#blickzurück: Kalenderblatt der Geschichte Das geschah am 20. Juni

2017: RB Leipzig darf in Champions League spielen

Am 20. Juni 2017 gibt die UEFA bekannt, dass RB Leipzig in der kommenden Saison in der Champions League spielen darf. Fraglich war, ob sowohl der damalige Bundesliga-Zweite als auch der vom Red-Bull-Konzern unterstützte österreichische Meister FC Salzburg gleichzeitig in der Champions League spielen dürfen. Geprüft wurde, ob die zwei Vereine zu eng verflochten sind. Doch die UEFA kommt zu dem Schluss, dass der Artikel 5 des Wettbewerbsreglements (Integrität des Wettbewerbs) dadurch nicht verletzt wird. Laut UEFA seien bei beiden Klubs "bedeutende Management- und strukturelle Änderungen hinsichtlich Unternehmensfragen, Finanzen, Personal, Sponsoring usw." vorgenommen worden. Beispielsweise ist zu diesem Zeitpunkt keine Red-Bull-Vertretung mehr im Aufsichtsrat des FC Salzburg. Es werde nach Ansicht der Kammer durch "keine natürliche oder juristische Person entscheidenden Einfluss auf mehr als einen an einem UEFA-Klubwettbewerb teilnehmenden Verein" genommen.

1997: Tabakindustrie zahlt Milliarden an Gesundheitsbehörden

Am 20. Juni 1997 wird zwischen der amerikanischen Tabakindustrie und 40 US-Staaten ein bis dato beispielloser Vergleich geschlossen: Die Konzerne verpflichten sich, in den kommenden 25 Jahren mehr als 380 Milliarden Dollar an die Gesundheitsbehörden abzuführen. Im Gegenzug werden sie von sämtlichen Schadensersatzforderungen der Staaten befreit. Gerade in den USA gibt es immer wieder Einzelklagen gegen Tabakkonzerne. Beispielsweise fordern auf diesem Wege Hinterbliebene von an Lungenkrebs Verstorbenen Schadensersatz. Auch in Deutschland steht die Tabakwirtschaft unter Beschuss. Die Werbung im Fernsehen für das Rauchen wurde schon 1975 verboten. In Zeitungen und Zeitschriften dürfen seit 2007 keine Tabakprodukte mehr beworben werden. Eine Ausgleichzahlung an die Gesundheitsbehörden wie in den USA, gab es in Deutschland jedoch bisher nicht.

1991: Berlin soll Regierungssitz werden

Am 20. Juni 1991 beschließt der Bundestag, dass Berlin zur deutschen Hauptstadt wird und auch die Regierung vom weit im Westen liegenden Bonn Richtung Osten ziehen soll. Für diese Regelung wird bereits im Einigungsvertrag vom 31. August 1990 der Grundstein gelegt. Ebenso wie das Grundgesetz, indem Berlin als Hauptstadt genannt wird. Tatsächlich hat Berlin in der Zeit vor der Abstimmung im Bundestag keine Mehrheit. Noch vier Tage vor der Entscheidung ergibt eine Umfrage unter den 662 Bundestagsabgeordneten, dass 267 für Berlin und 343 für Bonn sind. Denn die Stadt am Rhein ist mehr als 40 Jahre lang Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland gewesen. 1999 ziehen Parlament und Regierung nach Berlin. Sechs Ministerien aber bleiben in Bonn: Verteidigungsministerium, Ernährung und Landwirtschaft, Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Umweltministerium, Gesundheitsministerium und Ministerium für Bildung und Forschung.

  • 1977: Manfred Krug verlässt DDR

    Am 20. Juni 1977 reist Manfred Krug gemeinsam mit seiner Frau Ottilie und den drei Kindern nach Westberlin aus. Krug wählt den Weg über die Glienicker Brücke, die bekannt ist als Ort für Agentenaustausch. Vor seiner bereits zuvor angemieteten Bleine in Berlin-Schöneberg warten bereits zahlreiche Journalisten auf den prominenten Übersiedler. In einem ersten Interview mit der ARD sagt Manfred Krug, dass er sein Publikum und seine Freunde vermissen werde.

    Krug hatte ein Jahr zuvor eine Petition gegen die Ausbürgerung seines Kollegen Wolf Biermann unterzeichnet. Es folgt berufliche Isolation. Konzerte werden ohne Angabe von Gründen abgesagt, Rollenangebote bleiben aus. Im März 1977 steht für Krug fest: Er wird die DDR verlassen. Nachdem Krug am 19. April 1977 offiziell einen Ausreiseantrag gestellt hat, bemüht sich die Staatsführung plötzlich, ihren Star zum Bleiben zu bewegen. Doch Krug lässt sich nicht mehr umstimmen.

