Lexikon Hausgemeinschaft

Hausbuch | Hausordnung

Alle Mieter in einem Haus bildeten die Hausgemeinschaft. Das Klima war häufig – auch ohne staatlichen Druck – nachbarschaftlich. Man half sich untereinander. Fast überall fand sich ein guter Geist, der Pakete entgegennahm, mal auf die Nachbarkinder aufpasste oder stürmisch klingelte, wenn es im Gemüseladen seltene Südfrüchte gab. Der Haussegen begann allerdings schief zu hängen, wenn sich ein Mieter um die Reinigung des Hausflurs drückte oder nicht half, wenn der Schnee zu räumen war. Allgemein beliebt waren Hausgemeinschaftsfeiern.

Dazu wurden Trockenkeller und -böden leer geräumt oder der Wäscheplatz genutzt. Jede Familie brachte etwas zum Essen und Trinken mit. Hausgemeinschaften waren ein gern genutzter Hintergrund für Fernsehfilme, wobei nachbarschaftliches Zusammenleben dann etwas abseits der Wirklichkeit zu sozialistischer Tugend erhoben wurde. "Florentiner 72" war so ein gern gesehener Film. Auch in der aufwändigen Unterhaltungssendung des DDR-Fernsehens "Mit dem Herzen dabei" zeichnete Moderator Hans-Jürgen Ponesky engagierte Hausgemeinschaften aus.

Um die Arbeit von Hausgemeinschaften anzuregen, organisierten Ausschüsse der Nationalen Front Wettbewerbe um den Titel "Vorbildliche Hausgemeinschaft". Ähnlich wie die Brigade- oder Gruppentagebücher sollten die Hausgemeinschaften Chroniken anfertigen, die die Entwicklung einer Hausgemeinschaft nachzeichnen und auch eine gemeinschaftsbildende Funktion ausüben sollten.

Hausbuch

Jede so genannte Hausgemeinschaft war verpflichtet dieses Buch zu führen. Darin musste sowohl jeder Bewohner des Mietshauses eingetragen sein, auch DDR-Bürger, die länger als 14 Tage zu Besuch belieben, wurden darin mit Heimatadresse, Beruf und Dauer ihres Aufenthaltes aufgeführt.

Gäste aus dem nichtsozialistischen Ausland wurden immer in das Hausbuch eingetragen, unabhängig von der Dauer ihres Aufenthaltes. Das Hausbuch wurde vom Hausvertrauensmann verwahrt. Er war Mitglied der Hausgemeinschaftsleitung, die es in jedem größeren Mietshaus gab. Das Hausbuch musste er auf Verlangen der Volkspolizei oder der Staatssicherheit vorzeigen.

Hausordnung

Es gab zwei Arten und jeder Mieter hatte sie – im Wechsel mit den Nachbarn – zu absolvieren: die kleine und die große Hausordnung. Die kleine Hausordnung beinhaltete das Fegen, Wischen und bei Bedarf auch das Bohnern des Hausflures und der Treppen der jeweiligen Etage. Die große Hausordnung war üppiger und konnte einem schon den gesamten Sonnabendvormittag verderben: Der Hauskeller musste gefegt und die Kellertür abgewaschen werden. Das Treppenhaus zum Trockenkeller war zu fegen und zu wischen, die Wände wurden von Spinn- und Staubweben befreit.

Außerdem gehörte die Pflege des Vorgartens, des Trockenplatzes und im Winter das Schneefegen und Sand streuen auf den Fußwegen dazu. In manchen Hausgemeinschaften wurde sehr genau darauf geachtet, wie ordentlich jede Mietpartei die Hausordnung erledigte. Oberflächliches Putzen führte nicht selten zum Streit.