#blickzurück: Kalenderblatt der Geschichte Das geschah am 24. Juli ...

1990: Sowjetunion bekennt sich zu 43.000 Toten in Speziallagern

1990 gab das sowjetische Außenministerium bekannt, dass zwischen 1945 und 1950 etwa 43.000 Deutsche in Speziallagern auf DDR-Boden umkamen. Ursprünglich für NS- und Kriegsverbrecher gedacht, wurden dort auch ehemalige NSDAP-Funktionäre, Mitläufer aber auch willkürlich verhaftete Jugendliche oder angebliche Spione eingesperrt. Bei vielen Insassen wurde nie eine individuelle Schuld festgestellt. Fast jeder vierte Häftling starb an Hunger, Kälte oder Krankheiten. In der DDR wurden die Lager tabuisiert. Erst nach der Wende und der Öffnung sowjetischer Archive gelangten Informationen über die Zustände in den Speziallagern an die Öffentlichkeit.

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1972: Selbstwählferndienst von West-Berlin in die DDR

1972 wurde der Selbstwählferndienst von West-Berlin in 32 Ortsnetze in der DDR eingerichtet. Damit war es für West-Berlinerinnen und Berliner möglich, Ferngespräche in Teilbereiche der DDR zu führen – ohne eine Vermittlung über ein "Fräulein vom Amt" in der Telefonzentrale. Umgekehrt konnte die DDR-Bevölkerung nicht per Selbstwählverkehr in die Bundesrepublik telefonieren. Alle Gespräche in den Westen Deutschlands mussten bis 1989 beim Fernamt angemeldet und per Hand vermittelt werden. Viele Telefonate zwischen Ost- und Westdeutschland wurden von der Stasi mitgehört.

Telefonistinnen mit Sprechkopfhörern sitzen vor einem Kasten mit Anschlussbuchsen.
West-Berlinerinnen und Berliner konnten ab 1972 Ferngespräche in Teilbereiche der DDR führen – ohne Vermittlung über ein "Fräulein vom Amt". Bildrechte: dpa

1971: Spektakuläre DDR-Flucht über die Ostsee

1971 schwamm der DDR-Bürger Peter Döbler 48 Kilometer über die Ostsee und flüchtete so in den Westen. Er startete bei Kühlungsborn im Landkreis Rostock. Mit Taucheranzug, Schwimmring und Metamphetaminen ausgerüstet, erreichte der Chirurg nach etwa 24 Stunden die westdeutsche Insel Fehmarn. Dort zogen ihn Urlauber aus dem Wasser. Es war die längste Strecke, die ein DDR-Flüchtling je schwimmend überwand. Bis 1989 gelang es mehr als 900 DDR-Bürgerinnen und Bürgern über die Ostsee in den Westen zu gelangen. Die meisten Fluchtversuche scheiterten jedoch. Mindestens 174 Erwachsene und Kinder kamen beim Versuch ums Leben.

Wachturm an der Ostsee, 1989
Peter Döbler schwimmt fast 50 Kilometer von Kühlungsborn bis zur westdeutschen Ostseeinsel Fehrmarn, um aus DDR in den Westen Deutschlands zu fliehen. Bildrechte: imago/Heiko Feddersen