#blickzurück: Kalenderblatt der Geschichte Das geschah am 22. August

1950: Technisches Hilfswerk gegründet

Bundesinnenminister Gustav Heinemann beschloss 1950 zusammen mit dem Leipziger Pionieroffizier Otto Lummitzsch die Einrichtung einer neuen Organisation für den Zivil- und Katastrophenschutz. Der 22. August 1950 gilt seitdem als Gründungsdatum des Technischen Hilfswerks (THW). Bisher gab es in der neu gegründeten Bundesrepublik keinen derartigen zivilen Ordnungsdienst. Seit 1953 ist das THW eine Bundesanstalt. Bis heute beruht die Organisation auf der Arbeit von haupt- und ehrenamtlichen Helfern, auch "Blaue Engel" genannt. Sie leisten im Notfall technische Hilfe und führen Evakuierungen und Aufräummaßnahmen durch. So halfen Einsatzkräfte des THW nach der Jahrhundertflut 2002 oder dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs 2009. Das THW hilft auch im Katastrophenfall im Ausland. Laut Jahresbericht der Organisation hatte diese im Jahre 2020 knapp 80.000 haupt- und ehrenamtliche Helferinnen und Helfer.

Junge Mitarbeiter das THW 1 min
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1976: Pfarrer Oskar Brüsewitz stirbt nach Selbstverbrennung

Am 22. August starb der evangelische Pfarrer Oskar Brüsewitz. Vier Tage zuvor hatte er sich vor der Michaeliskirche in Zeitz selbst angezündet. Damit protestierte er gegen die atheistische Erziehung von Kindern und Jugendlichen und gegen den staatlichen Einfluss auf die Kirchen in der DDR.

Bis zu seiner Ausbildung zum Pfarrer war Oskar Brüsewitz Schuhmacher gewesen. Ab 1970 war er evangelischer Pfarrer in Rippicha im Kreis Zeitz, wo er sich besonders für Kinder und Jugendliche engagierte. Lange schon stand er unter Beobachtung der Staatssicherheit. Besonders 1975 provozierte er einen Konflikt, als er auf einem Pferdefuhrwerk nach Zeitz fuhr. Dabei hatte er eine Blechplatte mit der Aufschrift: "Ohne Regen ohne Gott geht die ganze Welt bankrott" - eine Anspielung auf die sozialistische Losung "Ohne Gott und Sonnenschein bringen wir die Ernte ein". Die Evangelische Kirche veranlasste daraufhin die Versetzung von Brüsewitz. Am 18. August 1976 fuhr er von Rippicha zur Michaeliskirche in Zeitz und stellte Plakate auf mit der Aufschrift:

Funkspruch an alle: Die Kirche in der DDR klagt den Kommunismus an! Wegen Unterdrückung in Schulen an Kindern und Jugendlichen.

Oskar Brüsewitz Aufschrift auf seinen Plakaten am Tag seiner Selbstverbrennung

Kurze Zeit später übergoss er sich mit Benzin und zündete sich selbst an. Er wurde ins Bezirkskrankenhaus Halle-Dölau eingeliefert. Vier Tage später starb er an seinen schweren Verletzungen. Die SED-Führung gab sich größte Mühe, Brüsewitz als geisteskranken Psychopathen darstehen zu lassen. Dennoch hatte sein Tod nachhaltigen Einfluss auf die Kirchen und auf spätere oppositionelle Bewegungen in der DDR.

1989: Deutsche Botschaft in Prag geschlossen

Wegen Überfüllung schloss am 22. August 1989 die bundesdeutsche Botschaft in Prag. 140 Menschen aus der DDR hielten sich zu dieser Zeit dort auf. Sie hofften auf Ausreisegenehmigung in den Westen. Das Jahr 1989 in der DDR war geprägt von einer Ausreisewelle: Zeitgleich suchten DDR-Bürger in den bundesdeutschen Auslandsvertretungen in Budapest, Warschau und Ost-Berlin Zuflucht. Am 10. September öffneten die Grenzübergänge nach Ungarn und Österreich. Währenddessen spitzte sich die Situation in der Prager Botschaft immer weiter zu. Bis Ende September kamen insgesamt 4.000 Menschen in der Botschaft an. Auf seiner berühmten Balkonrede am 30. September 1989 genehmigte Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher den DDR-Bürgern, die bis dahin in der Botschaft ausgeharrt hatten, endlich die Ausreise.

1992: Angriff auf Asylheim in Rostock-Lichtenhagen

Die Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber (ZAst) in Rostock-Lichtenhagen war längst überbelegt und Rechtsextreme hatten die Räumung der Flüchtlingsunterkunft gefordert. Ab dem 22. August attackierten Neonazis, Skinheads und betrunkene Jugendliche tagelang die ZAst. Sie brüllten nationalistische Parolen, zetrümmerten Gehwegplatten, warfen Steine und Molotowcocktails. Tausende Rostocker bejubelten die Attacken vor Ort. In der dritten Nacht zündeten die Randalierer ein Haus an, die vietnamesischen Bewohner mussten sich übers Dach flüchten. Die Polizei war überfordert und handelte ineffektiv. Viele leitende Polizisten stammten aus den alten Bundesländern und waren über das Wochenende nach Hause gefahren. Erst am 26. August endeten die Ausschreitungen. Nach den Attacken entfachten bundesweit heftige Diskussionen über das gültige Asylrecht in Deutschland. Dieses wurde im Juni 1993 stark eingeschränkt.