#blickzurück: Kalenderblatt der Geschichte Das geschah am 13. August

1727: Herrnhuther Brüdergemeine gegründet

Am 13. August 1727 wird die Herrnhuther Brüdergemeine gegründet. Wenige Jahre zuvor erklärte sich Graf Nikolaus Ludwig von Zinzendorf dazu bereit, Glaubensflüchtlinge aus Mähren (heute Tschechien) auf seinem Gut aufzunehmen. Daraufhin gründeten sie zwischen Zittau und Löbau die Siedlung Herrnhut. Die Geflüchteten gehörten der vorreformatorischen Bewegung der Böhmischen Brüder (Unitas Fratrum) an. Am 13. August 1727 schließen sie sich mit protestantischen Deutschen zur Herrnhuther Brüdergemeine zusammen. Gemeinsam entwickeln sie eine neue Form geistlichen Zusammenlebens. Durch Missionarsarbeit werden sie eine weltweite Glaubensbewegung, die heute über eine Million Mitglieder zählt. In den Internaten der Brüdergemeine entstehen die ersten "Herrnhuter Sterne", die inzwischen deutschlandweit bekannt und beliebt sind.

1923: Stresemann wird Reichskanzler

Am 13. August 1923 wird Gustav Stresemann vom Reichstag zum achten Reichskanzler der Weimarer Republik gewählt. Der Politiker der Deutschen Volkspartei (DVP) bildet mit der Deutschen Demokratischen Partei (DDP), der DVP, dem Zentrum und der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) die erste Große Koalition in Deutschland. Die Regierung beschäftigt sich vor allem mit der Hyperinflation und der Besetzung des Ruhrgebietes. Das "Kabinett Stresemann I" besteht nur 52 Tage lang: Aufgrund von Meinungsverschiedenheiten tritt es bereits im Oktober zurück. Daraufhin wird Stresemann von Reichspräsident Friedrich Ebert erneut mit der Regierungsbildung betraut. "Kabinett Stresemann II" bleibt jedoch ebenfalls nur wenige Wochen, bis zum 30. November 1923, im Amt. Die SPD verlässt die Koalition wegen innenpolitischer Konflikte sogar schon vorher und entzieht Stresemann das Vertrauen. Dieser erklärt am 23. November seinen Rücktritt, gehört dem Kabinett aber weiterhin als Außenminister an.

Gustav Stresemann
Gustav Stresemann ist bis zu seinem Tod am 3. Oktober 1929 Reichsminister des Auswärtigen. Bildrechte: imago/United Archives International

1961: Mauerbau in Berlin beginnt

Am 13. August 1961 gehen um kurz nach ein Uhr entlang der Grenze in Ost-Berlin die Straßenlaternen aus. Auch U- und S-Bahnen fahren nun nicht mehr und die ersten Fenster werden zugemauert. Einheiten von Volkspolizei und NVA riegeln die 160 Kilometer lange Grenze um West-Berlin mit Stacheldraht ab. Das Vorgehen ist Teil der Operation "Rose", der Mauerbau hat begonnen. Wenige Stunden zuvor hatte SED-Chef Walter Ulbricht Angehörige des Politbüros, Minister und Mitglieder des Staatsrates in das Gästehaus des Ministerrates am Döllnsee bei Berlin geladen. Dort informierte er die Politiker über die Operation "Rose", die bis dahin strenge Geheimsache gewesen war, und eine totale Abriegelung der Grenze vorsah. Die DDR-Regierung erachtete sie als notwendig, um die massenhafte Abwanderung von DDR-Bürgern zu unterbinden. Allein im Juli 1961 waren mehr als 30.000 Menschen in den Westen geflüchtet, so viele wie nach den Aufständen des 17. Juni 1953 nicht mehr. Dem Staat drohte der wirtschaftliche Kollaps. Die "Operation Rose" wurde unter der Leitung von Erich Honecker ausgeführt. Nach der Grenzabriegelung – zunächst überwiegend mit Stacheldrahtsperren – beginnt am 17. August der eigentliche Mauerbau.

