#blickzurück: Kalenderblatt der Geschichte Das geschah am 31. Juli

2020: Archäologen legen Ferdinandplatz in Dresden frei

Vor einem Jahr präsentieren Archäologen Funde aus der Zeit der Bombardierung Dresdens im Februar 1945. Darunter sind Regale voller Weinflaschen, Meißner Geschirr und andere Gegenstände, die womöglich zu einer Weinhandlung oder einem Café gehörten.

Ein achtköpfiges Grabungsteam hatte auf der etwa einen Hektar großen Fläche von März 2020 bis März 2021 umfangreiche Ausgrabungen durchgeführt. Das Areal lag ursprünglich außerhalb der Stadtmauern des mittelalterlichen Dresdens. Auf dem Platz soll bis 2025 ein neues Verwaltungszentrum der Stadt entstehen.

2006: Fidel Castro zieht sich aus Politik zurück

Am 31. Juli 2006 zieht sich der kubanische Diktator Fidel Castro aus der aktiven Politik zurück. Er übergibt seine Amtsgeschäfte an seinen jüngeren Bruder Raúl Castro.

Als kommunistischer Kämpfer begründete er die Bewegung "26. Juli", der auch sein Bruder Raúl angehörte. 1959 kam Castro schließlich an die Macht: Die Revolutionäre stürzten den kubanischen Diktator Batista und Fidel Castro errichtete fortan eine kommunistische Diktatur auf Kuba. Er schuff ein grundlegendes Sozialsystem, verstaatlicht private Firmen und ließ politisch Andersdenkende gnadenlos verfolgen. Ähnlich wie andere Diktatoren baute auch der "Comandante" einen eigenen Personenkult auf.

Kuba unterhielt diplomatische Beziehungen zu anderen sozialistischen Staaten, besonders zur DDR. Im Juni 1972 besuchte Castro zum ersten Mal die DDR.

Honecker und Castro 3 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs gerät Kuba durch ausbleibende Exporte an andere Ostblock-Staaten in eine schwere Wirtschaftskrise. Das Land öffnet sich schrittweise dem Westen. 2016 besucht Barack Obama als erster US-Präsident die Karaibikinsel. Wenig später hält Fidel Castro seine Abschiedsrede. Am 25. November 2016 stirbt er.

1991: Bush und Gorbatschow unterzeichnen Abrüstungsvertrag START-I

In Moskau kommen am 31. Juli 1991 US-Präsident George H. W. Bush und UdSSR-Staatschef zusammen, um den START-Abrüstungsvertrag zu unterzeichnen. START steht für "Strategic Arms Reduction Treaty" (zu dt. "Abkommen zur Verringerung von strategischen Waffen"). Der 700 Seiten lange Vertrag sieht eine Reduzierung der atomaren Langstreckenwaffen um 30 Prozent in den nächsten sieben Jahren vor. Nach dem Fall der Berliner Mauer ist der Vertrag ein wichtiger Meilenstein, um Spannungen zu deeskalieren und den Kalten Krieg zu beenden.

START Vertrag Gorbatschow Bush 2 min
Bildrechte: DRA

Die Initiative für das Abkommen geht bereits auf US-Präsident Ronald Reagan zurück. Schon 1987 einigten sich beide Länder auf den Verzicht von Kurz- und Mittelstreckenraketen. Doch das START-Abkommen ist nicht von langem Erfolg gekrönt. Der Nachfolger START-II wird in Russland nicht ratifiziert. Erst 2010 unterzeichnen US-Präsident Barack Obama und der russische Präsident Dmitri Medwedew mit New START ein gültiges Abkommen für die Abrüstung atomarer Langstreckenwaffen, das zuletzt im Februar 2021 verlängert wird.

1976: Die DDR wird Fußball-Olympiasieger

Vor 45 Jahren wird die DDR Fußball-Olympiasieger in Montreal. Im Endspiel gewinnt die Mannschaft von Trainer Georg Buschner mit 3:1 gegen Polen.

Fußball wird in der DDR vom Deutschen Turn- und Sportbund eher stiefmütterlich behandelt. Im Bundesarchiv Berlin liegt ein Schreiben von DTSB-Präsident Manfred Ewald von 1975: "Es vollzieht sich der Leistungsfortschritt im Fußball zu langsam."

Doch die DDR-Mannschaft setzt sich in Montreal durch. Zwar verliert sie das erste Spiel gegen Brasilien, aber geht mit 1:0 gegen Spanien ins Viertelfinale. Frankreich wird dann mit vier Toren vom Platz geschickt. Im Halbfinale steht die DDR der UdSSR gegenüber und gewinnt das Spiel mit 2:1. Und dann im Endspiel gegen Polen macht Hartmud Schade in der siebten Minute das erste Tor. Nach 15 Minuten fällt das zweite Tor. Die DDR-Fußball-Mannschaft bringt olympisches Gold mit nach Hause.

