#blickzurück: Kalenderblatt der Geschichte Das geschah am 20. Juli

1936: Vertrag von Montreux

Am 20. Juli 1936 wird der Vertrag von Montreux unterzeichnet. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden die Meerengen zwischen Mittelmeer und Schwarzem Meer unter Kontrolle des Völkerbundes gestellt und zur entmilitarisierten Zone erklärt. Mit dem Vertrag von Montreux gewinnt die türkische Republik die Gewalt über die Dardanellen, das Marmarameer und den Bosporus. Vertragsunterzeichner sind Bulgarien, Frankreich, England, Griechenland, Japan, Rumänien, die Türkei sowie die Sowjetunion und Jugoslawien. Italien tritt dem Vertrag 1938 bei. Er besteht aus 29 Artikeln, die den zivilen und militärischen Schiffsverkehr durch die Gewässer regeln. Befindet sich die Türkei im Krieg, darf sie die Wasserstraße total sperren.

Türkei erhält Dardanellen zurück 1936
Die Türkei erhält die Dardanellen 1936. Bildrechte: IMAGO / United Archives International

Wenn ein Krieg herrscht, an dem die Türkei nicht beteiligt ist, darf sie den Kriegsschiffen der kriegsführenden Staaten die Durchfahrt untersagen. Ausnahme ist die Rückkehr zum Heimathafen. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 fordert die Ukraine die Türkei auf, die Meerengen für die Durchfahrt von russischen Kriegsschiffen zu sperren. Der Forderung kommt die Türkei am 28. Februar nach.

1937: "Deutsche Operation" im Zuge des "Großen Terrors"

Am 20. Juli 1937 beschließt Stalins Kabinett die "Deutsche Operation" in der Sowjetunion. Sie ist Bestandteil des "Großen Terrors", die Serie staatlicher Terrorkampagnen. Stalin veranlasste die Kampagnen, um sich von mutmaßlichen politischen Gegnern zu befreien. Unter der Leitung von Nikolai Jeschow setzt der Geheimdienst NKWD (russ. Abkürzung für das Volkskommissariat für Innere Angelegenheiten), die Repressionen durch. Die Verhaftungen, Verurteilung und Morde richten sich größtenteils gegen das eigene Volk. Die Verantwortlichen inszenieren zuerst eine Serie von Schauprozessen, die Massenverbrechen verheimlicht der Staat.

Die "Deutsche Operation", richtet sich gegen Deutsche, die in Rüstungsbetrieben oder dem Transportwesen arbeiten. Am 29. Juli 1937 beginnen die landesweiten Repressionen gegen sie. Bis Ende 1938 werden Zehntausende inhaftiert.

Ein Ausstellungsbesucher liest die Namen von ermordeten Sowjetbürgern.
Die wissenschaftliche Aufarbeitung der stalinistischen Verbrechen ist erst seit dem Zerfall der Sowjetunion möglich. Bildrechte: dpa

1944: Stauffenberg-Attentat auf Hitler scheitert

Am 20. Juli 1944 scheitert ein Bombenattentat auf Adolf Hitler. Der Anschlag ist Teil der "Operation Walküre" – ein Umsturzplan einer Gruppe nationalkonservativer Frauen und Männer rund um Oberst Schenk Graf von Stauffenberg. Ihr Ziel: Nach Hitlers Tod sollten stehende Wehrmachtsverbände die Staatsgewalt übernehmen, der Zweite Weltkrieg beendet und Deutschland politisch neu geordnet werden. Das Attentat schlägt fehl. Zwar gelingt es Stauffenberg, eine Bombe im Führerhauptquartier "Wolfsschanze" zu deponieren, die auch explodierte. Doch Hitler überlebte nur leicht verletzt. Stauffenberg und etwa 200 seiner Mitstreiter werden verhaftet und hingerichtet. 

