#blickzurück: Kalenderblatt der Geschichte Das geschah am 20. Dezember

1910: Atomkern entdeckt

Ernest Rutherford entdeckte am 20. Dezember 1910 bei einem Experiment, dass Atome Kerne haben. Damit konnte der Forscher und Nobelpreisträger ein neues Modell des Atoms entwerfen, welches aus einem Kern und einer Hülle besteht. Für die moderne Physik war das sogenannte "Rutherfordsches Atommodell" eine Sensation. Bis heute gilt Rutherford als einer der bedeutendsten Experimentalphysiker.

Ernest Rutherford (1871-1937)
1910 führt Rutherford in seinem Labor das bedeutende Experiment durch. Es bildet die Grundlage für das heutige Bild vom Atom. Bildrechte: IMAGO / Photo12

1956: DDR-Geschenkdienst "Genex" gründet sich

Vom Ministerium für Außenhandel wurde am 20. Dezember 1956 der DDR-Geschenkdienst Genex ins Leben gerufen. Bürger der Bundesrepublik konnten ihren Familien und Freunden Geschenke in die DDR bestellen und liefern lassen, die sie mit D-Mark bezahlten. Mit diesem Dienst wollte die DDR dringend benötigte Devisen besorgen. In den Genex-Katalogen wurden neben Kaffee, Süßigkeiten und Kleidung auch exklusive Produkte wie beispielsweise Fertigteilhäuser, Motorräder oder Autos ohne Wartezeit angeboten. Vor der Gründung von Genex durften nur wenige Westwaren legal per Paket in den Osten geschickt werden, oft hat sie der Zoll einbehalten. Nach der Wiedervereinigung wurde das Unternehmen umbenannt, später der Treuhand unterstellt und bis 1992 abgewickelt.

Genex-Katalog
Flotter Schlitten: Bürger aus der Bundesrepublik konnten in den Genex-Katalogen Geschenke bestellen und in die DDR liefern lassen. Auch Autos, auf die DDR-Bürger jahrelang warten mussten, waren sofort verfügbar. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK/Dirk Heinemann

1963: Der erste Frankfurter "Auschwitz-Prozess" beginnt

In Frankfurt beginnt am 20. Dezember 1963 der erste Auschwitz-Prozess. Das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz war das größte aller NS-Lager. Mehr als eine Million Juden wurden dort ermordet. 22 Männer, darunter ehemalige SS-Angehörige, KZ-Wachmänner und drei Lagerärzte, waren des Mordes und der Beihilfe zum Mord angeklagt. Hauptangeklagter war Robert Mulka, der Adjutant des früheren Lagerkommandanten Rudolf Höß, der bereits 1947 hingerichtet wurde. Der Prozess wurde in der Öffentlichtkeit "Strafsache gegen Mulka und andere" genannt. Die meisten Angeklagten bestritten, persönlich an den Gräueltaten beteiligt gewesen zu sein. Um Beweise zu sammeln, wurden insgesamt 359 Zeugen aus 19 Ländern angehört. Einige dieser Tonbandaufnahmen können auch online nachgehört werden.

Schließlich verurteilte das Gericht am 19. August 1965 sechs Angeklagte zu teils lebenslangen Zuchthausstrafen, zehn wurden zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt, drei Angeklagte erhielten einen Freispruch. Die Staatsanwaltschaft hatte höhere Strafen gefordert. Die Urteile im Auschwitz-Prozess wurden von den Medien und der Öffentlichkeit als zu milde empfunden.

Auschwitzgefangene vorm Häftlingskrankenhaus mit Video
Als der Marsch am 18. Januar los geht, liegen viele Gefangene im Krankenbau. Der Großteil ist zu schwach um das Lager zu verlassen und bleibt zurück. Hier sind sie kurz nach der Befreiung mit Rotarmisten zu sehen. Bildrechte: AKG Images

1972: Schweiz erkennt DDR an

Am 20. Dezember 1972 erkennt die Schweiz die DDR als souveränen Staat an. Für eine internationale Anerkennung kämpfte die DDR bereits seit ihrer Gründung 1949. Erst in den 1970er-Jahren und nach ihrem UNO-Beitritt 1973 wurde sie diplomatisch in der Weltgemeinschaft relativ flächendeckend akzeptiert. Voraussetzung dafür war der "Grundlagenvertrag", den BRD und DDR unterzeichneten. Beide deutsche Staaten erkannten sich darin gegenseitig als eigenständige Nationen an.