Weihnachtliche Handwerkskunst Kunsthandwerk im Erzgebirgsort Seiffen

Wie fast überall ist auch der Weihnachtsmarkt im Traditionsort Seiffen dieses Jahr abgesagt. Normalerweise kommen im Dezember zehntausende Gäste von überall her, um die besondere Weihnachtsstimmung in dem kleinen Erzgebirgsort zu genießen. Gerade die Inhaber kleiner Familienbetriebe sind auf Laufkundschaft angewiesen. Aber wo kein Weihnachtsmarkt, da auch keine Touristen, so ihre Sorge.

Dabei hat der geschnitze und gedrechselte Weihnachtsschmuck eine lange Tradition. In Seiffen, tief in einem Tal im mittleren Erzgebirge gelegen, wird das ganze Jahr über für Weihnachten produziert. Verkauft werden die Räuchermänner, Pyramiden, Nussknacker und Engel dann vor allem in den letzten drei Monaten des Jahres. Anders zu DDR-Zeiten, hier ging ein Großteil in den Export, denn die Drechselkunst der Erzgebirger verhalf der DDR, ähnlich wie bei den Lauschaer Glasbläsern zu dringend benötigten Devisen. Harald Wohlfahrt, dessen Firma in Rothenburg ob der Tauber sich schon vor Jahrzehnten auf Weihnachtsschmuck spezialisiert hat, erinnert sich an Besuche anlässlich der Leipziger Herbstmesse im Grassimuseum, wo erzgebirgisches Kunsthandwerk ausgestellt wurde: "Es waren bewegende Momente, als die Leipziger hinter vorgehaltener Hand fragten, wo sie die denn kaufen könnten. Doch die waren alle für den Export bestimmt."

Kunsthandwerk und sozialistische "Volkskunst"

Die mittelständischen Betriebe der "erzgebirgischen Volkskunst" wurden 1972 wie ein Großteil des Wirtschaftslebens verstaatlicht. Das bedeutete für den einzelnen kleinen Handwerksbetrieb oft das Ende, aber einige konnten zumindest eine gewisse Teilselbständigkeit bewahren. Wie etwas der Familienbetrieb "Müller Kleinkunst". Der Betrieb musste sich auf die Herstellung beschränken, der Handel lief über die Drechslergenossenschaft.

Jede Neuentwicklung eines Spielzeugs oder eines weihnachtlichen Holzartikels musste nach 1981 im volkseigenen Kombinat in Sonneberg genehmigt werden. Aufgrund dieses umständlichen Verfahrens wurden nur noch 20 neue Artikel pro Jahr entwickelt, heutzutage sind es an die 1.000 Neuentwürfe. Die Qualität ließ seit den sechziger Jahren spürbar nach. Der Einsatz von Kunststoffen, aber auch die Zulassung von Hobbydrechslern als Anbieter von Weihnachtskunsthandwerk in Seiffen machte sich negativ bemerkbar.

Keine Verbesserung der Qualität

Die schwindende Qualität und die geringe Auswahl an Erzgebirgsschnitzereien wurde intern kritisiert, führte sogar zu Diskussionen im Parteienapparat. So beklagte der Geschäftsführer der LDPD (liberale Blockpartei) in Olbernhau in einem Schreiben an seinen Bezirksvorstand 1979: "Die Verarmung im Erzgebirgssortiment ist offensichtlich." Weder die Qualität der Arbeiten noch die Menge des Angebots veränderten sich bis zum Ende der DDR. Beides verbesserte sich erst nach der Wiedergründung vieler kleiner Familienbetriebe und mittelständischer Firmen in der Region in den neunziger Jahren.

Über dieses Thema berichtete der MDR in "MDR um 4" 26.11.2018 | 16:00 Uhr