Glaubwürdig | 23.12.2018 Pflegt den Brauch des Fackelbindens: Andreas Raddatz

Im thüringischen Schweina gibt es zu Heiligabend einen ungewöhnlichen Brauch - das Fackelabbrennen. Dann lodern auf einem Berg 16 riesengroße Fackeln. Hergestellt werden sie von Hand durch eine Bindegemeinschaft, die sich im Advent an die Arbeit machen. So auch Andreas Raddatz und seine Mannen.

In Schweina sieht Weihnachten etwas anders aus als anderswo: Hoch oben auf dem Antoniusberg leuchten acht Meter hohe, brennende Fackeln in die Heilige Nacht. Ein erhebendes Gefühl, sind sich Andreas Raddatz und seine Bindegemeinschaft einig.

Für ihre Fackel gehen die Männer aus dem thüringischen Ort schon Wochen vorher an die Arbeit. Im November schaffen sie Reisig aus den Wäldern herbei und trocknen es. Kurz vor Weihnachten dann wickeln Andreas Raddatz und seine Mannen gemeinsam das Reisig fest um einen Baumstamm - eine von insgesamt 16 Fackeln. Für mehr reicht der Platz auf dem Berg nicht. Die anderen Fackeln kommen von anderen Bindegemeinschaften aus dem Ort - aus der Kunstschule oder von Sportgemeinschaften etwa.

Andreas Raddatz ist seit über 40 Jahren dabei und nicht nur deshalb weiß er viel über den Brauch - er pflegt die Ortschronik und hat allerlei Geschichten und Dokumente parat. Natürlich weiß er auch, woher die Tradition des Fackelbindens kommt: Mit dem heidnischen Feuerbrauch begingen ursprünglich die Schweinehirten von Schweina die Sonnenwendfeier. In den Akten findet sich auch ein Eintrag von 1799, in dem der damalige Ortspfarrer seinem Nachfolger wohlmeinend empfiehlt, das eigentlich heidnische Fackelbrennen lieber nicht zu unterbinden.

Die Christen im Ort - auch Andreas Raddatz gehört zu ihnen - sehen das Spektakel heute nicht als Konkurrenz zum christlichen Fest, sondern als Ergänzung. Zumal das Feuer auch vom Kirchenvorplatz aus gut zu sehen ist und dort vom Posaunenchor samt Glühwein begleitet wird. Für Andreas Raddatz und die Fackelbindegemeinschaften ist der Fackelbrand das Highlight des Jahres - im wahrsten Sinne des Wortes.

Das Fackelabbrennen ist der Brauch, der zu Weihnachten und zum Christfest dazugehört. Und die Stimmung ist einmalig.

Andreas Raddatz

Zuletzt aktualisiert: 03. Januar 2019, 15:12 Uhr