Glaubwürdig | 30.03.2019 Mit Ikonenmalerei zum Göttlichen: Carola Mai

Carola Mai macht es wie einst die Mönche. Sie mischt ihre Farben nach einer 1.000 Jahre alten Rezeptur - für ihre Ikonen. Wochenlang arbeitet sie an nur einer Figur. Dabei findet sie zu sich selbst und fühlt sich Gott ganz nah.

"Wenn ich den Pinsel in der Hand halte und male, dann spüre ich Gott. Das ist himmlisch!", begeistert sich Carola Mai, die Ikonenmalerin. Eine der wenigen, die es in Deutschland noch gibt. Diese Kunst droht in Vergessenheit zu geraten - vielleicht, weil Ikonenmalerei etwas altmodisch und nicht so gut greifbar ist.

Ein Besuch im Kloster verändert ihr Leben

Carola Mai malt an einer Ikone.
Carola Mai malt an einer Ikone. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Unter Carolas Händen nehmen die Heiligen Gestalt an. "Mehr noch, sie schauen uns an", findet die 59-Jährige. Ursprünglich ist sie gelernte Porzellanmalerin und arbeitete bis 2002 in der Manufaktur Meißen. Zur Ikonenmalerei kam die evangelische Christin vor fünf Jahren. Durch Zufall: In einem Zeitungsartikel über die Geschichte der Ikonen wurde auch ein Kurs zum Erlernen der Ikonenmaltechnik in einem österreichischen Kloster angeboten. Dort erfuhr sie auch, dass man ursprünglich von Ikonenschreiben und nicht -malen sprach. Die Schule sei ihr eine wunderbare Erfahrung gewesen und habe ihr Leben verändert. "Ich habe meine Berufung gefunden", sagt Carola.

Man gibt sich ganz dem Bild hin. Ikonen werden immer abgemalt, damit die Botschaft nicht verloren geht.

Carola Mai

Seit Jahren setzt sich Carola nun für die Kunst des Ikonenschreibens ein. Das hat sie ihrem Lehrer, einem Abt aus Österreich, versprochen. Ihre Farben mischt sie nach einer tausend Jahre alten Rezeptur, und an einer Ikone arbeitet sie wochenlang. Ein besonderer Weg zu Gott sind ihr die Ikonen.

Das ist Gebet und Predigt in Farbe.

Carola Mai

Im Kloster Marienstern bei Torgau gibt sie auch Kurse und organisiert Ausstellungen in Sachsen und Brandenburg. Leben kann sie von den Ikonen nicht, und so arbeitet die Künstlerin und Mutter von drei Kindern auch in Meißen als Wandmalerin. Die Erfüllung findet sie aber in der Ikonenmalerei, und die möchte sie betreiben, solange es ihr möglich ist.

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Zuletzt aktualisiert: 01. April 2019, 16:00 Uhr