1836: Moralist und König von Sachsen Friedrich August II., König von Sachsen

(1797-1854)

Friedrich August II. wurde am 18. Mai 1797 in Schloss Pillnitz bei Dresden als Sohn von Maximilian und Caroline von Parma im Hause Wettin geboren. Er hatte vier jüngere Brüder und zwei Schwestern.

Maximilian war ein fürsorglicher Familienvater, der seine Kinder im Geiste echter Religiosität erzog, die für ihn untrennbar mit "sittlicher Integrität" verbunden war. Er war der erste Lehrer seines Sohnes Friedrich August. Später unterrichtete ihn der General und Oberhofmeister Freiherr von Forell, der ihn auf seine künftige Regentschaft vorbereitete.

Friedrich August war Offizier in den Befreiungskriegen, zeigte aber sonst für das Militärische kaum Interesse. 1819 heiratete Friedrich August Erzherzogin Marie Caroline Ferdinande von Österreich. Mit ihr unternahm er viele Reisen durch Sachsen. Nach langer Krankheit starb sie bereits 1832. Im Jahr darauf heiratete Friedrich August zum zweiten Mal - die Prinzessin Maria Leopoldine von Bayern. Als Königin Maria gründete sie 1836 den Frauenverein und engagierte sich sozial.

Im gleichen Jahr übernahm Friedrich August die Regierung ohne seinen Onkel Anton, mit dem er bereits seit 1831 die Geschicke des Landes geleitet hatte. Als ein ausgesprochen liebenswerter und intelligenter Mann war er schnell beim Volk beliebt. Seine Handlungsweise wurde stark von moralisch-rechtlichen Erwägungen bestimmt, was auch seine Reformen betraf.

Die Städteordnung vom 2. Februar 1832 brachte den Städten die freie Selbstverwaltung. Zur Einheit Sachsens sollten die Kreisdirektionen beitragen, die ihren Sitz in Dresden, Leipzig, Zwickau und Bautzen bekamen. Vom Frondienst und der Erbuntertänigkeit befreite die Bauern das Edikt vom 17. März 1832. Eine einheitliche Rechtssprechung für Sachsen schuf das Strafgesetzbuch von 1836.

Weniger Feingefühl dagegen bewies der König für die revolutionären Ereignisse 1848/49. Zunächst berief er liberale Minister in die Regierung, hob die Zensur auf und erließ ein liberales Wahlgesetz für beide Kammern des Landtags. Nachdem sich im Frühjahr 1849 die Gegensätze zwischen der gemäßigten Regierung und dem radikalen Landtag verschärft hatten, löste Friedrich August II. das Parlament am 28. April auf.

Seine Ablehnung der Frankfurter Reichsverfassung, die einen konstitutionellen Bundesstaat mit einem Erbkaiser an der Spitze vorsah, verursachte den Dresdner Maiaufstand, der ihn am 4. Mai zur Flucht auf die Festung Königstein zwang. Mit Hilfe preußischer Truppen gelang es Friedrich August II., den Aufstand niederzuschlagen. Die Rädelsführer wurden von den Gerichten zum Tode verurteilt und vom König zu lebenslanger Haft begnadigt. Die Verordnung vom 3. Juni 1850 stellte die Verhältnisse von vor 1848 wieder her.

Die letzten Jahre verlebte Friedrich August II. fern von der Öffentlichkeit in krankhafter Depressivität. Reisen unternahm er weiterhin, besonders nach Tirol, wo er seinem botanischen Hobby nachging und Gebirgspflanzen sammelte.

Den Spekulationen über den Tod des Königs, hinter dem man Selbstmord vermutete, steht ein Gerichtsprotokoll entgegen, das einen tragischen Unglücksfall schildert. Auf dem Weg ins Pitztal "... kurz hinter Imst zwischen Brennbichl und der Straßenbrücke über den Inn ... kippte sein Wagen an einer Wegbiegung um. Der König wurde herausgeschleudert und fiel so unglücklich, dass er dicht hinter das wild ausschlagende Pferd zu liegen kam. Durch einen Hufschlag wurde er schwer am Hinterkopf verletzt und verlor das Bewusstsein". Den König brachte man in den Gasthof Neuner, wo er am 9. August 1854 starb. Das Sterbezimmer ist noch heute erhalten. Bis zum 13. August wurde der Leichnam in Brennbüchel aufgebahrt und am 16. August feierlich in der Gruft der katholischen Hofkirche von Dresden beigesetzt.

Königin Maria von Sachsen ließ zur Erinnerung an ihren Mann an der Unglücksstelle eine Königskapelle errichten, die zwischen 1958 und 1966 restauriert wurde und für Besucher geöffnet ist.