#blickzurück: Kalenderblatt der Geschichte Das geschah am 15. August

1926: erste Telefonate ohne Vermittlung in Berlin

Die Technik war so weit, dass das "Fräulein vom Amt" überflüssig wurde. Ab 1926 gingen Teile Berlins in den "Wählbetrieb" und Anrufe wurden automatisch weitergeleitet, ohne dass eine Fernsprechgehilfin Kabel umstecken musste. Der Hintergrund dieser technischen Entwicklung war, dass mit zunehmender Anzahl an Telefonaten die Telefonistinnen vielerorts nicht mehr alle Anrufe effizient verbinden konnten.

Die erste Telefonvermittlung der Welt gab es am 17. Mai 1877 in Washington. Als der US-Amerikaner Almon Strowger 1889 den Hebdrehwähler erfand, dauerte es nur noch drei Jahre, bis in den USA die erste automatische Vermittlungsstelle eingerichtet wurde. Das erste deutsche "Selbstanschlussamt" gab es bereits 1908 im Stadtgebiet von Hildesheim. Mit Beginn der deutschen Teilung bis 1989 mussten alle Telefonate aus Ost-Berlin in den Westen angemeldet und weiterhin per Hand vermittelt werden.

Telefonistin bei der Arbeit. In der Telefonzentrale von Radio München.
Ab 1926 wurde es auch in Berlin allmählich überflüssig: Das "Fräulein vom Amt". Bildrechte: imago images/Rolf Poss

1936: erstes Lebensborn-Heim eröffnet

Unter dem Decknamen "Heim Hochland" öffnete 1936 das erste Heim des Lebensborn e.V. im oberbayerischen Steinhöring. Bis 1945 kamen 1409 Kinder dort zur Welt. Solche Heime waren geheime Einrichtungen, in denen eine "arische Elite" herangezüchtet werden sollte. SS-Chef Heinrich Himmer hatte den Lebensborn e.V. 1935 zur "Förderung des reinrassigen Geburtenwachstums" ins Leben gerufen. Auch unverheiratete Frauen mit "arischer Abstammung" wurden in den Heimen aufgenommen, verpflegt und konnten dort für die ersten Monate ihre Kinder betreuen. Ihr Nachwuchs erhielt danach nationalsozialistische Vormünder. Auch in Mitteldeutschland gab es Lebensborn-Heime, unter anderem in Wernigerode. In besetzten Gebieten in Osteruropa brachten die Nazis gegen den Willen der Eltern "arisch" aussehende Kinder in den Heimen unter, um sie später an deutsche Familien zu vermitteln.

Schwester bei der Babybetreuung in einem Lebensborn, in der NS-Zeit.
Schwester bei der Babybetreuung in einem Lebensborn-Heim in der NS-Zeit Bildrechte: imago/United Archives International

1996: erstes Smartphone kommt auf den Markt

Zu einem stolzen Preis von 2.700 D-Mark kam 1996 der Nokia Communicator 9000 auf den Markt. Es war das erste internetfähige Handy und damit der Vorläufer des heutigen Smartphones. Neben SMS konnte man auf dem Gerät E-Mails und Faxe versenden und empfangen und auf Webseiten mit HTML zugreifen. Allerdings kamen erst 2007 die ersten Smartphones, wie wir sie heute kennen, auf den Markt. Das erste iPhone von 2007 war eines der ersten Handys, die sich ausschließlich über Touchscreen bedienen ließen. Heute ist das Smartphone das beliebteste technische Gerät weltweit: Es ist Kamera, Navigationsgerät und Notizbuch in Einem. Mittlerweile sind weltweit mehr als vier Milliarden Smartphones in Gebrauch.

Das Nokia Communicator 9000
Der Vorläufer aller Smartphones: Der Nokia Communicator 9000 Bildrechte: dpa

1996: Bau umstrittener Waldschlösschenbrücke in Dresden beschlossen

Am 15. August 1996 beschloss der Stadtrat in Dresden den Bau der Waldschlösschenbrücke. Diese sollte her, um das Verkehrsaufkommen zu bewältigen und Dresden als möglichen Standort für neue Unternehmen attraktiver zu machen. Der Entscheidug waren monatelange Diskussionen im Stadtrat vorausgegangen. CDU, FDP und DSU befürworteten das 185 Millionen D-Mark teure Vorhaben. SPD und Grüne hingegen wollten zentrumsnäher bauen. Der Beschluss war schließlich nötig gewesen, da sonst der Freistaat Sachsen nicht mehr einen Großteil der Kosten übernommen hätte.

Auch nach dem Beschluss war die Waldschlösschenbrücke umstritten, Naturschützer sträubten sich lange gegen das Vorhaben. Erst im November 2007 konnte der Bau beginnen. Wegen der Umweltfolgen des Brückenbaus entzog die UNESCO dem Dresdner Elbtal jedoch im Jahr 2009 als erster Kulturstätte den Welterbe-Status. Erst 2013, 17 Jahre nach Beschluss, wurde die Waldschlösschenbrücke endlich fertiggestellt.