Der Präsident des Deutschen Turn- und Sportbundes (DTSB) der DDR, Manfred Ewald (l.) besichtigt am 12.10.1979 die Rennrodelbahn am Königssee. Ewald hält sich anlässlich der IV. Europäischen Sportkonferenz in Berchtesgaden auf.
Der Präsident des Deutschen Turn- und Sportbundes (DTSB) der DDR: Manfred Ewald. Bildrechte: dpa

1941: "Endlösung der Judenfrage" beauftragt

Vor 80 Jahren beauftragt Hermann Göring im Namen Hitlers den Chef des Reichsicherheitshauptamtes, Reinhard Heydrich, mit der Endlösung der Judenfrage: "Ich beauftrage Sie einen Gesamtentwurf über die organisatorischen, sachlichen und materiellen Vorausmaßnahmen zur Durchführung der angestrebten Endlösung der Judenfrage vorzulegen."

Auslöser bzw. Wendepunkt bei der "Endlösung" ist der deutsche Angriff auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941. Nur einen Tag später werden kurz hinter der sowjetischen Grenze über 200 jüdische Bewohnerinnen und Bewohner von einem Polizeikommando aus der benachbarten deutschen Grenzregion erschossen. Zuvor mussten die Juden ihren Besitz abgeben und Gräber ausheben. Einen Tag später ermordet das Polizeikommando weitere Juden.

1919: Weimarer Verfassung verabschiedet

Vor 102 Jahren verabschiedet die Nationalversammlung die Weimarer Reichsverfassung, die am 14. August in Kraft tritt. Es ist die erste parlamentarisch-demokratische Verfassung Deutschlands. Die kurz vorher erfolgte Wahl zur Nationalversammlung ist nicht nur die erste reichsweite Wahl nach Weltkrieg und Novemberrevolution, sondern auch die erste, bei der Frauen ein aktives und passives Wahlrecht haben. Die Wahl findet zu einer politisch besonders unsicheren Zeit statt.

Der Großherzog stellt der neuen Regierung, dem sogenannten Rat der Volksbeauftragten, das Weimarer Schloss zur Verfügung. Das Parlament soll seinen Platz im 1907 erbauten Nationaltheater finden. Das Theater bietet reichlich Platz für 400 Abgeordnete. Bühne und Zuschauerraum werden umgebaut, die Stühle werden eigens aus dem Berliner Reichstag gebracht.

1932: NSDAP gewinnt Reichstagswahl

Am 31. Juli 1932 finden in der Weimarer Republik Reichstagswahlen statt. Die Nationalsozialistische Arbeiterpartei (NSDAP) unter Adolf Hitler geht mit mehr als 37 Prozent als deutlicher Sieger hervor. Die Partei kann ihr Ergebnis im Vergleich zur letzten Wahl um 19 Prozentpunkte verbessern. Dahinter folgt die SPD mit weniger als 22 Prozent. Die ausgesprochen hohe Wahlbeteiligung liegt bei 84 Prozent. Im von der Wirtschaftskrise stark getroffenen Deutschland kann die NSDAP besonders viele Nichtwähler für sich gewinnen.

Der Wahl war einer der gewaltsamsten Wahlkämpfe in der Geschichte der Republik vorausgegangen. Innerhalb eines Monats gab es im Sommer 1932 fast 100 Tote bei Auseinandersetzungen zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten.

Das Wahlergebnis ist ein weiterer wichtiger Schritt für die "Machtergreifung" Hitlers. Im November gibt es erneut Neuwahlen. Die NSDAP büßt zwar einige Prozentpunkte ein, bleibt aber stärkste Kraft. Am 30. Januar 1933 ernnent Reichspräsident Paul von Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler.

Ebenfalls finden am 31. Juli 1932 in Thüringen Landtagswahlen statt. Auch hier wird die NSDAP mit 42,5 Prozent stärkste Kraft. Die Partei führt nun neben Anhalt, Oldenburg und Mecklenburg-Schwerin auch die Landesregierung in Thüringen an.

1926: DDR-Schriftstellerin Erika Schirmer geboren

1926 wird die spätere Schriftstellerin Erika Schirmer im schlesischen Nettkow (heute Polen) geboren. Nach dem Krieg wird sie vertrieben und lässt sich im thüringischen Nordhausen nieder. Dort arbeitet sie als Lehrerin und Sonderpädadgogin. Sie ist Autorin von hunderten von Gedichten, Liedern, Kinderreimen und Kurzgeschichten. Diese thematisieren oft den Harz und ihren Wohnort Nordhausen.

Ihr wohl bekanntestes Stück ist das Kinderlied "Kleine Weiße Friedenstaube" von 1950. Zu diesem Lied inspiriert hat sie ein Plakat zum Pariser Weltfriedenskongress 1949, auf dem die von Pablo Picasso gezeichnete Friedenstaube abgebildet ist. Als Hymne der Jungen Pioniere der DDR erreicht es Kultstatus und ist noch heute vielen bekannt.

Schirmer lebt weiterhin in Nordhausen.

Die Schriftstellerin Erika Schirmer zeigt ein selbst gestaltetes Buch mit von ihr geschaffenen Liedern.
Die Schriftstellerin Erika Schirmer im März 2022 Bildrechte: dpa