#blickzurück: Kalenderblatt der Geschichte Das geschah am 30. August

1963: "Rotes Telefon" eingerichtet

Am 30. August 1963 ging eine direkte Verbindung zwischen dem damaligen US-Präsidenten John F. Kennedy und dem UdSSR-Staatschef Nikita Chruschtschow in Betrieb. Im Pentagon in Washington D.C. und im Moskauer Kreml wurde das "Rote Telefon" installiert. Per Fernschreiben konnten die mächtigsten Männer im Kalten Krieg nun auf direktem Wege miteinander kommunizieren. Den Beschluss, eine solche Verbindung zu schaffen, fassten die Staatsmächte, nachdem es in der Kubakrise 1962 fast zur Eskalation gekommen war. Mögliche Missverständnisse mit verheerenden Folgen sollte der "heiße Draht", wie die Verbindung auch genannt wurde, künftig verhindern. Später wurden auch die Atommächte Frankreich und Großbritannien an die Leitung angeschlossen. Auch heute noch dient das "Rote Telefon" zur direkten Kommunikation zwischen Regierungen. Beispielsweise hat die US-Regierung einen "heißen Draht" zum chinesischen Staatschef.

Ein amerikanischer Major an einem sowjetischen Fernschreiber am 26.08.1963 im Pentagon in Washington
Ein US-amerikanischer Major installiert 1963 den sowjetischen Fernschreiber im Pentagon in Washington: Der "Heiße Draht" wird eingerichtet. Bildrechte: dpa

1978: DDR-Bürger entführen polnisches Passagierflugzeug

Um ihre Flucht in den Westen zu erzwingen, wollten die DDR-Bürger Ingrid Ruske und Hans Detlef Tiede ein Flugzeug entführen. Auf dem Rückflug von Danzig nach Ost-Berlin zwang Hans Detlef Tiede die Besatzung der Tupolew 134, ein polnisches Passagierflugzeug, zur Landung in West-Berlin.

Der Fluchtversuch in den Westen sollte Ingrid Ruske mit ihrem westdeutschen Freund Horst Fischer zusammenbringen, den sie 1977 in Ost-Berlin kennengelernt hatte. Zusammen mit Fischers früherem Arbeitskollegen Hans Detlef Tiede wollte Ruske über Polen die DDR verlassen. Der Fluchtversuch aus Danzig mit der Fähre war allerdings fehlgeschlagen. Tiede und Ruske entschieden sich deshalb für die Flugzeugentführung.

Bei der Landung in Tempelhof wurden Tiede und Ruske verhaftet. Sieben weitere Passagiere ergriffen die Chance zur Flucht in den Westen. 1979 wurde Ingrid Ruske vor einem amerikanischen Gericht in West-Berlin freigesprochen, Hans Detlef Tiede erhielt eine Haftstrafe von neun Monaten. Ruske heiratete in den 1980er-Jahren ihren westdeutschen Freund Horst Fischer.

Die entführte polnische Verkehrsmaschine des sowjetische Typs TU 134 mit 63 Personen an Bord nach der Landung auf dem amerikanischen Militärflughafen in Berlin Tempelhof am 30. August 1978.
Die entführte polnische Verkehrsmaschine des Typs TU 134 mit 63 Personen an Bord nach der Landung auf dem amerikanischen Militärflughafen in Berlin-Tempelhof Bildrechte: dpa

1988: Frauenquote in der SPD

Auf ihrem 33. Bundesparteitag in Münster beschloss die SPD 1988 die Einführung einer Frauenquote innerhalb der Partei. Diese schrieb vor, dass Frauen bis 1994 in allen Parteigremien und bei allen Mandaten zu mindestens 40 Prozent vertreten sein müssen. 362 Delegierte stimmten für und nur 54 von ihnen gegen die Frauenquote. Vorausgegangen waren jahrelange Diskussionen über Gleichberechtigung in der Partei. Nicht nur viele Männer lehnten eine Frauenquote ab, weil sie fürchteten, um ihre Ämter konkurrieren zu müssen. Auch viele Frauen fürchteten, als "Quotenfrau" abgestempelt zu werden. Dennoch wollte die SPD mehr Frauen dazu ermutigen, sich in der Partei zu engagieren. Gleichzeitig sollte die Quotenregelung die SPD für mögliche Wählerinnen attraktiver machen. Heute liegt die SPD beim Frauenanteil im Mittelfeld: 2019 waren knapp 33 Prozent der SPD-Mitglieder weiblich, bei den Grünen waren es 41 Prozent, bei der AfD hingegen nur knapp 18 Prozent.

Berlin: Andrea Nahles (2.v.l), Vorsitzende der SPD, und Katja Mast (l, SPD) machen vor der Feierstunde des Deutschen Bundestages zum 100. Jahrestag der Einführung des Frauenwahlrechtes bei der Wahl zur Verfassunggebenden Deutschen Nationalversammlung am 19. Januar 1919 zusammen mit Ulla Schmidt (hinten, l-r) , Marianne Schieder, Yasmin Fahimi, Eva Högel und Sonja Amalie Steffen (alle SPD), alle in weiße Blusen gekleidet, ein Selfie-Foto.
Die Frauenquote sollte mehr weibliche Abgeordnete in die Partei holen: SPD-Politikerinnen, darunter Andrea Nahles (2.v.l), schießen im Deutschen Bundestag ein Selfie. Bildrechte: dpa

1991: Kein Tempolimit mehr in Ostdeutschland

Gegenüber der BILD-Zeitung teilte der damalige Bundesverkehrsminister (CDU) Günther Krause mit, das Tempolimit auf ostdeutschen Autobahnen aufheben zu wollen. Ab dem 1. Januar 1992 solle die bisherige Höchstgeschwindigkeit von 100 Stundenkilometern schrittweise dort aufgehoben werden, wo der Zustand der Fahrbahnen es zulasse. Das betraf zunächst die Strecken zwischen Hamburg und Berlin und Hannover und Berlin. Ein generelles Tempolimit auf bundesdeutschen Autobahnen lehnte Verkehrsminister Krause ab. In der DDR hatte es eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 100 Stundenkilometern auf Autobahnen und 80 Stundenkilometern auf den Landstraßen gegeben.

Günther Krause galt Anfang der 1990er als aufstrebender Politiker und war Teil der letzten DDR-Regierung. Er unterzeichnete 1990 den Einigungsvertrag zusammen mit CDU-Politiker Wolfgang Schäuble. Von 1991 bis 1993 war er Bundesverkehrsminister.