1897: Dirigent Nikisch feiert internationale Auftritte Arthur Nikisch

(1855-1922)

Der am 12. Oktober 1855 im ungarischen Lebenyi Szent Miklos geborene Arthur Nikisch besuchte zunächst das Wiener Konservatorium. Bevor ihn Angelo Neumann 1878 als zweiten Kapellmeister für das Leipziger Stadttheater engagierte, spielte er im Wiener Hoforchester die Violine.
1882 zum ersten Kapellmeister in Leipzig ernannt, ging der 34-Jährige bereits 1889 als Nachfolger Gerikes nach Boston. Vier Jahre darauf folgte Nikisch dem Ruf als erster Kapellmeister und Operndirektor nach Budapest, um 1895 unter glänzenden Bedingungen als Gewandhauskapellmeister und Nachfolger Reineckes nach Leipzig zurückzukehren.

Mit Nikisch kamen völlig neue und schwungvolle Töne in das neu gebaute Gewandhaus am Augustusplatz. Er gab dem ins Provinzielle abgesunkenen Orchester sehr schnell wieder internationales Format. Bei neuen Werken übte er nur die schwierigen Stellen in langsamem Tempo, der Probendrill, der unter Reinecke geherrscht hatte, schwand zugunsten einer erhöhten Konzentration während der Aufführungen. Nikisch galt als genialer Improvisator mit einer beredsamen, aber beherrschten Zeichengebung. Tschaikowsky schrieb: "Seine Taktik gipfelte darin, jeden glauben zu machen, daß er bei seiner ursprünglichen Intention bleibe, während er sich in Wirklichkeit der Auffassung des Dirigenten unterordnete."

Neben seiner Leipziger Dirigententätigkeit wirkte Nikisch auch als ständiger Gastdirigent in Berlin, Hamburg und St. Petersburg. Seit 1897 unternahm er mehrmals mit hervorragendem Erfolg große Konzertreisen mit dem gesamten Berliner Philharmonischen Orchester. Nikisch war damit der erste große Dirigent, der in den Metropolen Europas und in den USA regelmäßig am Dirigentenpult erschien.

Zwischen 1902 und 1907 fungierte Nikisch sowohl als Studiendirektor am Konservatorium in Leipzig als auch in den Jahren 1905/06 als Direktor des Stadttheaters. Der kleine, elegante Mann mit seinen ungewöhnlich ruhigen Bewegungen, der allein mit seinem suggestiven Blick die Musiker zu inspirieren schien, zeichnete sich durch eine unübertroffene Sinnlichkeit, Farbigkeit, Geschmeidigkeit seiner Interpretation aus. Er war daher prädestiniert für alles mehr oder weniger echt Slawische, wie Tschaikowsky, aber auch ein hervorragender Ausdeuter Bruckners. Außerdem rehabilitierte der romantische Dirigent das "Dreigestirn" Berlioz, Liszt und Wagner schon als Leipziger Theaterdirigent und machte es sich auch als Kapellmeister zur Aufgabe, zeitgenössische Musik, wie die von Pfitzner, Debussy, Schönberg und Mahler, bekannt zu machen.

Jede Spielzeit stellte er unter ein Programm-Motto und konnte so auch unbekannte, aber thematisch geeignete Stücke in das Programm aufnehmen. Vor allem die erste Aufführung der 7. Bruckner-Sinfonie in Deutschland am 30. Dezember 1884 galt als mutige Pioniertat. Im Vorfeld gab es viele Anfeindungen aus dem Leipziger "Brahms-Lager", die den noch unbekannten Bruckner verhöhnten. Der 15-minütige Beifall nach der Aufführung gab Nikisch recht und verhalf Bruckner zu großem Erfolg als Komponist.

1920 verlieh man dem 65-jährigen Nikisch die Ehrendoktorwürde der Universität Leipzig. Am 23. Januar 1922 starb Arthur Nikisch, der fast vier Jahrzehnte lang das musikalische Geschehen der Stadt geprägt hatte 67-jährig an einer Grippe. Sein Nachfolger, Wilhelm Furtwängler, dirigierte das Trauerkonzert des Gewandhauses für seinen großen Kapellmeister.