#blickzurück: Kalenderblatt der Geschichte Das geschah am 6. Dezember

1956: Verhaftung Walter Janka

1956 wurde der Verleger und Dramaturg Walter Janka verhaftet. Die SED warf ihm vor, Mitglied einer staatsfeindlichen Gruppe zu sein. Janka und andere Intellektuelle, darunter Wolfgang Harich, hatten in einem "Kreis der Gleichgesinnten" über Reformen des sozialistischen Systems diskutiert. Die DDR abschaffen wollten sie laut Janka nie. Dennoch wurden die Angeklagten in Schauprozessen zu Zuchthausstrafen verurteilt. Internationale Proteste bewirkten 1960 die frühzeitige Entlassung Jankas. 1990 wurde er offiziell rehabilitiert.

Walter Janka 3 min
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Do 02.12.2021 14:48Uhr 03:21 min

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1989: Egon Krenz tritt zurück

1989 legte Egon Krenz, der am 3. Dezember 1989 als SED-Generalsekretär zurückgetreten war, auch das Amt des Vorsitzenden des Staatsrates und Nationalen Verteidigungsrates nieder. Damit zog er die Konsequenzen aus der offenen Ablehnung in der Bevölkerung. Im Mai desselben Jahres hatte Krenz als oberster Wahlleiter die Wahlfälschungen bei der DDR-Kommunalwahl gedeckt.

1990: DDR-CDU-Vermögen geht an Treuhand

1990 teilte die West-CDU in Bonn mit, das Vermögen der früheren DDR-CDU an die Treuhandanstalt ausgehändigt zu haben: umgerechnet acht Millionen Euro. Bei der SED, beziehungsweise deren Nachfolgepartei PDS, wurde ein Gesamtkapital von etwa 1,17 Milliarden Euro sichergestellt. Im Zuge der Wiedervereinigung verwaltete die "Treuhandgesellschaft" das Vermögen von DDR-Parteien und staatlichen Organisationen. Sie wurde am 1. März 1990 auf Beschluss des Ministerrates der DDR als "Anstalt zur treuhänderischen Verwaltung des Volkseigentums" gegründet und sollte das Volkseigentum für die DDR-Bürgerinnen und Bürger verwalten.

Einblick in die Treuhandanstalt
Einblick in die Treuhandanstalt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

1991: Ulbricht-Tochter tot aufgefunden

1991 wurde Beate Matteoli, Adoptivtochter des ehemaligen DDR-Staats- und Regierungschefs Walter Ulbricht, tot aufgefunden. Die Ulbrichts hatten die ukrainische Kriegswaise 1946 auf Vermittlung des Dresdner Jugendamts gefunden und bei sich aufgenommen. Als Jugendliche distanzierte sich Beate zunehmend von ihrem strengen Elternhaus, als Erwachsene verfiel sie dem Alkohol. Zuletzt herrschte zwischen der Tochter und den Adoptiveltern Funkstille. Unter welchen Umständen sie zu Tode kam, ist bis heute ungeklärt.

Familie Ulbricht
Walter und Lotte Ulbricht mit ihrer noch jungen Adoptivtochter Beate. Bildrechte: Aus "Baumeister des Sozialismus", Defa-Stiftung

1996: Ostdeutschland erhält weitere Welterben

1996 wurden die Luther-Gedenkstätten in Wittenberg und Eisleben und die Bauhaus-Gebäude in Dessau und Weimar in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen. Insgesamt gibt es in Deutschland 51 Welterbestätten, darunter 48 des Weltkulturerbes und drei Stätten des Weltnaturerbes (Stand 2021).

Haus am Horn, 2014
Das "Haus am Horn" in Weimar wurde 1996 zum Weltkulturerbe erklärt. Bildrechte: IMAGO / Westend61

2016: "Ja" zum Atomausstieg

2016 erklärte das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe das Gesetz zum beschleunigten Atomausstieg von 2011 für rechtmäßig. Große Energiekonzerne wie RWE, E.ON und Vattenfall seien jedoch für nicht nutzbare Reststrommengen finanziell zu entschädigen. Für die Unternehmen bedeutete der verfrühte Ausstieg aus der Kernkraft nach eigenen Angaben Kapitalverluste in Milliardenhöhe. Sie hatten deshalb gegen das Gesetz geklagt. Wie hoch die Summe für den Ausgleich sein wird, entscheidet sich, sobald das letzte Atomkraftwerk vom Netz gegangen ist.

Symbol für Radioaktivität auf einer rostigen Oberfläche
Nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima 2011 beschloss Deutschland mit breiter Mehrheit den beschleunigten Ausstieg aus der kommerziellen Nutzung der Atomenergie. Bildrechte: imago images/Shotshop

2019: SPD wählt Doppelspitze

2019 wurden Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans an die Spitze der SPD gewählt. Die Partei kehrte mit dem Führungsduo zu alten Traditionen zurück: Die Sozialistische Arbeiterpartei (SAP), später SPD, hatte sich 1871 aus zwei Parteien zusammengeschlossen. Eine Doppelspitze war deshalb lange der Regelfall.

Die SPD-Vorsitzenden Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans beantworten im Willy-Brandt-Haus nach der Gremiumssitzung ihrer Partei Fragen von Journalisten zur bevorstehenden Bundestagswahl.
Die SPD-Vorsitzenden Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans im Willy-Brandt-Haus in Berlin. Bildrechte: dpa

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR AKTUELL | 17. Januar 2020 | 17:45 Uhr