Schäfer Dieter Schlafke
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Glaubwürdig | 20.04.2019 Der gute Hirte: Dieter Schlafke

Obwohl er bereits über 80 ist, zieht Dieter Schlafke mit seiner Herde immer noch durch die Gegend um Panschwitz-Kuckau. Gelernt hat er nach dem Krieg in Dresden. Vor der Ruine der Frauenkirche wurde er zum Hirten - und zur Berühmtheit.

Schäfer Dieter Schlafke
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dieter Schlafke ist der gute Hirte aus Panschwitz-Kuckau. Obwohl er bereits über 80 ist, zieht er noch immer mit seiner Herde hier durch die Gegend. Er liebt seine Tiere, auch wenn alle den gleichen Namen haben: "Liese - ich kann doch nicht 250 Namen sagen", schmunzelt er.


"Meine Schafe sind mein Leben"

Schäfer Dieter Schlafke
Alle heißen sie Liese. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Seit über 60 Jahren hütet Dieter Schlafke Schafe. Tag für Tag ist er immer draußen. Er findet, er habe einen göttlichen Beruf. Im wahrsten Sinne des Wortes. Der Schäfer, der Hirte und der Ackerbauer stünden schließlich ganz vorn in der Bibel, sagt er. Doch für theologische Exkurse über die Bibel und den Ursprung des Universums hat er dann doch nicht so viel Zeit. Er muss sich um seine Tiere kümmern und meint ganz profan:

Wolle und Fleisch bringen zwar nicht mehr viel ein. Aber die Landschaftspflege, die sie machen, die ist doch wichtig und vor allem ganz ökologisch. Meine Schafe sind mein Leben.

Dieter Schlafke

Hirte vor der Ruine der Frauenkirche

Schäfer Dieter Schlafke
"Überwältigend!" Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Alle Männer in seiner Familie waren oder sind Schäfer. Gelernt hat Dieter Schlafke in Dresden - kurz nach dem Krieg. Am liebsten hütete er damals vor der Frauenkirche, "weil das Gras dort immer so schön saftig war".

So wurde er - ohne sein Wissen - zu einer Art Berühmtheit, ziert doch das Foto mit den Schafen vor der Ruine des Gotteshauses viele historische Bände über Dresden, Sachsen oder die DDR.

Schäfer Dieter Schlafke
Cover vieler historischer Dresden-Bände. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dieter Schlafke braucht das Bild nicht, um sich zu erinnern an diese Zeit und den Ort. Er weiß noch ganz genau, wie er dort Trümmerfrauen und Waisen, Flüchtlinge und Kriegsheimkehrer traf.

So mancher erzählte ihm seine Geschichte. So auch ein bitterlich weinender Mann, der alles verloren hatte, sein Haus und seine Familie.

Ich war plötzlich nicht mehr nur Schäfer, sondern auch ein bisschen Seelsorger, ich habe den Menschen zugehört, das half ihnen.

Dieter Schlafke
Schäfer Dieter Schlafke
Der Hirte - im Glauben verankert. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Lange Jahre war Dieter Schlafke nicht mehr in Dresden, bis seine Enkelin ihn vor einem Jahr einlud. So kehrte er zurück an den Ort, wo früher die Ruine war. Er fühlte sich "überwältigt" von der Pracht und spendete eine Kerze für die Kirche.

Der Glaube hilft dem evangelischen Christen, den Tod zu akzeptieren - und auch private Schicksalsschläge. Seinen Bruder verlor Dieter Schlafke, als der beim Schafehüten vom Blitz getroffen wurde.

Mein Bruder war auf der Stelle tot. Es ist uns unerklärlich. Aber seine Stunde hat eben damals geschlagen. (...) Mir hilft die Natur hier draußen. Und solange ich laufen kann, werde ich wahrscheinlich nicht auf dem Sofa zuhause sitzen.

Dieter Schlafke

Zuletzt aktualisiert: 05. September 2018, 13:33 Uhr