Chronologie Canaletto: Daten, Orte, Ereignisse

Während August II. vor allem die Stadt umbaut und Kunstschätze anhäuft, will August III. die barocke Metropole im Bild verewigt sehen. Wie aber kam man am sächsischen Hofe auf Canaletto? Mehr über den Aufstieg und Fall eines Künstlers im Wandel der Zeiten - gefeiert am barocken Hof und eher belächelt im beginnenden Klassizismus und vom neuen Bürgertum - erfahren Sie in der Chronologie.

Ab 1694: Dresdens Wandel unter August dem Starken

Dresden: Als Friedrich August I., genannt August der Starke, 1694 neuer Kurfürst von Sachsen wird, beginnt eine prachtvolle Ära, später das Augusteische Zeitalter genannt. Denn unter seiner Herrschaft vollzieht sich in Dresden ein großer Wandel: Kurfürst Friedrich August I. macht Dresden zum "Elbflorenz".  Er lässt die ganze Stadt umbauen, lädt zu prunkvollen Festen und holt sich Künstler aus aller Welt nach Dresden. Doch die ganzen Prachtbauten, Kunstschätze und der Glamour des Hofes verschlingen Unsummen von Geld und stehen im Widerspruch zum Leben des einfachen Volkes.

August III., der Sohn August des Starken, wird mit seiner Ernennung zum Kurfürsten 1733 Dresden ganz im Sinne des Vaters weiter regieren.  Die Veduten, also Stadtansichten, des venezianischen Künstlers Canaletto spiegeln genau dieses prächtige und zugleich widersprüchliche Leben in der Barockstadt Dresden wieder und liefern zugleich ein Abbild der damaligen Gesellschaft.

13.08.1700: Graf von Brühl in Gangloffsömmern geboren

Gangloffsömmern (Landkreis Sömmerda): Am 13. August 1700 wird Heinrich von Brühl im thüringischen Gangloffsömmern als Sohn eines Oberhofmarschalls am Hof der verwitweten Herzogin Eleonore von Sachsen-Weißenfels geboren. Auf Empfehlung der Herzogin gelangt er an im Alter von 19 Jahren an den kursächsischen Hof zu Dresden und wird zu einem der engsten Vertrauten von Kurfürst Friedrich August I. Er überhäuft Heinrich von Brühl mit Ämtern und Zuwendungen.

Ein Jahr vor Canalettos Ankunft in Dresden steigt Brühl zum Premierminister auf und damit zu einem der mächtigsten Männer des Landes. Nach heutigen Maßstäben agiert er auch als Finanz- und Kulturminister. Als Kunstliebhaber organisiert er zahlreiche Ausstellungen. Als Hofmaler muss Canaletto von jeder seiner Veduten eine Kopie für Brühl anfertigen. Dessen imposante Wohnanlage mit Palais, Bibliothek, Galerie und Garten stand einst am Ufer der Elbe auf der noch heute nach ihm benannten Brühlschen Terrasse.

14.02.1712: Christian Ludwig von Hagedorn in Hamburg geboren

Hamburg: Am 14. Februar 1712 wird der spätere Kunstgelehrte und Kunstsammler Christian Ludwig von Hagedorn in Hamburg geboren. Nach dem Jura-Studium in Jena kommt er in diplomatischer Mission für August III. an zahlreiche Höfe, seine Leidenschaft gilt jedoch der Kunst.

Als Direktor der 1764 gegründeten Kunstakademie in Dresden hat er erstmals mit dem venezianischen Maler Canaletto zu tun und wird zu dessen Widersacher. Seiner Meinung nach zieren Canalettos Malereien zu Recht Landschlösser, aber nicht eine Akademie.

30.01.1720: Bernardo Bellotto in Venedig geboren

Venedig: Bernardo Belotto wird 1720 als Sohn eines Gutsverwalters in Venedig geboren - jener einzigartigen Lagunenstadt, in der der Karneval schon mal sechs Monate dauern kann und die im 18. Jahrhundert ein beliebter Aufenthaltsort für die Söhne der Reichen und Mächtigen ist.

Die Metropole hat sich auf die Besucher eingestellt, eine Fremdenindustrie entwickelt. Auch Bernardos Onkel, Giovanni Antonio Canal, der sich als erster Canaletto nennt, lebt von den Touristen. Er ist einer der berühmtesten Maler von Stadtansichten Venedigs, so genannter Veduten. Die Gemälde sind beliebte Souvenirs ausländischer Besucher. Bernardo wird bereits als 15-Jähriger der einzige Schüler seines Onkels. Von ihm übernimmt er auch den Beinamen Canaletto, was später vermehrt zur Verwirrung und Verwechslung der beiden Personen führt.

1742-1746: Canalettos Italienreisen 

Italien: Im Alter von 22 Jahren unternimmt Canaletto seine ersten Kunstreisen durch Italiens Landschaften. Hierbei entstehen erste von ihm gemalte Stadtveduten. So wirkt er in Rom, Florenz und Lucca. Anhand der noch heute zum Teil überlieferten Gemälde sind seine verschiedenen Reiseziele nachweisbar. So ist er 1744 in der Lombardei für den Grafen Simonetta tätig. 1745 malt er am königlichen Hof in Turin für Carl Emanuel III. von Sardinien.  Auch die nordöstlich gelegenen Städte Padua und Verona wählt Canaletto als Motiv für seine Werke aus. Auf diesen Zeichnungen ist erstmals die Signatur des Künstlers zu erkennen.  

Canalettos Onkel Giovanni Antonio Canal bekommt 1746 eine Einladung vom dem englischen Konsul - der Maler soll auf der britischen Halbinsel neue Kunstwerke kreieren. Die Werkstatt in Venedig überlässt er seinem Neffen, der fortan den Betrieb selbständig führt. Noch Ende desselben Jahres erreicht den jungen Maler eine Einladung von August III. aus Dresden. Der sächsische Kurfürst und König von Polen möchte den Künstler an seinem Hof als Maler engagieren.