Uniformierte Männer stehen um zerstörte Möbelstücke herum und betrachten den Schaden.
Joseph Goebbels, Hermann Göring und Hitlers Adjudant Schaub betrachten nach dem misslungenen Stauffenberg-Attentat zerstörte Möbelstücke. Bildrechte: dpa

1954: Verfassungsschutz-Chef Otto John läuft in die DDR über

Am 20. Juli 1954 verschwindet der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Otto John, spurlos. Wenige Tage später verkündet er via DDR-Rundfunk seinen Übertritt in die ostdeutsche Republik. Dort will er sich für die Wiedervereinigung Deutschlands einsetzen. Außerdem warnt er vor dem wachsenden Einfluss früherer NSDAP-Mitglieder in Westdeutschland. Otto John war zu NS-Zeiten Widerstandskämpfer und an den Vorbereitungen des Stauffenberg-Attentats beteiligt. Am zehnten Jahrestag des misslungenen Anschlags verschwindet er in die DDR. Knapp 17 Monate später kehrt John in die Bundesrepublik zurück und behauptet, von der DDR-Regierung verschleppt worden zu sein. Wenige Tage später wird er verhaftet und wegen Landesverrats angeklagt. Der Bundesgerichtshof verurteilt ihn zu vier Jahren Zuchthaus. Bis zu seinem Tod bemüht sich John erfolglos um seine Rehabilitation.

Ein Mann sitzt mit weiteren Männern und Frauen in einem Raum. Er hat seine linke Hand an seinem Gesicht und blickt rechts nach hinten.
Nachdem Otto John 1945 in die DDR abtaucht, erscheint er etwa 17 Monate später wieder in der BRD. Bildrechte: dpa

1960: Erste weibliche Regierungschefin der Welt

Am 20. Juli 1960 gewinnt die SLFP (Sri Lanka Freedom Party) unter Sirimavo Bandaranaike die Parlamentswahlen in Ceylon, dem heutigen Sri Lanka. So wird die Spitzenkandidatin Bandaranaike zur ersten weiblichen Regierungschefin der Welt. Sie tritt damit die Nachfolge ihres Mannes Solomon Bandaranaike an. Dieser gründete die SLFP 1951 und 1959 als Premierminister erschossen. Sie behält den sozialistischen Kurs ihres Mannes bei und verstaatlicht viele Einrichtungen, wie Schulen oder Banken. Ihre Regierung verabschiedet 1972 eine neue Verfassung: Der Inselstaat Ceylon wird darin zur Republik Sri Lanka erklärt. Wie ihr Mann bevorzugt sie die singhalesischen Mehrheit Ceylons und setzt auf eine Politik, die die tamilischen Minderheit des Landes unterdrückt, was zu einem Bürgerkrieg führt.

Der hoch verschuldete Inselstaat Sri Lanka erlebt aktuell die stärkste Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten. Am 20. Juli 2022 wird nach der Regierungskrise neu gewählt.

Sirimavo Bandaranaike SRI/Ministerpräsidentin Sri Lanka anlässlich eines Staatsbesuchs in Bonn
Das Amt der Regierungschefin hat sie drei Mal inne. Bildrechte: imago images/Sven Simon

1971: Premiere des DEFA-Verbotsfilms "Sonnensucher"

Am 20. Juli 1971 wird der DEFA-Film "Sonnensucher" von Konrad Wolf erstmals öffentlich gezeigt – sechs Jahre nach der Fertigstellung. Aufgrund seiner kritischen Darstellung des Uranbergbaus der SDAG Wismut zählt er zu den Verbotsfilmen der DEFA. Der Spielfilm zeigt die Konflikte zwischen der sowjetischen Betriebsleitung, den deutschen Kommunisten und den zum Teil zwangsverpflichteten Arbeitern im Unternehmen. Da diese realistische und kritische Sicht den DDR-Funktionären nicht passte, wurde der Film kurz vor dem Start 1954 zurückgezogen. Anlässlich 25. Jahrestages der SDAG Wismut feiert er 1971 schließlich seine Premiere in Ronneburg. In die Kinos kommt der "Sonnensucher" 1972.

Ein Bildausschnitt aus dem Film "Sonnensucher", in der drei Männer zu sehen sind. In der Mitte liegt einer von ihnen mit geschlossenen Augen, die anderen beiden stehen zu seiner Rechten und Linken.
In dieser Szene des Films "Sonnensucher" sind drei Arbeiter zu sehen, die nach einem Brand in einem Schacht der Wismut AG eingeschlossen sind. Bildrechte: MDR/DREFA