Die Trassenbauer Einmal "Trassnik" - immer "Trassnik"

Beim Bau der Trasse wurden nicht nur Rohre verlegt -Arbeit und Leben bei Extrembedingungen schweißen die einstigen Trassenarbeiter bis heute zusammen.

Arbeiten an der Jahrhunderttrasse
Arbeiten an der Jahrhunderttrasse Bildrechte: Lutz Wabnitz

"Der Druck in der heutigen Gesellschaft auf jeden von uns wird stärker. Immer mehr kennen das Problem der Existenzangst. Wenn wir in unsere ehemaligen Brigaden schauen und die Schicksale einiger unserer Kollegen betrachten, müssen wir sagen: So ist es." So begrüßt die Website des Trassenvereins "Erdgastrasse e.V." ihre Besucher. Der Verein ist einer von mehreren privaten Initiativen im Internet, der Bilder, Texte, Foren und Kontaktbörsen für frühere Trassenarbeiter anbietet.

Die Trasse - ein Lebenswerk

Viele ehemalige "Trassniks" haben die Jahre am "Jahrhundertbauwerk" bis heute nicht vergessen. Und so suchen sie alte Kontakte, organisieren sich in Vereinen, tauschen Adressen einstiger Kollegen, treffen sich auf Jahrestreffen, um in Erinnerungen zu schwelgen, sich an die Zeit extremer Herausforderungen unter schwierigsten Bedingungen zu erinnern. Für sie ist die Trasse nicht Geschichte. Es ist die aufregendste Zeit ihres Lebens gewesen und immer noch ihr herausragendes Werk. Es sichert bis heute die Gasversorgung Deutschlands, auch wenn man von ihren Erbauern nicht mehr spricht. Die "Trassniks" vergessen ihre Geschichte jedoch nicht, auch wenn sie nur noch privat am längst abgeschafften DDR-Ehrentag "Tag des Trassenbauers" auf alte Trassenzeiten anstoßen.

Die "Wende" an der Trasse

Die Wende mit der Maueröffnung wurde auch im fernen Sibirien, an den Baustellen der Erdgastrasse, registriert und führte zu starken Einschnitten. So erinnert sich "Locke", ein ehemaliger "Trassnik", am 22.01.2007 im Trassenforum von "Erdgastrasse e. V.": "Bei uns in Stry erlebte ich die Grenzöffnung in der Nachtschicht. Der Meister rief uns in den Bauwagen, es war gegen 3:00 Uhr nachts, er sagte: 'Die machen die Mauer nieder in Berlin.' Die Tage davor waren von Angst und Freude geprägt. Einige sind damals durchgedreht und versuchten, auf eigene Faust, nach Hause zu kommen, teils sogar mit Fahrrädern, ist kein Witz. Es wurden nachher öfter Flüge organisiert und es kamen auch Leute mit Videokassetten der Nachrichten, zuerst nur 'Aktuelle Kamera', dann auch mal 'Tagesschau'. Später kamen die Sat-Schüsseln und das 'Becks'-Bier. Dann dauerte es nicht mehr lange und es kam die DM. Und nach der DM kamen die Entlassungen."

Trassentourismus: Was steht noch von damals?

So manchen treibt die Sehnsucht nach vielen Jahren wieder an die alte Arbeitsstätte in Russland oder der Ukraine. Anschließend berichtet man in Trassen-Foren, was sich verändert hat, wie etwa Andreas Schlotter 2007: "Ich war im Juli 2001 in Bogo und es hat sich einiges getan. Unser Wohnlager ist zurzeit ein Ausbildungscamp (Kadettenanstalt der Ukrainischen Armee). Es wurde einiges verändert bzw. entfernt und der Rest geht seinem zeitlichen Verfall entgegen, da ja nichts saniert wird. Zustand wie damals 1982, als wir das Camp übernommen haben."

Von der Baracke zum Einfamilienhaus

Eine Gruppe ehemaliger Trassenbauer notiert die Veränderungen bei einem Besuch in der Region um Perm: "Goldirewskij. Was fest gemauert war, hat überlebt. Das Birkenwäldchen wächst und gedeiht. Weit und breit ist nichts mehr zu sehen von früher.

Wo einst das Wohnlager war, ist eine Kolchose. Auf alle Fälle haben die aus Rohren Schneepflüge, Planierteile für Wege und dergleichen gebastelt. Russischer Erfindergeist!! Aber 'Minol', das haben sie gelassen. Die Tankcontainer wurden umgespritzt mit den Farben von 'LUKOIL', aber die Technik und alles andere drum herum ist DDR-deutsch. Nenastje. Der Standort, wo fast alles noch so steht, wie wir es übergeben haben. Wir waren angenehm überrascht. Aus unseren Baracken hat man eine Art Einfamilienhäuser gemacht. Andere Barackenteile wurden übereinander gesetzt. Von Goldi nach Nena-WL führt jetzt eine asphaltierte Straße. Unser Bus fuhr damals aber immer schon flotte 110 Sachen ..."

Über dieses Thema berichtete der MDR in "Lexi TV" 24.03.2014 | 15:00 Uhr