#blickzurück: Kalenderblatt der Geschichte Das geschah am 9. August

1965: Erste Mieter beziehen Wohnungen in Halle-Neustadt

Obwohl sie noch inmitten einer Großbaustelle wohnten, durften am 9. August 1965 die ersten Familien ihre neuen Wohnungen im Block 621 in Halle-Neustadt beziehen. Die Wohnungen waren mit Fernwärme, einem eigenen Badezimmer und manche mit einem Balkon ausgestattet. Ein Luxus für viele Mieter, da in der DDR Wohnungsnot herrschte.

1964 erfolgte die Grundsteinlegung für das neue Wohngebiet Halle-West, die künftige "Chemiearbeiterstadt Halle/Saale-West". Noch bevor der erste Wohnkomplex 1968 fertig gebaut war, wurde das Gebiet am 12. Mai 1967 vom Stadtteil Halle-West zur selbstständigen Stadt Halle-Neustadt erklärt. Gebaut wurden die Wohntürme nach der Plattenbauweise. Um den Bau zu beschleunigen, ließ die DDR-Führung ein eigenes Wohnungsbaukombinat und ein Plattenwerk errichten. Halle-Neustadt galt als Musterbeispiel für die "sozialistische Planstadt" und sollte Wohnraum für die unzähligen Arbeiter der nahegelegenen Chemiewerke Leuna und Buna schaffen. Bis zum Jahr 1989 stieg die Einwohnerzahl von Halle-Neustadt auf mehr als 100.000. Nach der Wende sank die Einwohnerzahl jedoch rapide, auf nur noch 45.000 Einwohner im Jahre 2009. Heute ist die Neustadt Teil der Stadt Halle, viele Wohntürme stehen leer und das Viertel gilt heute als sozialer Brennpunkt.

1989: Erstbesteigung des Pik-Leipzig

Eine über 1.000 Meter hohe Gletscherwand mussten die Bergsteiger erklimmen, doch am 9. August gelang der DDR-Bergsteigergruppe der Aufstieg zum Gipfel. Die Männer aus Leipzig, Ralf Brummer, Siegfried Wittig, Erhard Klingner und Wolfgang Hempel, waren die ersten auf dem Gipfel und benannten den Berg im Pamirgebirge nach ihrem Wohnort: Pik-Leipzig. Der Berg befindet sich direkt auf der Grenze des heutigen Kasachstan und Kirgistan im westlichen Transalaigebirge. Brummer hatte im April 1989 überraschend die Genehmigung der sowjetischen Behörden für den Aufstieg erhalten. Die enorm hohen Kosten für die Expedition konnten die Bergleute jedoch nicht alleine aufbringen. Schließlich war es der Deutsche Turn- und Sportbund (DTSB), der die Reise der Männer finanzierte. Der Erfolg ihrer Expedition wurde nach ihrer Rückkehr im Oktober 1989 jedoch öffentlich kaum wahrgenommen aufgrund der politischen Ereignisse rund um die Leipziger Montagsdemonstrationen. 2014 gelang Steffen Löfflmann und Christian Vettermann mit der Hilfe von Ralf Brummer der zweite Aufstieg.

2016: NS-Akten in Erfurter Gesundheitsamt gefunden

Fünfzig Umzugskartons füllte der Fund, den Bauarbeiter am 9. August 2016 im Gebäude des ehemaligen Erfurter Gesundheitsamtes machten. Bei ihrer Arbeit fanden sie unzählige Akten des Gesundheitsamtes aus NS-Zeiten. Die Akten waren in einem Hohlraum über einer Kühlzelle für Medikamente und Impfstoffe versteckt gewesen. Viele der Papiere entstammten der Abteilung "Erb- und Rassenpflege", die in den 1930er-Jahren in allen deutschen Gesundheitsämtern eingerichtet wurde. Die dokumentierten Daten waren Grundlage für Maßnahmen wie Zwangssterilisation oder der Massenmord an Kranken und Behinderten durch die "Euthanasie". 2300 Namen sind in den gefundenen Akten erfasst, entsprechend der Krankheiten der Patienten erhielten die Akten farbige Reiter. Der Fund war laut Stadt Erfurt der "größte Aktenfund aus dem historischen Bestand des Gesundheitsamtes". Die Akten lagern seitdem im Erfurter Stadtarchiv.

Gefunden Akten aus der NS-Zeit sind auf einem undatierten Handout zu sehen.
Die NS-Akten aus den 1930er-Jahren waren im Jahre 2016 ein Sensationsfund im ehemaligen Gesundheitsamt Erfurt. Bildrechte: dpa/Stadt Erfurt