#blickzurück: Kalenderblatt der Geschichte Das geschah am 20. September

1956: Im Notaufnahmelager Marienfelde bittet der millionste Flüchtling um Asyl

Vor dem Berliner Abgeordnetenhaus gibt dessen Präsident Willy Brandt bekannt, dass am 20. September 1956 der einmillionste Flüchtling aus der DDR im Notaufnahmelager Marienfelde in Berlin-Tempelhof eingetroffen sei und um politisches Asyl ersucht haben.

Marienfelde, das auch "Nadelöhr der Freiheit" genannt wurde, war am 14. April 1953 eröffnet worden. 1,53 Millionen DDR-Bürger bekamen dort zwischen 1953 und 1990 erste Hilfestellungen für ein neues Leben im Westen. Doch das Lager war mehr als nur eine Anlaufstelle für Ausreisende. Während der Zeit des "Kalten Krieges" wurde es mehr und mehr zum Symbol für den Systemkonflikt von BRD und DDR.

1959: Erste Folge von "Herzklopfen kostenlos"

Talente aus dem Volk entdecken und mit deren Auftritten die Werktätigen erfreuen: Das war die Mission von "Herzklopfen kostenlos". 1958 wurde die Show von Heinz Quermann erfunden und war zunächst eine Bühnenveranstaltung. Von 1959 bis 1974 wurde die Show auch im Fernsehen übertragen. Im Westfernsehen gab es bereits seit 1953 eine ähnliche Sendung: Peter Frankenfelds "Wer will, der kann. Die große Talentprobe für jedermann", von der sich Quermann inspirieren ließ.

Eigentlich hatte Quermann mit seiner neuen Sendung nur ein paar neue Gesichter für das Fernsehpublikum entdecken wollen. Doch die Parade der jungen Talente wurde populärer als alle anderen Unterhaltungssendungen des DDR-Fernsehens und bekam schnell einen der begehrten Sendeplätze am Samstagabend.

1974, Musikerin Nina Hagen
Musikerin Nina Hagen (1974) Bildrechte: IMAGO / Gueffroy

Fast alle, die in den 1970er- und 1980er-Jahren zur Prominenz der DDR-Unterhaltung gehören sollten, waren von ihm entdeckt worden: Frank Schöbel, Chris Doerk, Monika Hauff und Klaus-Dieter Henkler, Regina Thoss, Monika Herz, Roland Neudert, Wolfgang Ziegler, Michael Hansen oder Dagmar Frederic. Auch Veronika Fischer hatte ihren ersten Fernsehauftritt in "Herzklopfen kostenlos". Und selbst Punklady Nina Hagen pries im Jahr 2000 den Talentvater Heinz Quermann als ihren "Entdecker".

1961: Zwangsräumungen an der Mauer beginnen

Am 20. September 1961 begannen in Ost-Berlin die Räumungen verschiedener Häuser längs der Mauer. Menschen sollten aus diesen Gebäuden nicht mehr in den Westen flüchten können. Rund 250 Familien mussten daher mit einem Mal ihre Wohnungen verlassen.

Nur knapp einen Monat zuvor, in der Nacht vom 17. auf den 18. August, wurde mit dem Bau der "Berliner Mauer" begonnen. Der Grund: Mehr als 2,5 Millionen Menschen waren zwischen 1949 und 1961 aus der DDR in die Bundesrepublik geflohen. Der DDR drohte der wirtschaftliche Zusammenbruch. Die DDR-Regierung unter Walter Ulbricht ließ daher schon am 26. Mai 1952 die innerdeutsche Grenze zur Bundesrepublik und am 13. August 1961 die Berliner Sektoren- und Umlandgrenze sperren, um die Fluchtbewegung zu stoppen und den Weg in den Westen abzuriegeln.

2001: Karl Eduard von Schnitzler gestorben

Am 20. September 2001 starb Karl Eduard von Schnitzler. In der DDR nannte man ihn im Volksmund nur "Sudel-Ede". Der Grund: Schnitzlers Sendung "Der schwarze Kanal", in der er von 1960 bis 1989 gegen die "menschenverachtende" Bundesrepublik polemisierte.

Fast 30 Jahre lang moderierte der gebürtige Berliner verbissen wie scharfzüngig dieses Fernsehformat, stellte Woche für Woche die vermeintlichen oder auch tatsächlichen Fehler der Bundesrepublik an den Pranger. Er hielt bis zum Ende der DDR an seinem Kurs fest, obwohl sich die politischen Umstände in Zeiten von Annäherung der beiden deutschen Staaten und UNO-Mitgliedschaft der DDR auch geändert hatten. Das hatte zur Folge, dass seit spätestens Mitte der 1970er-Jahre die Zuschauerzahlen stetig sanken.