#blickzurück: Kalenderblatt der Geschichte Das geschah am 5. August

1932: Julius Gumbel verliert Lehrerlaubnis

Am 6. August entzieht das badische Kultusministerium dem jüdischen Statistik-Professor Emil Julius Gumbel die Lehrerlaubnis. Gumbel hat sich bereits jahrelang gegen rechte Gewalttaten in der Weimarer Republik eingesetzt.

Als Statistiker sammelt er ab 1919 akribisch alle politischen Mordfälle seit der Novemberrevolution, die vor deutschen Gerichten verhandelt worden sind. Mit erschreckender Bilanz: Die Justiz lässt circa 300 Morde mit rechtspolitischem Hintergrund beinahe ungestraft, während alle links gesinnten Straftäter, die zahlenmäßig deutlich in der Minderheit sind, mit äußerster Härte verurteilt werden. Gumbel veröffentlicht seine Bilanz auf eigene Faust 1922 als Buch unter dem Titel "Vier Jahre politischer Mord".

Gumbels linksgerichteter politischer Aktivismus ist den konservativen Professoren als auch den nationalgesinnten Studenten schon lange ein Dorn im Auge und zieht auch den Hass rechter Burschenschaften und des nationalsozialistischen Studentenbundes auf sich. Diese starten eine Hasskampagne gegen ihn.

Universität Heidelberg während der NS-Zeit
Die Universität Heidelberg während der NS-Zeit, an der Gumbel bis 1932 lehrte Bildrechte: Stadtarchiv Heidelberg

Gumbel lebt ab 1933 im Exil in Frankreich. Im August wird ihm die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt. Er stirbt 1966 in New York. Erst viele Jahre später erinnert man sich in Deutschland an seinen demokratischen und pazifistischen Aktivismus.

1943: Mehrere Widerstandskämpferinnen der "Roten Kapelle" hingerichtet

Am 5. August lassen die Nationalsozialisten im Strafgefängnis Berlin-Plötzensee mehrere junge Widerstandskämpferinnen hinrichten. Unter ihnen sind Hilde Coppi, Liane Berkowitz, Ursula Goetze und Cato Bontjes van Beek. Coppi und Berkowitz haben kurz zuvor in der Haft ihre Kinder zur Welt gebracht. Gnadengesuche der Familien hat Hitler persönlich abgelehnt.

Die Frauen haben sich in der "Roten Kapelle" gegen das Nazi-Regime engagiert. Die "Rote Kapelle" ist zu Zeiten des Nationalsozialismus ein eher loses, informelles Netzwerk von ungefähr 150 Widerstandskämpferinnen und -kämpfern mit unterschiedlichen Hintergründen. Der Name "Rote Kapelle" stammt von den Nationalsozialisten, die diese Bezeichnung für Gruppen von vermuteten Widerstandskämpfern verwenden. Köpfe der Bewegung sind Mildred und Arvid Harnack, sowie Libertas und Harro Schulz-Boysen. Die Aktivisten dokumentieren die Kriegsverbrechen der Nazis und verteilen Flugblätter, um auf die Gräueltaten aufmerksam zu machen. Bis zum Frühjahr 1943 verhaftet die Gestapo 126 angebliche Regimegegner, die sie mit der Gruppe in Verbindung bringt.

In der DDR werden die Widerstandskämpfer der "Roten Kapelle" später als antifaschistische Helden idealisiert.

1951: Weltfestspiele der Jugend und Studenten in Berlin eröffnet

Nach Prag und Budapest ist Ost-Berlin an der Reihe. Dort werden 1951 im Walter-Ulbricht-Stadion die dritten Weltfestspiele der Jugend und Studenten eröffnet. Der sozialistische "Weltbund der demokratischen Jugend" organisiert das Treffen, an dem junge Menschen aus 104 Ländern teilnehmen. Die Weltfestspiele bieten 14 Tage lang Sport und Kultur, nicht nur für die 26.000 Delegierten, sondern auch für die mehr als zwei Millionen Jugendlichen, die laut Angaben der DDR aus beiden deutschen Staaten in die Stadt kommen.