    Manfred Krug stellt auf der Leipziger Buchmesse sein Buch Abgehauen vor 2 min
    Bildrechte: dpa
    2 min

    Fr 17.06.2022 09:25Uhr 01:58 min

    https://www.mdr.de/geschichte/mitteldeutschland/jahrestage/video-631266.html

    Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

    Video

    1963: "Heißer Draht" - Weißes Haus und Kreml bekommen Direktverbindung

    Am 20. Juni 1963 vereinbaren die vereinigten Staaten und die Sowjetunion die Einrichtung des sogenannten "heißen Drahtes". Die Direktverbindung soll die Kommunikation im Kalten Krieg vereinfachen und im Krisenfall eine schnelle Kontaktaufnahme zwischen dem Weißen Haus und dem Kreml gewährleisten. Auslöser für die Einrichtung des berühmten Roten Telefons war die schwere Kubakrise 1962. Aufgrund mangelnder Kommunikationsmöglichkeit zwischen dem amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy und dem sowjetischen Staatschef Nikita Chruschtschow spitzte sich die Konfliktsituation so sehr zu, dass ein Atomkrieg drohte. Um derartige Zuspitzungen und Missverständnisse zu vermeiden, wird auf eine Kabelverbindung für schriftliche Nachrichten gesetzt. Ein Funktionstest ist für Anfang September geplant, bei welchem die ersten Fernschreibversuche gestartet werden sollen. Im August 1963 werden die ersten Fernschreiber im Pentagon eingerichtet. Zwei in der Sowjetzone hergestellte Fernschreibmaschinen bekommen Ende August (26.08.1963) ihren Platz in den Räumen des Stabschefs der US-amerikanischen Waffengattungen. Die zwischen den Regierungschefs der USA und der UDSSR vertraulich gewechselten Telegramme sollen später nicht einseitig, sondern nur nach Absprache gleichzeitig veröffentlicht werden.

    Erstmals gibt es nach dem Kalten Krieg 2015 wieder eine Verbindung zwischen der Nato und Russland. Im März 2022 wird in Folge des russischen Angriffskrieges in der Ukraine erneut ein direkter Kanal zwischen dem Pentagon und dem russischen Verteidigungsministerium eingerichtet. Dies soll Fehleinschätzungen, militärische Zwischenfälle und Eskalationen verhindern.

    Ein amerikanischer Major an einem sowjetischen Fernschreiber am 26.08.1963 im Pentagon in Washington
    Ein US-amerikanischer Major installiert 1963 den sowjetischen Fernschreiber im Pentagon in Washington: Der "Heiße Draht" wird eingerichtet. Bildrechte: dpa

    1948: Währungsreform im Westen

    Dass Deutschland auf eine gewaltige Wirtschaftskrise zusteuern wird, ist den alliierten Siegermächten bereits nach Kriegsende klar. Zwar gibt es die alte Reichsmark in Hülle und Fülle, doch nichts, was man hätte dafür kaufen können. Pläne für eine grundlegende deutsche Währungsreform gibt es daher bereits seit 1946. Entsprechend dem Potsdamer Abkommen soll Deutschland trotz Einteilung in Besatzungszonen eine wirtschaftliche Einheit bilden. Doch da sich die Sowjetunion als "Risiko" für eine geplante und notwendige Reform entpuppt, beschließen die westlichen Besatzungsmächte England, Vereinigten Staaten und Frankreich bereits im September 1947, im Alleingang die Deutsche Mark (DM) einzuführen. Im Oktober 1947 beginnt der Druck der Banknoten in den Vereinigten Staaten. Insgesamt 23.000 Kisten mit gedruckten Scheinen werden bis April 1948 in einer Geheimaktion von Amerika nach Bremerhaven geschickt. Der Code-Name der Operation lautet "Bird Dog". Am Morgen des 20. Juni 1948 wird die D-Mark ab 8 Uhr früh ausgegeben.

    1908: Melitta Bentz erhält Kaffeefilter-Patent

    Kaffeekrümel zwischen den Zähnen - für Hausfrau Melitta Bentz aus Dresden unerträglich. Sie will Abhilfe schaffen - und greift 1908 zu Hammer und Nagel und durchlöchert damit den Boden eines Messingtopfs. Darauf legt sie zugeschnittenes Löschpapier aus den Schulheften ihrer Söhne. Den Topf stellt sie auf eine Kanne, gibt Kaffeepulver hinzu, heißes Wasser und schon tropft der Kaffee klar und ohne Satz in die Kanne. Der Kaffeefilter ist erfunden. Und mit ihm geht die Idee für das Unternehmen "Melitta" einher. Am 20. Juni 1908 erhält Bentz vom Kaiserlichen Patentamt zu Berlin das Patent für den "Kaffeefilter mit nach unten gewölbtem, mit einem Abflussloch versehenen Boden und lose einliegendem Siebe".