#blickzurück: Kalenderblatt der Geschichte Das geschah am 28. Januar

1922: Kriegsverbrecher in Naumburg befreit

Am 28. Januar 1922 befreien Aktivisten der rechten Terror-Organisation "Consul" den Kriegsverbrecher Ludwig Dithmar aus dem Gefängnis in Naumburg. Zuvor wird er bei den "Leipziger Prozessen" (Kriegsverbrecher-Verfahren nach dem Ersten Weltkrieg) zu vier Jahren verurteilt. Oberleutnant Dithmar ist 1918 als Offizier an der unrechtmäßigen Versenkung des Lazarett-Schiffes "Llandovery Castle" beteiligt. Obwohl das Schiff ordentlich als Lazarett gekennzeichnet ist, wird es mit Torpedos beschossen. Nach der Torpedierung werden die Überlebenden vorsätzlich ermordet. "Organisation Consul" geht aus den nationalistischen Freikorps hervor und ist auch für politische Morde wie den an Reichsaußenminister Walther Rathenau verantwortlich.

1972: "Radikalenerlass" in der BRD

Am 28. Januar 1972 beschließt die Bundesrepublik Deutschland den "Radikalenerlass". Er soll die Verfassungstreue von Bewerbern für den Öffentlichen Dienst garantieren. Mit einem Fragebogen wird der politische Hintergrund von Lehrern, Post- und Eisenbahnbediensteten ermittelt. Der Erlass kommt für Viele einem Berufsverbot gleich. Verdächtige werden zum Teil jahrelang vom Verfassungsschutz beobachtet. Zwischen 1972 und 1985 werden deshalb 1.250 Bewerber nicht in den Staatsdienst aufgenommen.

1990: DDR beschließt freie Wahlen zur Volkskammer

Am 28. Januar 1990 beschließt die DDR-Regierung freie Wahlen zur Volkskammer. So soll eine "Regierung der nationalen Verantwortung" gebildet werden. Zum ersten und letzten Mal stimmen die DDR-Bürger frei über ihre Volksvertreter ab. Die Wahl findet am 18. März 1990 statt und verzeichnet eine Wahlbeteiligung von 93,4 Prozent. Es siegt die CDU-geführte "Allianz für Deutschland".

Blick auf das Präsidium und die Abgeordneten während der 6. Tagung der Volkskammer in Berlin 3 min
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Do 20.01.2022 17:55Uhr 02:30 min

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2021: Höchststrafe für Lübcke-Mörder

Am 28. Januar 2021 erhält der Mörder des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke Höchststrafe. Der Hauptangeklagte Stephan E. wird zu lebenslanger Haft verurteilt. Laut Oberlandesgericht Frankfurt am Main hat der Angeklagte eine "von Rassismus getragene, völkisch-nationale Grundhaltung". Die Bundesanwaltschaft wirft Markus H. vor, dem Angeklagten ein Gewehr besorgt und ihn an der Waffe ausgebildet zu haben. Markus H. wird deshalb wegen mutmaßlicher Beihilfe angeklagt. Der Rechtsextremist Stephan E. hatte den CDU-Politiker am 1. Juni 2019 auf seiner Terrasse erschossen.