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Begrüßungsszene zwischen Adolf Hitler und Leni Riefenstahl (undatiert). Bildrechte: IMAGO / United Archives International

Am 22. August 1902 geborenLeni Riefenstahl: Hitlers Lieblingsregisseurin

Stand: 16. August 2022, 05:00 Uhr

Leni Riefenstahl, die vollständig Helene Bertha Amalie Riefenstahl hieß, wurde am 22. August 1902 in Berlin geboren. Sie avancierte schnell zu Hitlers Lieblingsregisseurin und gilt als eine der umstrittensten Persönlichkeiten der Filmgeschichte. Ihr NS-Propagandafilm "Triumph des Willens" - eine Reichsparteitagdokumentation - gilt als ihr einflussreichste Film. Auch nach dem Streifen arbeitete Riefenstahl als Regisseurin weiter und brachte ein weiteres großes Werk in die Kinos: Olympia.

Eine Szene, die Leni Riefenstahl am besten beschreibt, ist folgende: Leni, am 22. August 1902 in Berlin geboren, will als Mädchen Tanzunterricht nehmen. Der Vater, ein Geschäftsmann, lehnt das entschieden ab. Doch Leni, die als willensstark, ehrgeizig und vielseitig interessiert gilt, geht mit dem Wissen ihrer Mutter trotzdem tanzen. Als das Komplott der beiden auffliegt, droht der Vater mit Scheidung. Schlussendlich folgt er doch dem Willen seiner Tochter und meldet sie danach selbst bei der berühmten russischen Tänzerin Eugenie Eduardowa an.

Der Film als neue Aufgabe

Doch die Tanzkarriere von Riefenstahl kommt auf Grund vieler Knochenbrüche nicht zustande. Über Umwege gerät sie an den Begründer des "Bergfilm"-Genres: Arnold Franck. Von ihm lernt sie, mit der Kamera umzugehen.

Er lehrte mich, dass man alles gleich gut fotografieren müsse: Menschen, Tiere, Wolken, Wasser, Eis ... Bei jeder Aufnahme gehe es darum, das Mittelmaß zu überschreiten, von der Routine wegzukommen und alles möglichst mit einem neuen Blick zu sehen.

Leni Riefenstahl | zitiert nach: Anna Maria Sigmund - "Die Frauen der Nazis"

Zwar übernimmt sie in einigen Heimatfilmen Rollen als Schauspielerin, doch so richtig kommt auch die Schauspielerkarriere nicht in Fahrt. So gründet sie 1931 eine eigene Filmproduktionsgesellschaft.

Riefenstahl als Schauspielerin im Film "Weiße Hölle am Piz Balü" Bildrechte: IMAGO / United Archives

Ich fühlte, dass der Film eine Aufgabe für mich sein könnte, ein neuer Inhalt.

Leni Riefenstahl | zitiert nach: Anna Maria Sigmund - "Die Frauen der Nazis"

"Sehr geehrter Herr Hitler ..."

Als sie 1932 ihren Film "Das blaue Licht - Eine Berglegende aus den Dolomiten" auf einer Tournee vorstellt, besucht sie einen Auftritt von Adolf Hitler im Berliner Sportpalast. Riefenstahl ist begeistert und schreibt Hitler einen Brief.

Sehr geehrter Herr Hitler, vor kurzer Zeit habe ich zum ersten Mal in meinem Leben eine politische Veranstaltung besucht ... Ich muss gestehen, dass Sie und der Enthusiasmus der Zuhörer mich beeindruckt haben. Mein Wunsch wäre, Sie persönlich kennen zu lernen ...

Leni Riefenstahl | zitiert nach: Anna Maria Sigmund - "Die Frauen der Nazis"

Und Hitler antwortet ihr. Es folgt ein Treffen am Nordseestrand und Riefenstahl stellt danach fest, wie sympathisch und liebenswürdig der Privatmensch Hitler sei - so ganz anders als der politische Agitator. Kurze Zeit nach ihrem Treffen bricht Riefenstahl zu einem Dreh nach Grönland auf, von dem sie Ende 1932 wieder nach Deutschland kommt. Von da an besucht sie regelmäßig Feste und Geselligkeiten von hohen NSDAP-Funktionären.

