Glaubwürdig | MDR FERNSEHEN | 15.12.2018 | 18:45 Uhr Warum Christina Schmole Hebamme wurde

Auf den Wunsch, Hebamme zu werden, kam Christina Schmole nach dem Abitur in Malawi. In dem afrikanischen Land arbeitete sie auch auf einer Geburtsstation und erlebte die große Not. Seitdem sammelt sie Spenden in ihrer Heimat in der Lausitz, die auch in eine Intensivstation für Neugeborene fließen sollen.

Christina Schmole
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Christina Schmole hat gerade ihr erstes Kind bekommen. Jetzt kann die Hebamme aus eigener Erfahrung mitreden, wenn es um Sodbrennen und Übelkeit geht, um Rückenschmerzen und Rückbildungsgymnastik. Jetzt weiß die 25-Jährige, die in einer Dresdner Klinik im Kreißsaal arbeitet, wie langwierig und auch schmerzhaft eine Entbindung sein kann.

Letztendlich weiß man es vorher ja trotzdem nicht, wie es ist, das erste Kind zu bekommen. Auch wenn man Hebamme ist und schon bei 100 Geburten geholfen hat. Wenn das Kind einfach so rausgefallen wäre, dann würde ich wahrscheinlich jetzt noch denken: 'Ach, was stellen die sich so an. Aber jetzt sehe ich das schon ein bisschen anders.

Christina Schmole
Christina Schmole
Christina Schmole als Hebamme in Malawi Bildrechte: Christina Schmole

Auf die Idee, Hebamme zu werden, kam die junge Frau, als sie nach dem Abitur ein Jahr in Malawi verbrachte. Sie half in einer Grundschule, in einem Waisenprojekt und schließlich auf einer Geburtsstation. Das Kinderkriegen sei dort - anders als in Deutschland - kein "Ereignis", es werde wenig Aufhebens darum gemacht: "In Malawi müssen die Frauen nach 15 Minuten aufstehen, duschen und dann das Gepäck nehmen und auf die Wochenstation gehen." Wochenstation heißt: "Ein großer Raum,  wo die Frau eine Nacht bleibt und dann nach Hause geht. Diejenigen, die in der Umgebung wohnen, die laufen oder fahren mit dem Fahrradtaxi nach Hause." Was erst mal vielleicht nur entspannt bis spartanisch klingt, ist Ausdruck tiefster Armut. Malawi gehört zu den ärmsten Ländern der Welt und steht auf Platz 10 der Nationen mit der höchsten Säuglingssterblichkeit. Auch Christina Schmole erlebt, was das heißt:

Bei manchen Frühgeburten, die bei uns auf der Kinderintensivstation versorgt worden wären, für die gab es nur das Nötigste. Entweder sie haben es überlebt oder nicht. Das hat mich schon wütend gemacht.

Christina Schmole

Was tun gegen die Ungerechtigkeit in der Welt

Christina Schmole
Malawi steht bei der Säuglingssterblichkeit auf Platz 10 Bildrechte: Christina Schmole

Diese Ungerechtigkeit in der Welt, das der eine überlebt, der andere aus Armut nicht, kann Christina nur schwer ertragen. Umso mehr bewundert die Katholikin die Lebensfreude, mit der die Menschen, die sie in Malawi erlebte, ihren Glauben feiern. Die Gottesdienste und auch die Taufen sind so ganz anders als in ihrer Lausitzer Heimat. Auch die Formen der Dankbarkeit sind ungewöhnlich. Christina hat jetzt einige Namensvetterinnen mehr in Afrika und erzählt lachend:

Ich musste die Frauen irgendwann einbremsen und sagen, dass nicht jedes Kind Christina heißen kann.

Christina Schmole
Christina Schmole
Bald soll es eine Intensivstation für Neugeborene geben, auch dank der Spenden, die sie weiter für Malawi sammelt. Bildrechte: Glaubwürdig / MDR FERNSEHEN

Nach ihrem Hebammenexamen sammelte Christina Schmole Überstunden und jede Menge Spenden, 2017 reiste sie für zwei weitere Monate nach Malawi, um dort als Hebamme zu arbeiten. Inzwischen spricht sie schon ziemlich gut die Landessprache Chichewa. Der nächste Einsatz in Afrika muss noch warten - die Familie hat Vorrang. Zum ersten Mal feiert sie Advent mit Mann und Kind. Doch auch von zu Hause aus kann die junge Frau helfen. Sie sammelt in der Lausitz Spenden - eine hohe fünfstellige Summe geht bereits auf ihr Engagement zurück. Und sie weiß genau, wo das Geld hingeht: "Im Krankenhaus wird gerade an einer neuen Intensivstation für Neugeborene gebaut, das heißt, dass da auch wirklich extra Personal zur Verfügung steht und die ganzen Umbauten gemacht werden können. Dafür wird es verwendet dort."

Die Hebamme ahnt inzwischen, wie es Maria und ihrem Neugeborenen vor 2000 Jahren erging. Um so mehr schätzt sie das, was sie hat:

Wir sind jeden Tag froh, dass er gesund ist, dass wir gesund sind und alles so unkompliziert läuft.

Christina Schmole

Zuletzt aktualisiert: 12. Dezember 2018, 15:38 Uhr