Glaubwürdig | 05.01.2019 Lilian Mosquera - Eine Kolumbianerin in Leipzig

Es gab eigentlich keinen Grund, aus ihrer Heimat wegzugehen. Aber die Liebe eines deutschen Weltenbummlers veränderte das Leben der Kolumbianerin Lilian Mosquera gründlich. In ihrer Kindheit katholisch geprägt, fand die Tänzerin ausgerechnet in Deutschland zu ihren indianischen Wurzeln zurück.

Lilian Mosquera ist in Kolumbien groß geworden, in Bogota. Dort hat sie Sport studiert und Tanz.

Lilian Mosquera im Glaubwürdig-Porträt.
Lilian Mosquera beim Tanz-Training Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ohne Bewegung kann sie nicht leben, sagt sie. Ihre Leidenschaft vermittelt sie heute ihren Schülern in Leipzig. In die Stadt kam sie vor 14 Jahren - der Liebe wegen.

Ausgerechnet in Deutschland fand sie, die in ihrer Heimat katholisch geprägt aufwuchs, zu ihren auch indianischen Wurzeln.

Wir sind Mestizen, eine Mischung aus ganz verschiedenen Kulturen, aus der indianischen und der europäischen, die zu uns nach Kolumbien gekommen ist.

Lilian Mosquera

Zurück zu den Wurzeln

Ihr Mann Steffen, der sich schon seit langem für indianische Kulturen interessiert, ermunterte seine Frau, sich mit indianischen Bräuchen und der Glaubenswelt ihrer Vorfahren zu befassen.

Das hat mich spirituell zurück gebracht auf die Mutter Erde, auf die Wurzeln. Das hat mir ganz viel Stabilität gegeben.

Lilian Mosquera

Inzwischen ist die ganze Familie mit im Boot. Ihre standesamtliche Trauung besiegelten Lilian und Steffen mit einer indianischen Zeremonie:

Wir saßen nebeneinander und der Schamane nahm unsere Hände und band sie zusammen, nach jedem Teil der Zeremonie ein bisschen enger, so dass wir dann am Ende sozusagen eins waren, jeder hatte jeweils nur noch die rechte bzw. die linke Hand frei.

Steffen Kluge

Söhne der Sonne und Tabakopfer

Lilian Mosquera im Glaubwürdig-Porträt.
Familie Kluge-Mosquera bereitet das kolumbianische Gericht "Tamalis" zu. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die zwei Söhne wurden nach indianischem Ritus getauft. So bekamen Hugo und Karl zu ihren deutschen Namen noch indianische dazu: Sua, was so viel heißt wie Sohn der Sonne und Mox, was zweiter Sohn der Sonne bedeutet. Die Familie hat auch ein Symbol für sich gefunden: Ein stilisierter Frosch, der für Fruchtbarkeit stehen soll. Die indianische Glaubensrichtung ist eine Naturreligion. So opfert Lilian Mosquera bei ihren Spaziergängen durch den Leipziger Auewald manchmal Tabak, denn der ist eine heilige Pflanze:

Lilian Mosquera im Glaubwürdig-Porträt.
Tabakopfer im Auewald Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Tabak für die vier Himmelsrichtungen, für den Vater Himmel und die Mutter Erde. Ein Baum hat die Wurzeln und die verbinden ihn mit der Erde. Und er wächst nach oben, dort verbindet er sich mit der Luft, mit dem Himmel und bringt beides zusammen, die Verbindung von oben und unten

Lilian Mosquera

Zuletzt aktualisiert: 15. Januar 2019, 11:34 Uhr