#blickzurück: Kalenderblatt der Geschichte Das geschah am 11. August

1919: Weimarer Verfassung unterzeichnet

In Schwarzburg, knapp 80 Kilometer von Weimar entfernt, unterzeichnete Reichspräsident Friedrich Ebert am 11. August 1919 die neue Verfassung der Weimarer Republik. Benannt war die Verfassung nach dem Ort, in dem die Verfassungsgebende Nationalversammlung bis zum 31. Juli getagt hatte. Der liberale Staatsrechtler Hugo Preuß hatte die Verfassung entworfen. Sie vereinte Elemente der repräsentativen, plebiszitären und präsidialen Demokratie. Sie schrieb die Gewaltenteilung im Staat vor und sicherte ihren Bürgern bedeutende Grundrechte zu, darunter die Pressefreiheit und die rechtliche Gleichstellung von Frauen. Gleichzeitig erhielt der Reichspräsident so viele Befugnisse, dass er inoffiziell als "Ersatzkaiser" bezeichnet wurde: Er war Oberbefehlshaber der Streitkräfte, konnte den Reichstag auflösen und Volksentscheide veranlassen, wenn er einem neuen Gesetz nicht zustimmte. Außerdem ernannte und entließ er den Reichskanzler.

Wenige Tage nach der Unterzeichnung trat die Verfassung am 14. August in Kraft. Einige Artikel der Weimarer Verfassung wurden in unser heutiges Grundgesetz übernommen.

1961: DDR-Volkskammer genehmigt Abriegelung der Grenze

Nun war die Grenzsicherung auch "demokratisch" abgesegnet worden: Bei ihrer Sitzung am 11. August 1961 erteilte die DDR-Volkskammer dem Ministerrat die Ermächtigung, Maßnahmen zur Grenzsicherung einzuleiten. Willi Stoph, der Vorsitzende des Ministerrates, hob während der Sitzung hervor:

Der Ministerat erachtet es für notwendig, auch weiterhin [...] zur Gewährleistung des planmäßigen sozialistischen Aufbaus [...] in der Hauptstadt geeignete Maßnahmen gegen Menschenhandel, Abwerbung und Sabotage zu treffen. Jeder einsichtige Bürger wird verstehen, dass es auch in seinem eigenen Interesse besser ist, gewisse Unbequemlichkeiten in diesem Kampf auf sich zu nehmen, als dem schädlichen Treiben unserer Feinde tatenlos zuzusehen.

Willi Stoph Vorsitzender des Ministerrates der DDR

Die Volkskammer fügte sich damit den Ergebnissen des Gipfels der Warschauer-Pakt-Staaten, der vom 3. bis 5. August stattgefunden hatte. Auf der Konferenz hatten die Mitgliedsländer die DDR-Grenzsicherung beschlossen. Erst in der Nacht vom 12 auf den 13. August offenbarte sich jedoch, wie diese "geeigneten Maßnahmen" aussehen würden: Volkspolizisten riegelten die Sektorengrenze nach West-Berlin hermetisch ab, der Mauerbau hatte begonnen.

2006: Günter Grass bekennt sich zu Mitgliedschaft in der Waffen-SS

In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung bekannte sich der Schriftsteller Günter Grass 2006 erstmals zu seiner NS-Vergangenheit. Als 17-Jähriger sei er Anfang 1945 zur Waffen-SS nach Dresden einberufen worden und habe in der zehnten Panzerdivision "Frundsberg" gedient. An Kriegsverbrechen sei er nicht beteiligt gewesen. Im Interview erinnerte sich Grass:

Auf einmal [...] lag der Einberufungsbefehl auf dem Tisch. Und dann stellte ich vielleicht erst in Dresden fest, es ist die Waffen-SS. [...] Später hat mich dieses Schuldgefühl als Schande belastet.

Günter Grass im Interview mit der F.A.Z am 11.08.2006

Das Interview erschien kurz vor der Veröffentlich seiner Autobiographie "Beim Häuten der Zwiebel" im September 2006. Grass erntete nach seinem Geständnis Kritik. So bezeichnete die ehemalige Präsidentin des Zentralrates der Juden in Deutschland Charlotte Knobloch Grass' Vorgehen als "PR-Maßnahme", um sein neues Buch zu vermarkten. Günter Grass ist einer der bekanntesten Autoren der deutschen Nachkriegsliteratur. Zu seinen bekanntesten Werken zählen sein Debütroman "Die Blechtrommel" und "Der Butt". Der gebürtige Danziger erhielt 1999 den Literaturnobelpreis. 2015 verstarb er in Lübeck.

Schriftsteller Günter Grass
Er ist eines der bekanntesten Gesichter der deutschen Nachkriegsliteratur: Günter Grass starb 2015 in Lübeck. Bildrechte: dpa