#blickzurück: Kalenderblatt der Geschichte Das geschah am 1. Dezember

2019: Erster Covid-Fall in China

Am 1. Dezember 2019 wird in der chinesischen Provinz Wuhan der erste Fall einer neuartigen Viruserkrankung, die die Atemwege angreift, wissenschaftlich dokumentiert. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt der Infektionskrankheit später den Namen Covid-19. Obwohl kurz darauf in Wuhan zahlreiche Fälle von schweren Lungenentzündungen auftreten, informieren die chinesischen Behörden erst am 31. Dezember offiziell über das Geschehen.

Menschen sind im zu einem Krankenhaus umfunktionierten Sportzentrum Wuhan untergebracht
Weil die Krankenhäuser in Wuhan keine freien Betten mehr haben, werden zahlreiche inifizierte Menschen in einem Sportzentrum untergebracht. Bildrechte: imago images/Xinhua

Experten gehen zunächst davon aus, dass der Erreger aus dem Tierreich übertragen wurde und kaum von Mensch zu Mensch weitergegeben wird. Doch entgegen dieser Annahme verbreitet sich Covid-19 rasant: Bereits im Januar treten Fälle in Thailand und den USA auf, Woche für Woche folgen weitere Länder. Am 11. März stuft die WHO das Infektionsgeschehen als weltweite Pandemie ein. Zu dieser Zeit gibt es auch in Deutschland schon über 1.500 Corona-Fälle.

Um die Übertragung einzudämmen, wird das soziale Leben auf ein Minimum heruntergefahren. Zeitweilig gelten harte Ausgangsbeschränkungen, infizierte Personen sowie deren Umfeld müssen sich in Quarantäne begeben. Parallel wird eiligst an Impfstoffen geforscht, im Dezember 2020 werden in Deutschland die ersten Impfdosen verabreicht. Aber auch drei Jahre nach Bekanntwerden des ersten Falls flammt das Coronavirus immer wieder auf. Zudem wird noch immer nach der Quelle des Erregers gesucht.

1991: Ukraine stimmt für Unabhängigkeit

Am 1. Dezember 1991 findet in der Ukraine ein Referendum über die Unabhängigkeit des Landes statt. Über 90 Prozent der abgegebenen Stimmen sprechen sich für die Loslösung von der UdSSR aus. Zu diesem Zeitpunkt ist die Sowjetunion bereits so gut wie aufgelöst. Seit dem Augustputsch gegen den sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow zerfällt die Staatsunion.

Eine Menschenmenge hat sich am 25.08.1991 vor dem ZK-Gebäude der Kommunistischen Partei in Kiew versammelt, um die Autonomie zu feiern.
Einen Tag nach der Unabhängigkeitserklärung feiert eine Menschenmenge feiert in Kiew ihre Autonomie. Dabei wird ein beschmiertes Lenin-Porträt hochgehalten. Bildrechte: dpa

Obwohl die Ukraine großes Wirtschafts- und Industriepotential besitzt, bringt die Unabhängigkeit nicht den gewünschten Wohlstand. Die eigenen Industrieprodukte sind im Westen nicht konkurrenzfähig, die Ackerböden ausgelaugt oder seit Tschernobyl verseucht. Auch eine Umgestaltung hin zur Demokratie gestaltet sich schwierig: Die Ukraine ist hinsichtlich ihrer politischen Ausrichtung gespalten, die Interessenlagen im westlichen und östlichen Teil unterschiedlich.

Bei den Maidan-Protesten 2013 und 2014 gehen Ukrainerinnen und Ukrainer für eine pro-europäische Politik auf die Straße gehen. Die Ukraine strebt zudem an, Mitglied der Nato zu werden. Der russische Präsident Wladimir Putin erkennt die Souveränität des Nachbarlandes nicht an und annektiert 2014 die ukrainische Halbinsel Krim. Am 24. Februar 2022 greift Russland die Ukraine an und bringt die pro-russischen Gebiete Donezk und Luhansk widerrechtlich in seine Gewalt.

Bericht Ukraine Abstimmung Austritt UdSSR 1 min
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Do 24.11.2022 21:49Uhr 00:47 min

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1964: DDR-"Eintrittsgeld" eingeführt

Am 1. Dezember 1964 wird für Besucher der DDR aus dem nichtsozialistischen Wirtschaftsgebiet ein verbindlicher Mindestumtausch eingeführt - inoffiziell auch Zwangsumtausch oder Eintrittsgeld genannt. Der umzutauschende Betrag ändert sich mehrmals. Bürger der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlins müssen zuletzt 25,00 Mark der DDR im Kurs 1:1 umtauschen. Der Mindestumtausch wird am 24. Dezember 1989 wieder abgeschafft.

