Glaubwürdig | 08.02.2020 Hannah Rotzinger: Baptistin mit sozialem Engagement

Sie studiert Architektur in Weimar und hat ein Patenkind in Bolivien. Das Leben von Hannah Rotzinger änderte sich, als sie einen Freiwilligendienst in einem bolivianischen Kinderheim absolvierte.

Hannah Rotzinger ist 23 und Architekturstudentin in Weimar. Den Entschluss, Architektin zu werden und die Welt mit sozialen Bauprojekten ein Stück besser zu machen, fasste sie bei einem Aufenthalt in Südamerika. Für den Freiwilligendienst "weltwärts" arbeitete sie in Bolivien in einem Kinderheim. Hier lernte sie das entbehrungsreiche Leben vieler Kinder aus sozial schwachen Familien, von Waisen und Straßenkindern kennen. Sie sah Armut, Gewalt und Verwahrlosung, aber auch unbändige Lebensfreude und Mut. Der Freiwilligendienst in Bolivien hat Hannahs Leben verändert und sie in ihrem Glauben bestärkt.

Nach Bolivien hatte ich so eine konkrete Vorstellung, dass ich gerne in der Entwicklungsarbeit mitwirken würde als Architektin, dass ich gerne mit bolivianischen oder auch südamerikanischen Architekten zusammen Sachen entwickeln würde.

Hannah

Die Erfahrungen, die der Aufenthalt in Bolivien mit sich brachte, öffneten ihr die Augen für "den Luxus, in dem wir alle hier in Deutschland leben", sagt sie. Materielle Werte spielten in ihrem Leben ohnehin keine große Rolle. Taten zählen. So hat Hannah eine Patenschaft für ein Mädchen aus dem Heim übernommen, um das sie sich schon während des Freiwilligendienstes besonders kümmerte. Jeden Monat schickt Hannah der kleinen Marina nun Geld und Briefe, skypt und packt Päckchen für sie.

Vier Kinder und eine Frau stehen lächelnd vor einer Häuserwand.
Hannah mit ihrem Patenkind Marina (Mitte) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Sie hat einfach einen sehr besonderen Charakter. Obwohl sie manchmal so schwierig ist, hat sie ein sehr großes Herz. Ich konnte es auch nachvollziehen, ihre Art, dass sie sich immer bewegen musste und dass sie irgendwie so aufgedreht und hibbelig war. Ich kenne das auch von mir, als ich kleiner war. Und - ich weiß gar nicht, wie ich das sagen soll - ich hab sie einfach richtig ins Herz geschlossen.

Hannah

Hannah ist Baptistin. Sie hat ihre ganz eigene Sicht auf Glauben und Religion.

Der größte Unterschied für mich zwischen Glaube und Religion ist, dass der Glaube für mich etwas ganz Persönliches ist, was aus dem Herzen kommt. Für mich stehen nicht so Traditionen oder Bräuche im Vordergrund oder die Kirchengemeinschaft. Gott ist für mich in allem. Gott ist in den Bäumen, in der Sonne, die lacht, in dem Wasser, was aufbrausend oder ruhig sein kann. Das wurde auch so ein bisschen vielleicht geprägt durch die traditionelle bolivianische Religion. Sie glauben ja an die Pachamama, die Mutter Erde. Und für mich gab es gar keinen Widerspruch zu meinem Glauben, weil ich auch glaube, dass Gott in der Natur sehr stark zum Ausdruck kommt und sich dadurch auch sehr stark den Menschen mitteilen kann.

Hannah