Einblick in das Erleben der deutschen Wiedervereinigung Die "Generation Wende" der Sächsischen Längsschnittstudie

Thomas Tschirner ist einer der Studienteilnehmer  Jugendliebe Sylke im Jahr 1991.
Thomas Tschirner ist einer der Studienteilnehmer Bildrechte: Hoferichter&Jacobs GmbH

Seit 25 Jahren begleitet eine einzigartige Studie Hunderte Ostdeutsche der Geburtsjahrgänge 1972/73 auf ihrem Lebensweg ins wiedervereinte Deutschland. Etwa 1.400 Schüler aus achten Klassen wurden im Herbst 1987 gebeten, in einem mehrseitigen Fragebogen Auskunft über ihre schulischen Leistungen, Zukunftserwartungen und ihre Meinung zur DDR zu geben. Insgesamt 72 Schulklassen aus den damaligen DDR-Bezirken Leipzig und Karl-Marx-Stadt beteiligten sich, die Auswahl erfolgte nach dem Zufallsprinzip.

Initiiert und betreut wurde die Studie vom Leipziger Zentralinstitut für Jugendforschung der DDR. Einmal im Jahr sollten die Teilnehmer künftig in ähnlicher Weise befragt werden, um langfristig Veränderungen von schulischen Leistungen, Lernmotivationen, Zukunftswünschen und politischen Einstellungen analysieren zu können. Dass die DDR schon drei Jahre später nicht mehr existieren würde, ahnte damals niemand.

Studie mit den Universitäten Leipzig und Dresden fortgesetzt

Als das Zentralinstitut für Jugendforschung 1990 aufgelöst wurde, gelang es dem Leiter der Studie, Professor Dr. Peter Förster, die  Befragungen zunächst privat und später mit Hilfe von Fördergeldern weiterzuführen. Seit 2002 wird die Studie in enger Kooperation mit den Universitäten Leipzig und Dresden durchgeführt.

Bis heute füllen Jahr für Jahr durchschnittlich 400 Teilnehmer die immer umfangreicher werdenden Fragebögen aus. Hinzugekommen sind seit 1990 Themen wie Arbeitslosigkeit, Abwanderung, Partnerschaft, Familiengründung, Lebensziele, Wertvorstellungen, Gesundheit. Stets wurden die Ergebnisse der mittlerweile 26 Befragungswellen wissenschaftlich ausgewertet und dokumentiert. Damit zählt die Sächsische Längsschnittstudie zu den weltweit an längsten andauernden sozialwissenschaftlichen Erhebungen und ermöglicht einen einmaligen Einblick in das Erleben der letzten Jahre der DDR, der Vereinigung und schließlich des Zusammenwachsens der beiden deutschen Staaten.