Magdalena Stenzel
Bildrechte: MDR/Elke Thiele

Glaubwürdig | 01.12.2018 Weihnachtliches Singen mit Gebärden: Magdalena Stenzel

Auf dem Dresdner Striezelmarkt lässt Magdalena Stenzel ihre Hände singen. Mit dieser Aktion werben Gehörlose und Hörende für die Gebärdensprache - denn diese Sprache verbindet.

Magdalena Stenzel
Bildrechte: MDR/Elke Thiele

Wenn auf dem Striezelmarkt in Dresden Hände singen, dann ist das kein Unterhaltungsprogramm für die Weihnachtsmarktbesucher, sondern eine Aktion für die Akzeptanz der Gebärdensprache. Mit dabei ist Magdalena Stenzel, ihr fünfjähriger Sohn ist gehörlos. Er trägt zwar ein Cochlea-Implantat - eine Hörprothese - aber das reicht bei ihm nicht aus, um Sprache gut zu verstehen. Er braucht  zusätzlich die Gebärdensprache.

Weihnachten geht auch in Gebärdensprache, und das wollen wir ein bisschen so unter die Leute bringen. Gebärdensprache muss man nicht verstecken.

Magdalena Stenzel

Magdalena Stenzel musste erfahren, dass Ämter und Mediziner der Gebärdensprache für ihren Sohn ablehnend gegenüber stehen - der Unterricht kostet zusätzlich Geld und die Familie solle doch lieber alle Energie für die gesprochene Sprache einsetzen. So würde der Junge mit Hörenden besser Zurecht kommen und die Hörenden mit ihm. Aber Magdalena Stenzel nimmt es nicht hin, dass ihr Sohn zu wenig von der Welt versteht und Defizite bleiben. Sie setzt sich vehement für die Akzeptanz der Gebärdensprache in der Gesellschaft ein.

Magdalena Stenzel
Gemeinsam Weihnachtslieder singen in Gebärdensprache Bildrechte: MDR/Matthias Biltz

Das war auch der Gedanke: Wenn wir dem Kind das gewähren, dann wollen es die anderen auch. Und das sind Kosten, die können wir nicht überblicken. Die Gehörlosen werden auf einmal so teuer, weil sie ihre Rechte einfordern. Das ist ein Problem für die Kostenträger.

Magdalena Stenzel

Als ein Pfarrer im Gottesdienst für ihren Sohn gebärdet, war das ein Schlüsselerlebnis. Der Junge folgte mit großen Augen. Magdalena Stenzel hofft, dass die Barrieren für Gehörlose mehr und mehr fallen - so wie beim Weihnachtsliedersingen auf dem Striezelmarkt.

Ich denke, es gehören nicht nur Aufzüge und abgesenkte Bordsteine zu Barrierefreiheit. Barrierefreiheit heißt eben auch, Gebärdensprache anzubieten.

Magdalena Stenzel