Sensationelle Entdeckung

Im August 2011 machen die Archäologen eine sensationelle Entdeckung. Anhand historischer Quellen aus dem 17. und 18. Jahrhundert stoßen sie auf dem Schlachtfeld bei Lützen auf ein Massengrab. Dutzende Tote sind darin eng beieinander liegend in mehreren Schichten bestattet. Die Knochen lagern in bis zu einem Meter Tiefe, die Grabstätte nimmt eine Fläche von etwa sechs mal sieben Metern ein. Im November 2011 wird der Fund von einer Spezialfirma geborgen.

In zwei großen Blöcken wird die 50 Tonnen schwere Fracht zur näheren Untersuchung nach Halle gebracht. Im Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie macht sich ein sechsköpfiges Expertenteam daran, die menschlichen Überreste in den folgenden zwölf Monaten freizulegen.

Geplündert und verscharrt? - Die Spuren aus der Vergangenheit

Dabei stellen die Forscher fest, dass die Toten ohne Kleidung, Waffen und persönliche Gegenstände bestattet wurden. Die Archäologen gehen davon aus, dass sie vor der Beerdigung noch ihrer Habseligkeiten beraubt worden sind. Vielleicht durch Plünderer aus dem nahen Lützen. Damit fehlen wichtige Spuren. Doch Projektleiterin Susanne Friederich erklärt, "mit Hilfe anthropologischer Methoden" könnten Erkenntnisse über "Alter, Verwundung und Todesursache" der Opfer gewonnen werden. Deren Schädel werden mit einem Tomographen durchleuchtet, um festzustellen, was sie tödlich verletzte: ein runder oder ein spitzer Gegenstand, eine Kugel aus der Ferne oder eine Stichwaffe im Nahkampf ...

Darüber hinaus kann eine sogenannte Isotopenanalyse helfen, die geografische Herkunft der Menschen zu klären, die auf dem Schlachtfeld bei Lützen blieben. Denn: Wo ein Gefallener seine ersten Lebensjahre verbracht hat, das lässt sich an seinen Zähnen feststellen. Die Nahrung in der Kindheit hinterlässt bestimmte biochemische Spuren im Zahnschmelz, die darin für den Rest des Lebens erhalten bleiben. Historisch belegt ist, dass in Lützen neben Deutschen und Schweden auch Finnen und Schotten kämpften.

Geschichte als mühsames Puzzle

Wie Puzzleteile fügen die Archäologen des Schlachtfeldes ihre Erkenntnisse zusammen: "Das ist natürlich auch eins der Ziele, sagt Grabungsleiter Olaf Schröder, die Geschichte dieser Menschen zu erzählen. Von ihrer Geburt bis hin zu ihrem gewaltsamen Tod."

In den zwölf Monaten der Bergung des Massengrabes von Lützen kommen die Archäologen u.a. zu dem Schluss, dass die 47 Opfer im Nahkampf gefallen sind. Darauf weisen ihre Verwundungen durch kleinere Schusswaffen, Pistolen oder Karabiner, hin. Möglich, so nimmt Grabungsleiter Olaf Schröder an, dass sie in einem Gefecht zwischen Reitern und Fußtruppen starben. Wer von ihnen für Gustav Adolf oder als Söldner für Wallenstein kämpfte, konnten die Forscher bislang nicht klären.

PS: Wie Gustav Adolf fiel ...

Dafür rekonstruierten die Archäologen nun genauer, wie der Schwedenkönig in der Schlacht bei Lützen ums Leben kam. Und das erstaunlich konkret:

So ließ sich archäologisch belegen, dass die Flügel der Armee Wallensteins bei Beginn der Schlacht um 45 Grad nach hinten abgewinkelt waren. Auch ließ sich die Lücke im Zentrum des schwedischen Angriffs nachweisen, die durch die Bewegung der schwedischen Kavallerie nach außen verursacht worden war.

Ihr folgte die Infanterie Gustav II. Adolfs, so dass die gegnerische, kaiserliche Kavalleriereserve in die entstehende Lücke stoßen und die schwedische Infanterie von der Flanke angreifen konnte - mit verheerenden Folgen. 1.300 schwedische Soldaten verloren ihr Leben und mit ihnen ihr König: Gustav II. Adolf kam seiner Infanterie zur Hilfe, geriet in die vorderste Kampflinie, wurde im dichten Nebel von einer Kugel in den linken Arm getroffen, im Nahkampf verwundet und nach einem Sturz vom Pferd von einem kaiserlichen Reiter durch Kopfschuss getötet.

Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt

Ein Fund in Lützen "Dazu gehört insbesondere die Darstellung eines Löwenkopfes aus Kupfer, in dessen Maul sich eine Schlange windet, ein Stück von propagandistischem Aussagegehalt, wurde doch Gustav II. Adolf entsprechend einer protestantischen Prophezeiung aus dem 16. Jahrhundert, die einen 'Löwen aus Mitternacht', aus dem Norden also, ankündigte, als Löwe, seine katholischen Feinde aber als Schlangen dargestellt.

Zudem wurde das Stück nahe jener Stelle des Schlachtfeldes entdeckt, an der der König vermutlich seinen Tod fand.

Finder war der schwedische Schlachtfeldarchäologe Dr. Bo Knarrström, der das Team Schlachtfeldarchäologie am Swedish National Heritage Board in Lund leitet und ebenso wie Timothy Sutherland MSc BSc (Bradford/Glasgow, UK), Dr. Glenn Foard (Huddersfield, UK) und Dr. Tony Pollard (Glasgow, UK) dem internationalen Spezialistenteam angehört, das an der Erforschung des Lützener Schlachtfeldes beteiligt ist und in regelmäßigen Abständen zum Austausch über methodische Fragen und Ansätze in Lützen zusammenkommt." (Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt)

Stichwort: Schlachtfeld-Archäologie Da sich die meisten Fundstücke auf dem Schlachtfeld relativ nah an der Oberfläche befinden, können sie mit Hilfe von Metalldetektoren erkannt und ausgegraben werden. Wissenschaftler - Archäologen, Bodenkundler, Anthropologen, Chemiker, Historiker - können so mit vereinten Kräften mehr zum Verlauf einer Schlacht rekonstruieren.

Die Erkundung des Schlachtfeldes bei Lützen erfolgt durch ein internationales Team von Archäologen, auch aus Schweden und Schottland, in Kooperation mit der Stadt Lützen und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Finanzielle Unterstützung leistet die Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft mbH (MIBRAG).