#blickzurück: Kalenderblatt der Geschichte Das geschah am 26. Juli ...

1977: Kaffeekrise in der DDR

Aufgrund steigender Weltmarktpreise sollten die Kaffeeimporte der DDR in der Zukunft eingeschränkt werden, um so Devisenaufwendungen zu minimieren. Das SED-Politbüro beschließt daher am 26. Juli 1977 eine neue "Versorgungsrichtlinien für Kaffee" und bringt den Kaffee-Mix auf den Mark. Dieser besteht nun nur noch aus 51 Prozent Röstkaffee. Die Entscheidung des SED-Politbüros sorgt für Proteste in der Bevölkerung. Nach entbehrungsreichen Jahren der Nachkriegszeit, in denen sich Bewohner der sowjetischen Besatzungszone mit Kaffeeersatz helfen mussten oder richtigen Kaffe nur auf dem Schwarzmarkt fanden, war Bohnenkaffee ab Ende der 1940er-Jahre wieder überall erhältlich. Der DDR-Bürger sah folglich nicht ein, wieder nur dünne "Plörre", wie besonders dünner Kaffee auch genannt wird, zu trinken. Nach massiven Protesten wird die Produktion des Ersatzkaffees, der im Volksmund "Honeckers Krönung" genannt wird, wieder eingestellt.

Lieber Erich, bei der Behandlung der Vorlage über Kaffee und Kakao habe ich mich sehr über Deinen Einwand gefreut, hier nichts zu übereilen. Hier geht es ja nicht um irgendeine Versorgungsposition, sondern um ein Volksgenußmittel im besten Sinne des Wortes. […] Ich befürchte, die Durchführung der […] Maßnahmen wird auf kein Verständnis stoßen, große Unzufriedenheit auslösen.

Politbüromitglied Albert Norden Brief an Erich Honecker vom 28. Juni 1977
Eine Laborantin prüft eine Proberöstung der Sorte Rondo Melange 1 min
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Kaffeemix - "das war zuviel des Guten", da waren sich nicht nur die Kaffee-Sachsen einig: Landesweit verzogen Kaffeeliebhaber beim Genuss von "Erichs Krönung" das Gesicht.

Di 16.09.2003 22:00Uhr 01:04 min

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1955: Zwei-Staaten-Theorie Chruschtschows

In Ost-Berlin verkündet der sowjetische Parteichef Nikita Chruschtschow am 26. Juli 1955 die Zwei-Staaten-Theorie. Danach seien auf dem Gebiet des Deutschen Reiches nach dem Zweiten Weltkrieg zwei souveräne Staaten entstanden. Die Deutschlandpolitik der Sowjetunion ändert sich unter diesem Aspekt. Denn laut Chruschtschow sei eine Wiedervereinigung alleinige Sache der Deutschen und setze zunächst die Annäherung zwischen der Bundesrepublik und der DDR voraus. Außerdem müssten die "sozialistischen Errungenschaften" der DDR gewahrt werden. Eine baldige Wiedervereinigung nach freien Wahlen ist damit ausgeschlossen. Für das SED-Regime unter Walter Ulbricht ist die Zwei-Staaten-Theorie endgültig die erhoffte Bestandsgarantie für die DDR. Sie wird fortan verstärkt in den sowjetischen Machtbereich integriert.

1921: Inkrafttreten des Vertrag von Trianon

Der "Friedensvertrag von Trianon" zwischen Ungarn und den Alliierten tritt in Kraft. Dieser war bereits ein Jahr zuvor, am 4. Juni 1920, beschlossen worden.

Bis zum Ende des Ersten Weltkrieges war Ungarn Teil des Habsburgerreichs und ebenso wie die österreichische Hälfte der Doppelmonarchie ein Vielvölkerstaat. Doch während Wien einen relativ liberalen Kurs einschlug und den Völkern der österreichischen Reichshälfte viel Autonomie gewährte, setzte Budapest in seiner Reichshälfte auf Unterdrückung.

Die national erwachten Völker nutzten die Niederlage der Mittelmächte Deutschland und Österreich-Ungarn im Ersten Weltkrieg, um sich den Traum von Eigenstaatlichkeit zu erfüllen. Reihenweise sagten sich Gebiete von Wien und Budapest los. Mit Hilfe Frankreichs besetzten die Armeen dieser neuen bzw. wiederhergestellten Länder Territorien, auf die sie Anspruch erhoben, wie Siebenbürgen oder Slowakei.

Landkarte zeigt Ungarn in seinem heutigen Staatsgebiet. 2 min
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Als Ungarn Ende 1919 an den Verhandlungstisch eingeladen wurde, waren damit also bereits Fakten geschaffen. Nach mehrmonatigen Verhandlungen, bei denen Ungarn nicht als gleichwertiger Partner, sondern Kriegsverlierer behandelt wurde, wurde der Vertrag von Trianon unterschrieben. Er besiegelte die Aufteilung der ungarischen Reichshälfte unter sechs Staaten. Die größten Gebiete gingen an Rumänien, die Tschechoslowakei und das spätere Jugoslawien. Das einst so mächtige Ungarn schrumpfte, ähnlich wie Österreich, zu einem Kleinstaat zusammen – von den ursprünglich 21 Millionen Einwohnern fanden sich nur knapp acht Millionen in den neuen Grenzen wieder.