Glaubwürdig | 23.07.2022 Aus Versehen in die DDR und heute glücklich in Leipzig: Kulturmanagerin Eucaris Guillen

Dass Eucaris Guillen 1987 aus Panama in die DDR kam und Drucktechnik studierte, war zunächst ein eher unglücklicher Zufall. Heute lebt sie als Eventmanagerin in Leipzig und gibt Workshops, die Kinder stark machen sollen. Denn sie glaubt an die Kraft der Kultur.

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Als junge Frau kam Eucaris Guillen aus Panama zum Studium in die DDR nach Leipzig, wo sie heute als Kulturmanagerin arbeitet. Bildrechte: openhouse media

Als Eucaris Guillen 1987 in der DDR landete, fühlte sie sich wie auf einem anderen Stern. Die sozialistischen Lebensverhältnisse waren ihr sehr fremd. Dann kam die Wende und sie blieb in Leipzig, denn das Leben wurde bunter, auch dank der Kultur- und Kreativszene, die sich in den 1990er-Jahren schnell entwickelte. Dort hat Eucaris Guillen seitdem ein reiches Betätigungsfeld gefunden:

Ich bin in der Lage, eine Arbeit zu machen, die mich voll erfüllt. Das macht mich überglücklich, es gibt mir Sinn, es macht mich stolz.

Eucaris Guillen

Eventmanagerin und Kommunikatorin in Leipzig-Plagwitz

Als Eventmanagerin organisiert Eucaris Guillen heute Stadtteilfeste, ein jährliches Lichterfest oder mehrsprachiges Kinder-Kino im Leipziger Stadtteil Plagwitz. In Workshops lässt sie Kinder und Jugendliche ihre kreativen Seiten entdecken. Der Glaube an die Kraft der Kultur ist tief in ihr verankert. Dazu gehören für sie auch Kommunikation und der Umgang miteinander: "Wenn Menschen zusammenkommen und aufeinander achten – selbst in einer flüchtigen Begegnung – kann man gemeinsam Energie weitertragen und viel erreichen."

Installation wider den Rassismus im Clara-Zetkin-Park

Diese Entwicklung hätte Eucaris Guillen wohl nicht für möglich gehalten. Katholisch erzogen und als Tochter eines Vaters mit deutschen Wurzeln kam sie aus ihrer Heimat Panama unerwartet in den sozialistischen Teil Deutschlands, für sie fühlte sich das nicht nach Zukunft an, sondern "wie ein Sprung in die Vergangenheit". Die junge Frau studierte Drucktechnik und Kulturwissenschaften in Leipzig. Dort erlebte sie den Mauerfall, die Wende – und den Rassismus der 1990er-Jahre: "Bis dahin hatte ich mich nie damit befasst, in welcher Haut ich lebe. Das spielte in Panama keine Rolle."

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In einer Schau spürt Eucaris Guillen ihrer Großmutter nach. Bildrechte: openhouse media

Sie blieb trotzdem in Leipzig. Ihren Erfahrungen mit Rassismus, ihren indigenen, afrikanischen, deutschen und spanischen Wurzeln spürt sie mit einer Installation im Clara-Zetkin-Park nach. Eine wichtige Rolle spielt dabei ihre Großmutter Nati, die auf ihre eigene Bildung und die ihrer Kinder bestanden hat: "Meine Oma ist ein Vorbild. Sie hat ihr Schicksal selbst in die Hand genommen hat. Das war mutig und außergewöhnlich für ihre Zeit."

Workshops mit Kindern: Glauben an die eigene Kraft weitergeben

Der Glaube an die eigene Kraft trägt Eucaris Guillen. Mit ihrer Arbeit will sie diesen Glauben an die eigene Kraft an möglichst viele Kinder weitergeben: "Es gibt so viele intelligente, bemerkenswerte Kinder, die keine Möglichkeit haben, eine gute Entwicklung zu erfahren, weil ihnen der Glaube an sich selbst nicht weitergegeben wird." Dafür ersinnnt und organisiert sie Projekte, die die Kreativität benachteiligter Kinder und Jugendlicher herausfordert: "Ich möchte, dass Menschen zusammenkommen, ich möchte, dass Menschen etwas erleben, dass sie etwas mitnehmen, was sie noch lange danach in positiver Weise prägt."

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Glaubwürdig | 23. Juli 2022 | 18:45 Uhr