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Georg Friedrich Händel auf der Spur

16. September 2008, 14:30 Uhr

Es gab nicht viele Komponisten, denen schon zu Lebzeiten ein Denkmal errichtet wurde, die nicht nur ein Riesenwerk, sondern auch ein Millionenerbe hinterließen. Hier ein Überblick über wichtige Stationen im Leben des Georg Friedrich Händel.

Inhalt des Artikels:

Der berühmteste Sohn der Stadt Halle wurde nicht erst nach seinem Tode weltbekannt wie viele andere Komponisten, sondern er gelangte bereits zu Lebzeiten zu großem Ruhm. In London feierte er nach Erfolg um Erfolg. Das Publikum liebte seine Opern, dann seine Oratorien, ein ganzes Land lag ihm zu Füßen. Trotzdem vergaß er seine Wurzeln - seine Familie - nicht.

Immer wenn es ihm möglich war, kehrte er ins heimatliche Halle zurück, um hier seine Mutter und die anderen Mitglieder der Familie zu sehen. Ende des Jahres 1711 bot sich Händel eine solche Gelegenheit. In diesen Tagen war er Taufpate seiner Nichte Johanna Friederike, welche wie er in der Marktkirche zu Halle getauft wurde. Nach seinem Tode wurde sie die Haupterbin seines nicht unbeträchtlichen Vermögens.

HALLE

1685

Am 23. Februar wird Georg Friedrich Händel in Halle in der jetzigen Große Nikolaistraße 5 geboren. Am 24. Februar wird er in der Marktkirche zu Halle getauft.

1697

Früh verliert er seinen Vater, einen angesehenen Mediziner, der am 11. Februar 1697 stirbt. Der begann seine Laufbahn als Schiffsarzt, ehe er sich 1642 in Halle niederließ und eine Familie gründete. Er heiratete die Pfarrerstochter Dorothea Taust. Sie förderte Georg Friedrichs musische Begabung von Anfang an - auch gegen die Bedenken ihres Mannes, der einen ehrbaren Beruf für seinen Sohn wollte.

1702

Am 10. Februar 1702 immatrikuliert sich Händel an der erst 1694 gegründeten Halleschen Universität, um Jura zu studieren - einem Wunsch seines Vaters folgend.

Doch zugleich nimmt er am 13. März 1702 eine Anstellung als Organist am reformierten Dom in Halle an. Mit 17 brilliert er nicht nur auf der Orgel, sondern spielt auch Cembalo, Violine und Oboe - und wird durch seine Anstellung bereits sehr früh finanziell unabhängig.

1703

Doch das Organistenamt ist nicht das, wovon Händel träumt und die von den Pietisten gepägte Stadt Halle auch nicht. Am 10. Mai 1703 macht Händel sich auf nach Hamburg, ins "deutsche Venedig". Dort leistet man sich eine Oper, sonst nur ein Vergnügen des Adels. Schon bald gehört der junge Händel zu den Musikern des Orchesters der Oper am Gänsemarkt - als Geiger und Cembalist.

Zur Anstellung verhilft ihm Johann Mattheson - ebenfalls Musiker und Komponist, ein Freund, aber auch Rivale. Mattheson liefert sich im Dezember 1703 mit ihm ein Duell, veranlasst durch Händels Weigerung, Mattheson nach seinem Auftritt auf der Bühne während einer Aufführung seiner Oper "Die unglückliche Cleopatra" den Platz am Cembalo wieder einzuräumen. Später wird Mattheson aber auch die erste Händel-Biografie von John Mainwaring ins Deutsche übersetzen.

1705

Händels erste Oper "Almira" (HWV 1) feiert am 8. Januar in Hamburg Premiere, nur zwei Monate später die zweite: "Nero". Eine der Figuren ist der Geliebte des Kaisers, die einzige offen homosexuelle Figur in Händels Werk. Musik und Libretto der Oper gehen verloren. Am Abend der Aufführung kommt es wohl zu einer folgenreichen Begegnung mit dem Medici Prinz Gian Gastone, der ihn nach Italien einlädt.

ITALIEN

1706-1709

Anfang 1706 bricht der 21jährige Händel nach Italien auf, macht Station vermutlich zunächst in Florenz, dann in Rom, Venedig und Neapel. Im November 1707 feiert Händels erste italienische Oper "Rodrigo" (HWV 5) in Florenz Premiere - ein Erfolg. Am 26. Dezember 1709 wird seine Oper "Agrippina" (HWV 6) im Teatro San Giovanni Grisostomo in Venedig aufgeführt. Ein Triumph.

HANNOVER

1710

Dass Händel im Frühjahr 1710 ausgerechnet nach Hannover geht, um sich beim Kurfürsten als Kapellmeister anstellen zu lassen, scheint merkwürdig. Zwar bekommt Händel einen guten Vertrag mit 1.200 Talern Jahresgehalt, was heute etwa 150.000 Euro entspräche, aber er kann dort nicht tun, was er liebt: Opern aufführen. Der Hof ist knapp bei Kasse. Möglicherweise zieht ihn eine Frau dorthin: Karoline - die Kurprinzessin von Hannover. Später wird aus dem Kurfürsten der englische König George I., die Kurprinzessin kann Händel nun als Königin fördern.

LONDON

1711/1712

Im November 1711 reist der 26jährige Händel zur Taufe seiner Nichte Johanna Friederike nach Halle.
Wenige Monate zuvor - im Februar 1711 war seine Oper "Rinaldo" im Königlichen Theater am Haymarket in London mit großem Erfolg aufgeführt worden. Bei seinem Besuch in Halle will er seiner Mutter mitteilen, dass er Hannover verlässt, um nach London zu gehen. Im Herbst 1712 übersiedelt er.