Auftrag: "Künstlerische Gestaltung des Reichsparteitages"

Adolf Hitler wird schnell Fan von Leni Riefenstahl und überlegt - gemeinsam mit Reichspropagandaleiter Joseph Goebbels - wie er sie für seine Propagandazwecke einsetzen könnte. Mit Erfolg. Zwar klappt ein geplanter "Hitlerepos" nicht, dafür aber der Film "Sieg des Glaubens" über den fünften Reichsparteitag der NSDAP. Am 1. Dezember 1933 feiert der Streifen unter großem Beifall Premiere.

Leni Riefenstahl während der Dreharbeiten. Bildrechte: imago/United Archives

Schon ein Jahr später bekommt Riefenstahl erneut einen Auftrag. Dieser sieht die "künstlerische Gestaltung des Nürnberger Reichsparteitages 1934" vor. Der Auftrag und die Herausforderungen sind groß, denn zum einen stehen nur zwei Wochen Vorbereitungszeit zur Verfügung. Zum anderen wird Riefenstahl und ihr Team durch die Parteigenossen während der Dreharbeiten behindert: Keiner will gefilmt werden.

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Kameraleute auf Rollschuhen

Mit 120 Mitarbeitern, Kameraequipment aus Hollywood und einem klaren Plan schafft es Leni Riefenstahl trotzdem, ihr Material in den Kasten zu bekommen und damit Filmgeschichte zu schreiben. Nicht nur der "Wochenschaucharakter" des Filmes, sondern auch seine Effekte sind eine Novität. So befestigt Riefenstahl beispielsweise an Fahnenstangen Lifts, auf denen Kameras montiert werden, um so Fahraufnahmen zu generieren. Auch müssen Kameraleute auf Geheiß von Riefenstahl Rollschuhfahren üben - damit die Aufnahmen geschmeidiger und fließender werden. Kameraschwenks werden von Feuerwehrleitern aus aufgenommen.

Blick auf den Ufa-Palast in Berlin während der Uraufführung des Leni-Riefenstahl-Films "Triumph des Willens" 1934. Bildrechte: dpa

Zusätzlich filmt das Team fünf Stunden – ohne Pause – die patroullierenden Soldaten auf dem Nürnerberger Luitpoldshain. Dem hollywoodgleichem Epos gibt Adolf Hitler am Ende selbst den Namen: "Triumph des Willens".

Zwei Millionen Reichsmark für den nächsten Streifen

Die Regisseurin dreht noch zwei kleinere Filme für die NSDAP, bevor sie 1936 mit dem nächsten großen Projekt - der Dokumentation über die XI. Olympischen Sommerspiele - betraut wird. Riefenstahl zögert: 100 Wettkämpfe nur zu dokumentieren erscheint ihr reizlos. Also schreibt sie ein Drehbuch über die Olympischen Spiele. Produktionszeit: Drei Jahre. Finanzierung: Über die Film-Kreditbank des Reichs-Propagandministeriums.

Mit dieser wilden Frau ist nicht zu arbeiten. Nun will sie für ihren Film eine halbe Million mehr und zwei daraus machen. [...] Sie weint. Das ist die letzte Waffe der Frauen. Aber bei mir wirkt das nicht mehr. Sie soll arbeiten und Ordnung halten.

Joseph Goebbels 1936 | zitiert nach: Anna Maria Sigmund - "Die Frauen der Nazis"

