#blickzurück: Kalenderblatt der Geschichte Das geschah am 29. April

1914: Verleger Walter Janka wird geboren

Am 29. April 1914 wird Walter Janka geboren. Sozialisiert und politisiert wird er durch seine Familie, die dem Arbeitermilieu zuzuordnen ist. Wie seine Brüder, unterstützt auch er die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) und wird 1930 politischer Leiter des Kommunistischen Jugendverbands (KJVD) in Chemnitz. Sein Bruder Albert wird 1933 von Nationalsozialisten ermordert. Wegen seines kommunistischen Engagements wird auch Walter Janka von der Gestapo verhaftet. Es folgen Zuchthaus in Bautzen und sechs Monate im KZ Sachsenburg. 1936 geht Janka in die Spanische Republik, um sich am Spanischen Bürgerkrieg zu beteiligen. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs kehrt er 1947 nach Deutschland zurück. Wenig später tritt er sein Amt als Generaldirektor der DEFA an. Anfang 1952 übernimmt er die Leitung des Aufbau-Verlages. Er wird ein erfolgreicher Verleger und macht den Lesern in der DDR auch westliche Autoren zugänglich. 1957 wird Walter Janka zusammen mit Heinz Zöger, Chefredakteur des "Sonntag", seinem Mitarbeiter Gustav Just und dem Rundfunkredakteur Richard Wolf angeklagt und schließlich verurteilt. Sie alle werden beschuldigt, Mitglieder einer Gruppe zu sein, "die auf der Grundlage einer konterrevolutionären Konzeption das Ziel verfolgte, die Staatsmacht der DDR zu liquidieren". Janka bekommt die höchste Strafe und muss für fünf Jahre in verschärfte Einzelhaft in Lichtenberg und Bautzen. Damit ist die Karriere des Kommunisten vorerst beendet. Aufgrund öffentlicher Proteste wird er 1960 frühzeitig aus der Haft entlassen und kann anschließend als Dramaturg bei der DEFA arbeiten. Bis 1972 findet jedoch keine Erwähnung seines Namens in Verbindung mit den Produktionen statt. 1990 wird Walter Janka rückwirkend freigesprochen. Er stirbt 1994.

Walter Janka (GER/Ehemaliger Leiter Aufbau-Verlag), 1991 2 min
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Freispruch für Walter Janka (Aktuelle Kamera, 05.01.1990) Freispruch für Walter Janka

Freispruch für Walter Janka (Aktuelle Kamera, 05.01.1990)

Walter Janka, Heinz Zöger, Gustav Just und Richard Wolf wurden am 27. Juli 1957 beschuldigt, Mitglieder einer DDR-feindlichen Gruppe zu sein. 1990 wurden sie rückwirkend freigesprochen.

Mo 25.04.2022 10:31Uhr 01:46 min

https://www.mdr.de/geschichte/mitteldeutschland/jahrestage/video-616770.html

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1945: Konzentrationslager Dachau wird befreit

Am 29. April 1945 befreien US-amerikanische Truppen das Konzentrationslager Dachau, ungefähr 20 Kilometer von München entfernt. Die US-Soldaten können 70.000 verbliebene Häftlinge aus dem Lager retten. Das Lager war bereits wenige Wochen nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 auf Anweisung von Heinrich Himmler, damals Polizeipräsident in München, auf dem Gelände einer ehemaligen Munitionsfabrik errichtet worden. Zunächst wurden in Dachau vor allem politische Gegner inhaftiert, später auch Juden und andere verfolgte Minderheiten. Bis 1945 waren in Dachau mindestens 200.000 Menschen inhaftiert, mehr als 41.000 starben. Das Lager ist berüchtigt für sein brutales Strafregiment: Die Gerichtsbarkeit im Lager unterlag ausschließlich dem Kommandanten, der willkürlich über den Tod der Häftlinge entscheiden konnte. Seit 1965 befindet sich am Ort des ehemaligen Lagers eine KZ-Gedenkstätte.