Später soll Händel den Kurfürsten, aus dem 1714 George I. - König von England und Irland - wird, mit einer pompösen Aufführung der "Wassermusik" auf der Themse wieder versöhnt haben.

1717-1719

Neben Lord Burlington gilt James Brydges, der spätere Duke of Chandos als wichtigster Gönner des Komponisten. Auf seine Einladung hin kommt Händel auf den Landsitz Cannons nahe London. Dort treffen sich Schriftsteller wie Alexander Pope oder der Landschaftsmaler William Kent. Auch leistet sich der Duke ein eigenes kleines Orchester. Über die Beziehungen zwischen den künstlerisch tätigen Männern und ihren Mäzenen wird gemunkelt.

1719 bekommt Händel den Auftrag, ein Königliches Opernunternehmen zu gründen, für das er zwischen 1720 und 1728 14 italienische Opern schreibt, u.a. "Radamisto" (1729), "Giulio Cesare in Egitto" (1724) oder "Tamerlano" (1724).

1720 / 1728

Am 14. Juni 1720 bekommt Händel das königliche Druckprivileg für seine Werke.

Am 20. Februar 1727 bestätigt der König Händels Antrag auf die englische Staatsbürgerschaft.

Doch 1728 muss er das königliche Opernunternehmen wegen wirtschaftlichen Misserfolgs schließen. Zwei Versuche zu Neugründungen erweisen sich in der Folgezeit als ebenso ruinös.

Die Bürgerlichen beginnen, sich durchzusetzen, sie lehnen die als Adelsoper geltende italienische Opera seria ab. Mit ihrer "Beggars' Opera" karikieren Gay und Pepusch die italienische Oper der Händelschen Art und landen 1728 einen Riesenerfolg mit ihrer Geschichte von den Dieben und Dirnen.

1730

Am 16. Dezember stirbt Händels Mutter in Halle. Ein Jahr zuvor hatte er sie noch auf der Rückreise von Italien nach England besucht. In Italien wollte er Kastraten und Sängerinnen verpflichten, um die in die Krise geratene Königliche Musikakademie zu retten.

1733 / 1737 / 1738

Doch die Kritik an Händels Oper, die unter der Protektion des Königs steht, wächst. Frederick, Prince of Wales, unterstützt die Gründung eines Konkurrenzunternehmens, der Opera of Nobility. Damit wird aber schließlich der Niedergang beider Häuser herbeigeführt.

Händels Stern scheint zu sinken. Ein Krach auf einer Opern-Probe endet im Frühjahr 1737 schließlich mit einem Schlaganfall des 52jährigen.

Dann stirbt am 20. November 1737 auch noch Händels Gönnerin Königin Karoline. Damit verliert der Komponist seine wichtigste Verbündete.

Dennoch wird ihm im Frühjahr 1738 eine besondere Ehre zuteil. In den Vauxhall Gardens in London wird eine lebensgroße Mamorstatue von Louis Francois aufgestellt. Sie zeigt Händel als Orpheus. Heute zu sehen im Vicoria and Albert Museum in London.

1740-1753

Händel ist eine Kämpfernatur. Er wendet sich ab 1740 dem Oratorium zu. Am 23. März 1742 findet die erste Londoner Aufführung des "Messias" (HWV 56) im Covent Garden Theatre statt. Daraus wird ein Standardwerk der überall blühenden Chorvereine.

Außerdem tritt er wieder mehr als Organist in Erscheinung und verblüfft durch seine Improvisationskünste.

1743 entsteht das Dettinger Te Deum zur Feier des Sieges König Georgs II. über die Franzosen, zum Aachener Frieden 1748 komponiert er die Feuerwerksmusik.

In einer Aufführung des "Messias" in der Kapelle des Foundling Hospital am 15. Mai 1750 erhebt sich das Publikum während des Hallelujah-Chores erstmalig von den Sitzen.

Händel erleidet in diesen Jahren vermutlich einen weiteren Schlaganfall, zudem können auch drei Augenoperationen seine Erblindung nicht aufhalten. Davon zeugt auch eine Eintragung auf der Handschrift seines Oratoriums "Jephta" 1751.

Am 1. Mai 1753 wird der "Messias" letztmalig unter Händels Leitung und wieder zugunsten des Foundling Hospital aufgeführt.

1759

Am Morgen des 14. April 1759 stirbt Händel. Er wird am 20. April wie in seinem Testament gewünscht in der Westminster Abbey in London beigesetzt. Eine hohe Ehre. 3.000 Menschen nehmen am Trauerzug teil.

Er hinterlässt ein Riesenerbe von 20.000 Pfund Sterling, heute etwa sechs Millionen Euro, das seine Nichte Johanna Friederike antritt.

John Mainwaring verfasst bereits 1760 die erste Händel-Biografie - die erste Biografie eines Komponisten überhaupt. Sie erscheint anonym unter dem Titel "Memoirs of the Life of the Late George Frederic Handel".

Drei Jahre später - am 15. Mai 1762 - wird das von Louis Francois Roubiliac gestaltete Grabdenkmal für Händel in der Westminster Abbey aufgestellt.

Über dieses Thema berichtet der MDR auch im ProgrammIm Fernsehen:
SACHSEN-ANHALT HEUTE | 26.05.2017 | 19:00 Uhr

Geschichte Mitteldeutschlands | 16.09.2008 | 21:00 Uhr

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