurde Roland Freisler zum Präsident des Volksgerichtshofs ernannt. Zuvor war er Staatssekretär im Reichsjustizministerium gewesen. In diesem Posten hatte er seit 1933 die Beseitigung rechtsstaatlicher Grundsätze bewirkt. Bei Prozessen, in denen er als Richter urteilte, standen die Todesurteile meist schon vor der Verhandlung fest. Angeklagte waren schwerster Demütigung von Freisler ausgesetzt. Er war Vorsitzender Richter in den Prozessen um Widerstandskämfperinnen und -kämpfer wie Sophie Scholl oder Claus Schenk Graf von Stauffenberg. In seiner Position als Präsident verhängte er ungefähr 2.600 Todesurteile. Auch auf der Wannsee Konferenz 1942, auf der die "Endlösung der Judenfrage" beschlossen wurde, war Freisler anwesend. Er starb am 3. Februar 1945 bei einem Bombenangriff auf Berlin.

1968: Niederschlagung des Prager Frühlings beginnt

Um 21 Uhr landeten am 20. August die ersten Truppen des Warschauer Paktes auf dem Prager Flughafen. Sie sollten dem "Prager Frühling", der Reformen des Kommunismus in der ČSSR, Einhalt gebieten. Im Januar 1968 war es zu einem Machtwechsel an der Spitze der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei (KSČ) gekommen. Alexander Dubček wurde Generalsekretär und leitete mehrere Reformen ein: mehr Grundrechte für Bürgerinnen und Bürger, darunter auch Pressefreiheit. Führungen der Warschauer-Pakt-Staaten sahen daraufhin das kommunistische Monopol der Ostblock-Staaten gefährdet. Ende März beriefen die Mitglieder des Bündnisses die tschechoslowakische Regierung nach Dresden ein, um diese von ihrem Reformkurs abzubringen. Die ČSSR lenkte jedoch nicht ein, auch weitere Drohungen blieben ergebnislos. Am 19. August verpflichteten sich die Parteiführer der Sowjetunion, DDR, Polens, Bulgariens und Ungarns in Moskau zu einer militärischen Intervention in der ČSSR.

Insgesamt 400.000 Soldaten wurden zur Niederschlagung des Prager Frühlings eingesetzt, unter ihnen auch mindestens neun DDR-Verbindungsoffiziere. Mehrfach probten die Truppen in den Wochen zuvor ihren Einsatz in verschiedenen Manövern. Auch die Grenze zur DDR wurde geschlossen und DDR-Bürger zur Ausreise aus der ČSSR aufgefordert. Am frühen Morgen des 21. August erreichten sowjetische Panzer Prag. Insgesamt 108 Tschechinnen und Tschechen kamen bei der Invasion zu Tode. Staatschef Alexander Dubček und andere Regierungsangehörige wurden im April 1969 entmachtet. Der tschechische Alleingang zur "Verwirklichung des Sozialismus" war gescheitert.

2018: Greta Thunberg beginnt Schulstreik

Es war der erste Tag nach den Sommerferien, als sich die damals 15-Jährige Schwedin Greta Thunberg vor den Schwedischen Reichstag in Stockholm stellte. In ihrer Hand hielt sie ein Schild mit der Aufschrift: "Skolstrejk för Klimatet" ("Schulstreik für das Klima"). In den ersten Tagen berichteten einige schwedische Medien von ihrem Streik. Bis zur Wahl zum Schwedischen Reichstag im September 2018 streikte sie täglich, danach einmal pro Woche jeden Freitag. Thunberg fand innerhalb weniger Wochen Mitstreiterinnen und Mitstreiter. Bald fanden sich überall auf der Welt Schüler und Studierende zu Klimastreiks am Freitag zusammen, auch in vielen deutschen Städten. Thunberg, die weit über die Grenzen Schwedens hinaus Bekanntheit erlangte, ist heute das Gesicht der Klimaschutzbewegung "Fridays for Future". In Deutschland ist Luisa Neubauer Kopf der Bewegung.

Greta Thunberg bei einem Schulstreik, 2019
Ihr Plakat "Skolstrejk för Klimatet" hat Greta Thunberg weltberühmt gemacht. Hier ist sie bei einem Protest in Stockholm 2019 zu sehen. Bildrechte: IMAGO / Bildbyran

2020: Russischer Oppositioneller Alexej Nawalny erkrankt

Während eines Fluges von Sibirien nach Moskau fiel der russische Regimekritiker Alexej Nawalny 2020 ins Koma und kam daraufhin in ein Krankenhaus im sibirischen Omsk. Weil sich sein Gesundheitszustand verschlechterte, wurde er wenige Tage später in die Berliner Charité gebracht. Untersuchungen bestätigten dort die Vermutung, dass Nawalny mit einem chemischen Kampfstoff der Nowitschok-Gruppe vergiftet wurde. Bereits 2018 waren der ehemalige russische Agenten Sergej Skripal und seine Tocher in Großbritannien vergiftet worden. Der Vorfall um Nawalny belastete lange die deutsch-russischen Beziehungen. Nach fünf Monaten Behandlung in Berlin flog Nawalny am 17. Januar 2021 zurück nach Moskau. Dort nahmen die Behörden ihn sofort fest und verurteilten ihn zunächst zu dreißig Tagen Haft. Seither verbüßt er eine Haftstrafe von dreieinhalb Jahren aus einem früheren Prozess. Vor seiner Verhaftung galt Nawalny als einer der schärfsten Kritiker Putins.