Leni Riefenstahls "Olympia"-Epos

Am 20. April 1938 feierte Leni Riefenstahls "Olympia"-Epos "Fest der Völker" und "Fest der Schönheit" im Berliner UFA-Palast seine Uraufführung. In ihren beiden Filmen dokumentiert Leni Riefenstahl die Olympischen Spiele 1936 in Deutschland. Neben Adolf Hitler war bei der Uraufführung die gesamte Prominenz des faschistischen Regimes anwesend. (Im Bild: Leni Riefenstahl bei der Premierenfeier mit Propagandaminister Goebbels.) Bildrechte: imago/United Archives
Adolf Hitler beging am 20. April 1938 seinen 49. Geburtstag. Er bezeichnete Leni Riefenstahl als seine "Lieblingsregisseurin". Die Filmpremiere zum Geburtstag des Führers war denn auch das Präsent der Filmemacherin. Und Hitler war begeistert von Riefenstahls "Olympia"-Epos. (Adolf Hitler und Leni Riefenstahl, undatierte Aufnahme.) Bildrechte: IMAGO / United Archives International
Mehr als vier Stunden dauern das Epos "Fest der Völker" und sein zweiter Teil "Fest der Schönheit". Riefenstahl beginnt den Zweiteiler in Griechenland - Hitlers Deutschland soll als mythischen Nachfolger der Antike erscheinen. (Im Bild: Leni Riefenstahl bei den Dreharbeiten in Griechenland.) Bildrechte: imago/United Archives
Fackelläufer tragen das olympische Feuer von Athen aus durch halb Europa nach Berlin. Höhepunkt des Films ist der berühmt-berüchtigte "Lichtdom" Albert Speers. (Bei den Dreharbeiten: Olympischer Fackelläufer.) Bildrechte: imago/United Archives
Mehr als 40 Kameraleute waren bei den Dreharbeiten für "Olympia" im Einsatz. Sie drehten an die 400 Kilometer Film. Riefenstahl erfand ganz neue Kameratechniken. Sie setzte die Kameras auf Kräne, auf Schienen, in Aufzüge, drehte unter Wasser und aus Gräben heraus. (Im Bild: Leni Riefenstahl mit Kameraleuten.) Bildrechte: imago/United Archives
Bis heute sind die Meinungen über die Filme höchst umstritten: Die einen sprechen von einem bedeutenden Kunstwerk, dem besten Sportfilm aller Zeiten. Hollywood-Regisseur George Lucas sagte gar einmal: die Riefenstahl sei "die modernste Filmemacherin überhaupt". Andere hingegen bezeichnen die Filmemacherin als bloße Propagandistin der Nationalsozialisten, die lediglich deren seelenloses Schönheitsideal sowie deren Rassentheorie abbildete. (Im Bild: Leni Riefenstahl bei den Dreharbeiten in Griechenland.)
(Über dieses Thema berichtete der MDR im TV auch in "artour", 21.07.2016 | 22:05 Uhr.)
Bildrechte: imago/United Archives

Olympia und die Hitler-Mätresse

Nach dem Abschluss der Dreharbeiten zum zweiteiligen Werk "Fest der Völker" und "Fest der Schönheit" schnitt Riefenstahl alleine 400 Kilometer Filmmaterial zusammen. Doch die Kinopremiere fiel mit dem Einmarsch der deutschen Armee in Österreich zusammen - und musste verschoben werden. Der neue Termin: Hitlers Geburtstag am 20. April 1938. Während der Film in Deutschland Beachtung fand, wurde der Streifen der "Hitler-Mätresse" u.a. in den USA boykottiert.

Ab diesem Zeitpunkt war es auch in Deutschland immer schwieriger für Riefenstahl. Nachdem sie an der Front die ersten Bilder von toten Soldaten und der Zivilbevölkerung drehte, schlug sie weitere Angebote seitens der NSDAP aus. Das letzte Mal begegneten sich Adolf Hitler und Leni Riefenstahl im März 1944.

Leni Riefenstahl. Jahr unbekannt. Bildrechte: IMAGO / United Archives International

Von Freunden und Kollegen gemieden

Filmregisseurin Leni Riefenstahl mit Günter Stolberg 2003 in Düsseldorf. Bildrechte: IMAGO / Olaf Döring

Die Nähe zu Hitler wird Riefenstahl nach dem Krieg zum Verhängnis. In der Nachkriegszeit wird sie von ihren Kollegen und alten Freunden gemieden. Auch die Besatzungmächte verfolgen argwöhnisch ihr Tun. Im Westen soll sie vor Gericht ihre Unschuld beweisen. Im Osten kommen ihre Bilder auf den Index und bereits vor der Gründung der DDR sammelt ein Vorläufer der Staatssicherheit Unterlagen über sie. Bis zur ihrem Tod kämpft Riefenstahl vor Gerichten und in den Medien um Anerkennung, Ruhm, Geld und Ehre. Andere erfolgreiche und beliebte Filmkünstler, wie Heinz Rühmann oder Veit Harlan fassen nach 1945 rasch wieder Fuß. Doch Riefenstahl wird in der Bundesrepublik gemieden.

Dieses Thema im Programm:MDR FERNSEHEN | Geschichte Mitteldeutschlands: Leni Riefenstahl - Die Diva und die Stasi | 16. August 2022 | 22:10 Uhr