Schatten 2 min
Bildrechte: Deutsches Rundfunkarchiv

1986: Protestaktion an der Berliner Mauer

Am 13. August 1986, am 25. Jahrestag des Mauerbaus, kettet sich der Theologie-Student Reinhard Lampe an ein Fensterkreuz nahe der Berliner Mauer. Neben ihm hängen Plakate, auf denen "25 Jahre Mauer sind genug" und "Stirb an der Mauer" zu lesen ist. Wegen der Protestaktion wird Lampe inhaftiert und zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Wenige Monate später gründet er mit anderen Bürgerrechtlern die Oppositionsgruppe "Demokratie Jetzt". Sie fordern eine demokratische Erneuerung der DDR. 1991 fusioniert die Bewegung mit Teilen des "Neuen Forums" und der "Initiative Frieden und Menschenrechte" zum "Bündnis 90".

Wahlveranstaltung von Bündnis 90 (Bürger für Bürger) in der Gethsemanekirche
Am 12. September wird die 1989 Oppositionsgruppe "Demokratie Jetzt" gegründet. Lampe, Mehlhorn, Bickhardt und Fischbeck sind unter den zwölf Erstunterzeichnern.  Bildrechte: IMAGO / Rolf Zöllner

1996: Gedenkstätte Marienborn eröffnet

Am 13. August 1996 weiht Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reinhard Höppner den ehemaligen deutsch-deutschen Grenzübergang Marienborn-Helmstedt als "Gedenkstätte im Aufbau"ein. 1994 hatte das Land Sachsen-Anhalt beschlossen, die Gedenkstätte zu errichten. Sie ist heute in Trägerschaft der landeseigenen Stiftung Gedenkstätten in Sachsen-Anhalt. Besucher können kostenlos das Gelände der früheren Grenzübergangsstelle besichtigen, darunter die Abfertigungsbereiche für Reisende mit PKW, den Zollbereich, einen Wachturm und die Wechselstube. Nach Angaben des Landes Sachsen-Anhalt besuchen jährlich zwischen 150.000 und 170.000 Menschen die Gedenkstätte. Marienborn war einer der wichtigsten Grenzübergänge zwischen der Bundesrepublik und der DDR. Bereits am 1. Juli 1945 richteten die Siegermächte dort eine alliierte Kontrollstelle ein. Mit dem Transitabkommen 1972 wurde die Grenzübergangsstelle ausgebaut, um die wachsende Zahl an Reisenden zu bewältigen. Allein zwischen 1985 und 1989 passierten mehr als 34 Millionen Menschen den Grenzübergang.

Marienborn Grenzübergang
Der Grenzübergang Marienborn beherbergt seit 1996 die Gedenkstätte Deutsche Teilung. Bildrechte: imago images / teutopress

2002: Elbe-Hochwasser flutet Dresdner Innenstadt

Am 13. August 2002 flutet ein Hochwasser die Dresdner Innenstadt. Bereits am Vortag war um 18 Uhr der Katastrophenalarm ausgelöst worden und Dresden-Friedrichstadt hatte man bereits evakuiert. Doch der Elbpegel stieg weiter: Am 13. August erreicht er mehr als sieben Meter. Normalerweise liegt er bei ungefähr zwei Metern. Das Hochwasser fließt nun ungebremst in die Dresdner Innenstadt. Die Elbe flutet die Semperoper, den Zwinger und den Landtag. Die Weißeritz, ein Zufluss der Elbe, überschwemmt den Dresdner Hauptbahnhof. In den nächsten Tagen spitzt sich die Lage noch zu, weitere Stadtteile von Dresden müssen evakuiert werden. Erst am 17. August erreicht die Elbe ihren Höchstand: 9,40 Meter. Ausgelöst wurden die Überschwemmungen durch die heftigsten Regenfälle seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Nicht nur Dresden, sondern auch weite Teile Sachsens, Thüringens und Sachsen-Anhalts sind von Hochwassern betroffen. Auch in Bayern, Österreich und Tschechien kommt es zu verheerenden Überflutungen.

Radfahrer fährt unbedarft durch das Hochwasser vor der Semperoper in Dresden, 2002
Ein Radfahrer fährt mühsam durch das Hochwasser vor der Semperoper in Dresden im August 2002. Bildrechte: imago images / STAR-MEDIA