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Ein Bericht der Aktuellen Kamera von 1989 zum Gedenken an die Befreiung des KZ Dachau (Quelle: DRA)

Mo 26.04.2021 12:55Uhr 01:16 min

https://www.mdr.de/geschichte/stoebern/video-512960.html

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1972: Erste Demonstration gegen Ausgrenzung Homosexueller in der Bundesrepublik

Am 29. April 1972 demonstrieren in Münster ersmtals 200 Männer für die Rechte Homosexueller in der Bundesrepublik. Organisiert wird der Protest von zahlreichen bundesdeutschen Gruppen von Homosexuellen, nachdem die Homosexuelle Studentengruppe Münster zu einem bundesweiten Treffen eingeladen hatte. Unter ihnen ist auch Martin Dannecker, einer der wichtigsten Mitbegründer der deutschen Schwulenbewegung. Seit 1969 war Homosexualität unter Männern in der Bundesrepublik zwar nicht mehr strafbar, doch der entsprechende Paragraph bleibt bis 1994 im Strafgesetzbuch bestehen. In der DDR hingegen wurde das entsprechende Gesetz bereits 1968 abgeschafft. Homosexuelle werden dennoch weiterhin gesellschaftlich geächtet und ausgegrenzt. Erst seit Oktober 2017 dürfen gleichgeschlechtliche Paare in der Bundesrepublik heiraten.

Martin Dannecker läuft 1972 in Münster bei der ersten Schwulendemo mit.
Martin Dannecker, ein wichtiger Mitbegründer der deutschen Schwulenbewegung, beim Protest 1972 in Münster Bildrechte: dpa

2007: Magdeburger Erklärung wird unterzeichnet

Am 29. April 2007 wird die Magdeburger Erklärung unterzeichnet. Es ist die erste formelle Vereinbarung über die wechselseitige Anerkennung der in Deutschland vollzogenen Taufen. Elf verschiedene christliche Kirchen haben sich auf das sichtbare Zeichen des Wassers sowie die Einmaligkeit und Unwiederholbarkeit der Taufe geeinigt (trinitarische Formel). Bereits vor der Unterzeichnung der Erklärung hatte es regionale Vereinbarungen zwischen einzelnen katholischen Bistümern und Gliedkirchen gegeben. Im Mai 2002 empfahl der damalige Präsident des Päpstlichen Rates, sich näher mit der Taufe und ihrer Bedeutung für die Ökumene zu beschäftigen. Ziel war die symbolische Einheit der Christen zu stärken. Eine Arbeitsgruppe aus Vertretern verschiedener Kirchen erarbeitete daraufhin den Text, der im Rahmen eines ökumenischen Gottesdienstes im Magdeburger Dom unterzeichnet wird.

Menschen in einem Dom.
Führende Vertreter der deutschen Kirchen gehen am Sonntag (29.04.2007) im Magdeburger Dom Sankt Mauritius und Sankt Katharina beim ökumenischen Gottesdienstes zur wechselseitigen Taufanerkennung zum Taufbecken. Bildrechte: dpa

2020: Proteste gegen Fluglärm in Leipzig

Am 29. April 2020 protestieren mehrere Bürgerinitiativen und Anwohner gegen den weiteren Ausbau des Flughafens Leipzig/Halle. Sie fürchteten eine erhöhte Lärmbelastung und zusätzliche Umweltschäden. DHL plant, an seinem Drehkreuz bis 2032 50 Prozent mehr Frachtflieger starten zu lassen. Der Konzern argumentiert, dass der Ausbau wirtschaftliche Vorteile für die Region bringe. Trotz Corona-Krise hat das Drehkreuz schon jetzt am Leipziger Flughafen mittlerweile das weltweit größte Frachtaufkommen der DHL. Deshalb haben Lärm- und Feinstaubbelastungen im vergangenen Jahr weiter zugenommen. Derzeit liegt noch keine Genehmigung für die Pläne der DHL vor. Um weiterhin mit den Bürgern und Bürgerinnen im Gespräch zu bleiben, sowie deren Einwände zu sammeln, bietet die Landesdirektion diesen an, ihre Bedenken per Online-Konsultation vortragen. Bis zum 20. Mai 2022 seien auch schriftlich Stellungsnahmen möglich.