Die hohen Besucherzahlen bleiben allerdings nicht ohne Folgen: Als es in Ost-Berlin zu Versorgungsengpässen kommt, lockt der Westteil der Stadt die Jugendlichen mit Bananen, Zigaretten und kostenlosen Kinobesuchen. Sogar Bürgermeister Ernst Reuter lädt die Besucherinnen und Besucher ein, nach West-Berlin zu kommen. Daraufhin marschiert die FDJ mit 10.000 Mitgliedern nach West-Berlin, es kommt zum Konflikt mit der Polizei. Die DDR-Regierung rügt den FDJ-Vorsitzenden Erich Honecker für diesen Zwischenfall, Bundeskanzler Konrad Adenauer bezeichnet die Veranstaltung gar als einen "kommunistischen Zwangsaufmarsch". Bis 1989 gibt es noch 13 weitere Weltfestspiele, 1973 ist Ost-Berlin noch einmal Austragungsort.

Einmarsch der sowjetischen Delegation 1951 im Walter-Ulbricht-Stadion.
Auch bei den Weltfestspielen zeigte sich der Stalinkult. Erich Honecker begrüßte die Teilnehmenden mit den Worten: "Es lebe der Führer und Bannerträger des Friedens in der Welt, der Lehrmeister der Jugend aller Länder, unser geliebter Josef Stalin." Bildrechte: dpa

1962: Nelson Mandela verhaftet

Während einer Autofahrt nahe Howick im östlichen Südafrika verhaftet die Polizei 1962 den Freiheitskämpfer Nelson Mandela. Die Behörden werfen ihm vor, den zuvor verbotenen Afrikanischen Nationalkongress (ANC) anzuführen. Seit Jahren setzt sich der 1918 geborene Mandela mit dieser Partei gegen die Apartheid (vom Staat durchgesetzte Rassentrennung) in seinem Heimatland ein. Nach seiner Verhaftung wird er 1964 wegen "Sabotage" und der "Planung des bewaffneten Kampfes" zu 27 Jahren Haft verurteilt. Diese verbringt er auf der Gefängnisinsel Robben Island, wo er Zwangsarbeit im Steinbruch verrichten muss.

1990 kommt Mandela frei. Drei Jahre später erhält er den Friedensnobelpreis und 1994 wird er zum ersten schwarzen Präsidenten des Landes gewählt. 2016, drei Jahre nach Mandelas Tod, werden die Umstände seiner Verhaftung bekannt: Weil die USA befürchteten, Mandela könnte mit Hilfe der Sowjetunion an die Macht gelangen, hatte der US-Geheimdienst CIA die südafrikanischen Behörden über Mandelas Aufenthaltsort informiert.

Nelson Mandela, 1961
Der südafrikanische Freiheitskämpfer Nelson Mandela in jungen Jahren. 1962 wird er verhaftet und muss bis 1990 ins Gefängnis. Bildrechte: dpa

1991: Eine Million Arbeitslose in Ostdeutschland

Die Abwicklung der ostdeutschen Betriebe ist 1991 in vollem Gange, immer mehr frühere DDR-Bürger werden arbeitslos. Am 5. August 1991 gibt die Bundesanstalt für Arbeit bekannt, dass die Arbeitslosenzahl in Ostdeutschland im Juli sprunghaft um rund 226.000 angestiegen sei. Damit erreicht die Zahl erstmals eine Million. Nach der Wiedervereinigung müssen die volkseigenen Betriebe der DDR in die soziale Marktwirtschaft überführt werden. In der Folge kommt es zu einem massiven Abbau von Stellen: Laut Bundesanstalt für Arbeit sinkt die Zahl der Beschäftigten in den östlichen Bundesländern von etwa 9,8 Millionen im Jahre 1989 auf nur noch 6,7 Millionen im Jahre 1997. Frühere DDR-Bürgerinnen und -Bürger sehen sich mit einem bisher unbekannten sozialen Problem konfrontiert: Weil in der DDR per Gesetz jeder erwerbstätig sein musste, hatte es dort offiziell keine Arbeitslosigkeit gegeben.