Rituale und Bräuche Warum wir Weihnachten am 25. Dezember feiern

Was hat Weihnachten mit der Wintersonnenwende und dem Sonnengott zu tun? Und wie lange gibt es überhaupt bereits Weihnachten? Erfahren Sie hier Erstaunliches über die historischen Ursprünge des Weihnachtsfestes.

Jesusmosaik
Jesus-Mosaik Bildrechte: imago/Joko

Wie lange gibt es Weihnachten, so wie wir es heute kennen und feiern, eigentlich schon? 2021 Jahre müsste man meinen, denn offiziell feiern wir am 25. Dezember die Geburt von Jesus Christus im Jahre Null unserer Zeitrechnung. Wissenschaftler sind sich inzwischen einig darüber, dass Jesus gelebt hat, geboren wurde er allerdings wohl nicht am 25. Dezember vor 2021 Jahren, sondern bereits zwischen sieben und vier v. Chr. Bleibt die Frage, warum wir Weihnachten am 25. Dezember feiern und warum wir so feiern, wie wir feiern.

Die Wintersonnenwende und der Sonnengott

Ein weiter Blick zurück zeigt: Viele antike und frühmittelalterliche Kulturen orientierten sich am Lauf der Gestirne und der Sonne. Entsprechend wichtig waren unter anderem die beiden Wendepunkte im jährlichen Sonnenkreislauf: die Sommersonnenwende am 20., 21. oder 22. Juni und die Wintersonnenwende am 21. oder 22. Dezember.

Ab dem 23. Dezember werden die Nächte auf der Nordhalbkugel der Erde wieder kürzer, die Tage entsprechend länger. Die bis dahin zunehmende Finsternis weicht dem zunehmendem Licht, die Tage werden (gefühlt) wieder länger. Menschen in ganz unterschiedlichen Kulturen feierten das als Neubeginn des Jahreszyklus. Darunter die Germanen, die um die Zeit der Wintersonnenwende das Mittwinterfest feierten. Auch in Persien und dem vorderen Orient wurde der 25. Dezember beispielsweise mit der Geburt des damals dort wichtigsten Gottes Mithras in Verbindung gebracht und festlich begangen. Bei den Römern feierte man Mithra in abgewandelter Form als "Sol invictus", den "unbesiegten Sonnengott", zu genau diesem Zeitpunkt, denn die Sonnendauer verlängerte sich täglich.

Und warum spricht man von "Weihnachten"? Der Begriff "Weihnachten" stammt wahrscheinlich aus dem späten 12. Jahrhundert. In den frühesten schriftlichen Belegen jener Zeit ist von "ze wihen nahten" oder "wihe naht" die Rede. Der erste Teil des Wortes geht auf das germanische "wisja" oder "wiha" zurück, was soviel wie "heilig" oder "geweiht" bedeutet. "Naht"/“nahten“ steht für "Nacht" bzw "Nächte".

Wie kommen nun Christentum und Sonnengott zusammen?

Weihnachtskrippe
Bildrechte: imago/Arnulf Hettrich

Was nun wiederum das Christentum anbelangt, dass sich im 3. und 4. Jahrhundert auch im Römischen Reich immer weiter ausbreitete, so gehen viele Forscher davon aus, dass die Gleichsetzung der Geburt Christi mit der Geburt der "neuen" Sonne dazu diente, mehr Anhänger auch aus anderen Kulturen für die eigene, christliche Religion zu gewinnen. Seit der Mainzer Synode im Jahr 813 gilt auch in Deutschland der 25. Dezember theologisch verbrieft als der Geburtstag von Jesus Christus - jedenfalls symbolisch.

Politische Systeme rütteln am christlichen Fest

Nicht nur die Nationalsozialisten wollten den altgermanischen Brauch der Wintersonnenwendefeiern wiederbeleben. Auch die DDR war darauf bedacht, den Weihnachtsmann lieber durch Väterchen Frost, aus der russischen Sagenwelt, zu ersetzen. Beide Systeme waren jedoch erfolglos mit ihren Strategien. Wobei die DDR mit Wortschöpfungen wie "Jahresendflügelpuppen" oder "geflügelte Jahresendfigur" für Engel sprachlich ein kurioses Denkmal setzte.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 19. November 2021 | 16:00 Uhr