#blickzurück: Kalenderblatt der Geschichte Das geschah am 4. August

1931: Kurt Tucholsky behauptet: "Soldaten sind Mörder"

Da gab es vier Jahre lang ganze Quadratmeilen Landes, auf denen war der Mord obligatorisch, während er eine halbe Stunde davon entfernt ebenso streng verboten war. Sagte ich: Mord? Natürlich Mord. Soldaten sind Mörder.

Kurt Tucholsky Die Weltbühne, 1931

Diese Sätze sorgten für Aufsehen. Sie sind Teil der Glosse "Der bewachte Kriegsschauplatz", die der Schriftsteller Kurt Tucholsky unter dem Pseudonym Ignaz Wrobel 1931 in der Wochenzeitschrift "Weltbühne" publizierte. Tucholsky beschreibt darin seine Erlebnisse beim Dienst der Feldpolizei im Ersten Weltkrieg. 1931 kam es zum Prozess gegen den Herausgeber der "Weltbühne" Carl von Ossietzky. Der Vorwurf: Beleidigung der Reichswehr. Tucholsky konnte nicht angeklagt werden, da er sich zu dieser Zeit bereits im Exil in Schweden befand. Ossietzky wurde im Juli 1932 freigesprochen, weil der Satz "Soldaten sind Mörder" laut Gericht niemanden persönlich angreift.

In den darauffolgenden Jahrzehnten griffen vor allem Friedensaktivisten Tucholskys Satz wiederholt auf. So wurden mehrere Personen wegen Beleidigung verurteilt, weil sie Tucholskys Behauptung öffentlich zitiert hatten. 1995 entschied der Erste Senat nach einer Verfassungsbeschwerde zu ihren Gunsten: Der Tatbestand "Beleidigung" werde nur erfüllt, wenn das Zitat eine bestimmte Person oder die Bundeswehr direkt angreift. Eine allgemeine Kritik am Krieg oder Soldatentum sei hingegen nicht strafbar. So ziert Tucholskys Spruch noch heute Transparente auf Friedensdemonstrationen.

Ostermarsch, Plakat mit dem Spruch Soldaten sind Mörder
Plakat mit Tucholskys berühmten Zitat "Soldaten sind Mörder" auf einem Ostermarsch Bildrechte: dpa

1951: Kraftfahrtbundesamt gegründet

Per Gesetz richtete 1951 die Bundesregierung das Kraftfahrtbundesamt (KBA) ein. Die neue Behörde sollte die wichtigsten Aufgaben zentralisieren, um den bundesdeutschen Autoverkehr zu überwachen. Fortan sollte dieses Amt alle zugelassenen Fahrzeuge im Land erfassen, Verkehrsrowdys wenn nötig die Führerscheine entziehen und die Sicherheit von neuen Fahrzeugen und Fahrzeugteilen prüfen. 1952 zog die Behörde von Bielefeld nach Flensburg-Mürwik. 1974 wurde die "Verkehrssünderkartei" eingeführt, mit der Fahrer je nach Schwere eines Fahrvergehens "Punkte in Flensburg" erhalten. Nach der Wende registrierte das KBA mehr als eine Million neuer Fahrzeuge: die Trabis der DDR-Bürgerinnen und -Bürger kamen hinzu. Bis dahin hatte es in der DDR eine Stempelkarte gegeben, die Fahrverstöße dokumentierte. Seit 2016 können Einträge in die "Verkehrssünderkartei" auf Antrag auch online eingesehen werden.

1956: Leipziger Zentralstadion eröffnet

Ein riesiges Stadion für Leipzig, die "Sporthauptstadt der DDR", sollte gebaut werden. Diesen Auftrag erhielt der Architekt Karl Souradny im März 1955. Nach nur 15 Monaten Bauzeit wurde das neue Zentralstadion im August 1956 eröffnet. Weil es mehr als 100.000 Zuschauern Platz bot, war es auch als "Stadion der Hunderttausend" bekannt und eines der größten weltweit. Bis zur Wende war es Austragungsort von international bedeutenden Sportereignissen, wie beispielsweise dem Fußball-Länderspiel zwischen der Nationalmannschaft der DDR und der CSSR. 1994 wurde es wegen Baufälligkeit gesperrt und teilweise abgerissen. Die rot-grüne Koalition unter Bundeskanzler Gerhard Schröder ermöglichte mit 50 Millionen Euro im Jahr 2000 den Neubau, 2006 war das Zentralstadion Spielstätte für die Fußball-WM. In den Folgejahren wurde das Stadion wenig genutzt, ehe RB Leipzig ins Zentralstadion umzog. Seit 2010 trägt das Stadion den Namen "Red Bull Arena" und bietet heute "nur" circa 47.000 Zuschauern Platz.