Seit 14. Juli 1881 bekannt Die ersten Telefonbücher von Leipzig, Magdeburg und Halle

Am 14. Juli 1881 erschien das erste Telefonbuch Deutschland. Es trug den langen Titel "Verzeichniss der bei der Fernsprecheinrichtung Betheiligten" - dafür war die Liste der Anschlüsse noch ausgesprochen kurz. Leipzig zog bereits wenige Monate später nach. In Magdeburg und Halle behalf man sich dagegen anders.

Telefonbuch Berlin
Das erste Telefonbuch Deutschlands ist in Berlin erschienen. Bildrechte: Museumsstiftung Post und Telekommunikation

Das erste Telefonbuch von 1881 enthielt ganze 185 Einträge auf 37 Seiten - und das in einer aufstrebenden Metropole, die schon damals weit über eine Million Einwohner zählte. Der "Fernsprecher", wie man damals sagte, war noch eine ausgesprochen junge Erfindung. Da es kaum private Anschlüsse gab, listete das "Verzeichniss der bei der Fernsprecheinrichtung Betheiligten" hauptsächlich Banken und Firmen auf.

Die Idee für das Telefonbuch geht auf Reichspostminister Heinrich von Stephan zurück. Dieser engagierte 1880 Emil Rathenau, den späteren AEG-Gründer, als Agenten für den Aufbau des Telefonsprechnetzes. Rathenau bat die Berliner Kaufmannschaft darauf hin, Mitglieder zu benennen, die Interesse an dem neuen Kommunikationsmittel haben. Doch der Erfolg war überschaubar. Im Januar 1881 soll die Liste gerade einmal zwölf Mitglieder enthalten haben. Doch Rathenau ließ nicht locker, schrieb Rundschreiben an die Börsenhändler und Banken. Diese erkannten schnell die Vorteile des Fernsprechers - ebenso wie Händler. Als im Juli 1881 dann das erste Fernsprech-Verzeichnis erschien, hatten sich zu den Financiers der Stadt auch Eisenwarenhändler, Tuch- und Ledermacher, Händler für Zimmereinrichtung, Buchdrucker und Hersteller von Damenmoden dazugesellet.

Verlegung von Telefonleitungen ca. 1849, Deutschland.
Historische Aufnahme aus dem 19. Jahrhundert: Verlegung von Telefonleitungen in Deutschland. Bildrechte: imago/teutopress

Damit war der Damm gebrochen - und das obwohl der Volksmund das erste als "Buch der Narren" verspottete, weil dem Otto Normalverbraucher die ersten deutschen Teilnehmer leid taten, die auf den vermeintlichen "Schwindel aus Amerika" hereingefallen waren. Die Zahl der Interessenten und Anschlüsse wuchs trotz solcher Bedenken sehr schnell und noch im gleichen Jahr folgten fünf weitere Ausgaben des Telefonbuchs! Ende 1881 beinhaltete das Verzeichnis bereits 458 Teilnehmer und vier Jahre später gab es schon über 4.000 Anschlüsse in Berlin.

Leipzig hat ab 1882 ein Telefonbuch

Nur ein paar Monate später hatte auch Leipzig sein erstes Telefonbuch. Es erschien am 1. Fabruar 1882 und umfasste 16 Seiten. Die Telefonzentrale war allerdings, ähnlich wie in Berlin, nicht rund um die Uhr besetzt, sondern lediglich von 8 bis 21 Uhr, im Sommer bereits ab 7 Uhr. Auch wenn die Vermittlung "von Hand" erfolgt, wird schon damals jedem Teilnehmer eine Nummer zugewiesen, die man dem Fräulein vom Amt "zum Zweck der schnellen Erledigung" mitteilen möge, so das kurze "Vorwort" des ersten Leipziger Telefonbuchs. Außerdem wird "im gegenseitigen Interesse der Betheiligten" dazu aufgerufen, die Gespräche kurz zu halten.

Erstes Telefonbuch der Stadt Leipzig, 1882
Das erste Leipziger Telefonbuch ist ein dünnes Heft mit gerade mal 16 Seiten. Bildrechte: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig

Magdeburg und Halle: Vorerst noch ohne Telefonbuch

In Magdeburg kam mit dem Aufkommen der Telefonie zwar kein eigenes Telefonbuch heraus, aber Erweiterungen der Adressbücher, die es seit 1817 gab. Der Leiter des Stadtarchives Magdeburg, Christoph Volkmar, erklärt: "Es gab vor 140 Jahren wohl kaum Telefonanschlüsse bei Privatpersonen. Daher wurde nur das jährlich erscheinende Adressbuch um eine Telefonnummer ergänzt, wenn es einen Anschluss gab. Telefonbücher kamen erst richtig mit dem Wachsen der Stadt auf, da die Menschen das Bedürfnis hatten, sich zu orientieren. In Magdeburg gab es Anfang des 20. Jahrhundert etwa 1.000 Telefonanschlüsse auf 300.000 Einwohner."