Besucher aus Westberlin am Grenzübergang an der Oberbaumbrücke, 1965
Besucher aus West-Berlin am Grenzübergang an der Oberbaumbrücke, 1965 Bildrechte: dpa

1955: Amerikanische Bürgerrechtlerin löst Bus-Boykott aus

Am 1. Dezember 1955 wird die Afroamerikanerin Rosa Parks festgenommen, weil sie ihren Platz im Bus nicht für einen Weißen räumen wollte. Der Fall ereignete sich in Montgomery, der Hauptstadt des Bundesstaates Alabama. In den Südstaaaten der USA herrscht zu dieser Zeit eine strikte Rassentrennung in der Öffentlichkeit. So dürfen People of Color im Nahverkehr nur Plätze in der Mitte oder hinten im Bus einnehmen. Sind die Plätze vorn belegt, müssen die mittleren Sitze ebenfalls für weiße Fahrgäste geräumt werden.

Rosa Parks, aufgenommen am 22. Februar 1956, nachdem sie am 1. Dezember 1955 in Montgomery (Alabama) verhaftet wurde
Weil sie ihren Platz im Bus nicht für einen Weißen räumen wollte, wird Rosa Parks 1955 verhaftet und zu einer Geldstrafe verurteilt. Bildrechte: dpa

Als Rosa Parks ihren Platz in der Mitte des Busses am 1. Dezember nicht aufgibt und daraufhin verhaftet wird, löst sie eine große Welle von Protesten im ganzen Land aus. Bürgerrechtler, wie der noch unbekannte Martin Luther King, organisieren einen Bus-Boykott in Montgomery. Dieser endet erst mit dem Urteil des Obersten Bundesgerichts in Washington, dass die Rassendiskriminierung im öffentlichen Nahverkehr verfassungswidrig ist. Rosa Parks wird für ihr Engagement mehrfach ausgezeichnet. 

1953: Erster "Playboy"

Am 1. Dezember 1953 bringt Hugh Hefner in den USA das Männermagazin "Playboy" heraus. Die erste Ausgabe kostet 50 Cent. Hefner gruppiert das Heft neben einer Sherlock-Holmes-Geschichte vor allem um einen Satz Aktfotos von Marilyn Monroe. Sie schmückt auch das erste Playboy-Cover im Dezember 1953. Hefner hat die Monroe-Fotos zuvor von einem kleinen Verlag für erotische Kalender für 500 Dollar gekauft. Es sind Aufnahmen des Fotografen Tom Kelley von 1949 und die ersten Nacktbilder einer Frau in einem Magazin. 1972 erscheint das Heft auch in Deutschland. Hefner stirbt im September 2017. 2020 wird der "Playboy" eingestellt.

1946: Penicillin-Herstellung startet

Am 1. Dezember 1946 startet die erste deutsche Firma die Produktion des Medikaments Penicillin. Der Antibiotika-Wirkstoff wurde 1928 zufällig vom Mediziner Alexander Fleming entdeckt und gilt als eine der größten Innovationen der Medizingeschichte. Seit 1945 ist das Antibiotikum auf Rezept in Apotheken erhältlich.

Sir Alexander Fleming
Penicillin-Erfinder Alexander Fleming, um 1900 Bildrechte: IMAGO

1883: Krankenversicherung wird Pflicht

Am 1. Dezember 1883 tritt die gesetzliche Krankenversicherung in Deutschland in Kraft. Eingeführt wurde sie auf Initiative des Reichskanzlers Otto von Bismarck. Für Arbeiter gibt es fortan eine Versicherungspflicht - aber auch das Recht auf Geld im Krankheitsfall. Die Arbeitgeber bringen ein Drittel, die Arbeiter zwei Drittel der Beiträge auf. Die Reform ist ein Meilenstein in der Geschichte der Sozialversicherung. Deutschland ist das erste Land, das eine Sozialversicherung auf nationaler Ebene einführt.

Gemälde von Otto von Bismarck
Gemälde von Otto von Bismarck, dem "Vater" der gesetzlichen Krankenversicherung Bildrechte: imago images/StockTrek Images

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Artour | 24. November 2022 | 22:10 Uhr