Auch in Halle gab es Anfangs noch kein Telefonbuch. Erst ab 1886 druckte man die Telefonnummern zusätzlich mit in den Adressbüchern ab. Im Stadtarchiv Halle stammt das früheste "Verzeichnis der Teilnehmer" am Telefonverkehr aus dem Jahr 1905. Das klassische "Amtliche Fernsprechbuch" ist ab 1927 überliefert.

Die Mädchen vom Amt haben am 30.06.1993 im letzten Fernamt Thüringens in Erfurt ihre Arbeit eingestellt.
Die Mädchen vom Amt haben am 30.06.1993 im letzten Fernamt Thüringens in Erfurt ihre Arbeit eingestellt. Bildrechte: dpa

1934: Jüdische Namen verschwinden aus der Buchstabiertafel

Mit dem Aufkommen des Telefonbuches beginnt auch die Geschichte der Buchstabiertafel. Damals wurden den Buchstaben Zahlen zugeordnet. Rathenau wurde folglich mit 18, 1, 20, 8, 5, 14, 1, 21 angeben. Da das Prinzip aber viel zu kompliziert war, wurde es 1903 geändert. Rathenau wurde dann mit Richard, Albert, Theodor usw. usf. angegeben. Bis zum März 1933 änderte sich die damalige Buchstabiertafel nicht.

Doch der in Rostock lebende Joh. Schliemann (Name so auf der Postkarte), schickte an das dortige Postamt eine Beschwerde, dass in der Buchstabiertafel fünf jüdische Namen zu finden seien: David, Jacob, Nathan, Samuel und Zacharias. Er nehme an, so schrieb er, dafür könnten sich geeignete deutsche Namen finden. Noch im selben Jahr wurden die Namen durch Dora, Jot, Nordpol, Siegfried und Zeppelin ersetzt. Weitere Änderungen erfuhren die Namen Theodor, welches durch Toni ersetzt wurde, sowie Friedrich (Fritz) und Heinrich (Heinz). Eine weitere Änderung gab es 1948, wo Jot in Julius geändert wurde.

Buchstabiertafel
Die Buchstabiertafel wurde im Zuge der "Arisierung" verändert: Die jüdischen Namen David, Jacob, Nathan, Samiel und Zacharias wurden 1933 geändert. Bildrechte: dpa

2020 beschloss der Arbeitsausschuss des Deutschen Instituts für Normung (DIN), dass ab Herbst diesen Jahres (2021) wieder die Version der Weimarer Zeit verwendet werden soll. Damit kehren die jüdischen Namen wieder offiziell zurück. Die endgültige Reform der für die Buchstabiertafel seit 1983 gültigen Norm DIN 5009 würde aber erst im dritten Quartal 2022 in Kraft treten.

Eine junge Frau schaut mit gerunzelter Stirn auf ihr Smartphone. 3 min
Bildrechte: imago images / Panthermedia

Mangelware: Telefonbuch in der DDR

Die Verzeichnisse für die sowjetische Zone und die DDR gab bis 1990 die Deutsche Post heraus. Sie erschienen in 14 Bezirksausgaben und aufgrund von Papiermangel in unregelmäßigen Abständen. Wollte man jemanden anrufen, dessen Nummer man nicht kannte, rief man das "Fräulein vom Amt" an. Die sogenannten Fernsprechbeamtinnen vermittelten die Telefongespräche. In der Bundesrepublik wurde der Beruf ab 1959 durch die Einführung des sogenannten Selbstwählferndienstes nach und nach eingestellt. In der DDR gab es die Vermittlung noch bis zum Jahr 1987. In manchen Regionen, wie zum Beispiel in Erfurt beim Fernamt Thüringen, gab es diese Stellen sogar noch bis Anfang der 1990er-Jahre.

Auslaufmodell Telefonbuch?

2017 fand das britische Forschungsinstitut Yougov heraus, dass in Deutschland jeder Dritte über 55 Jahre "häufig" und jeder Fünfte "manchmal" das Telefonbuch benutzt. Im selben Jahr kündigte auch die Telekom an, sich vom Telefonbuch zu trennen. Trotzdem wurde, laut Webseite von "Das Telefonbuch" im Jahr 2020 rund 18 Millionen Exemplare mit 18,9 Millionen Einträgen gedruckt. Einige unserer Nachbarstaaten haben sich dagegen bereits in den Vorjahren vom gedruckten Telefonbuch getrennt: 2018 schafften es die Niederländer gänzlich ab, 2020 zog auch in Belgien das Verzeichnis ins Internet.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Zeitreise - Es surrt. Es klackt. Es klingelt | 15. September 2019 | 22:30 Uhr