Glaubwürdig | 25.12.2018 Rolf Steinbach - Der Männelmacher

Schnitzer Rolf Steinbach gehört zu den fleißigsten Volkskünstlern im Land. Obwohl: Holzschnitzer oder gar Künstler will er nicht genannt werden. Das klingt dem 74-Jährigen zu fein: "Ich bin Männelmacher. Ganz einfach, schlicht und einfach ein Männelmacher", sagt er und stapelt damit tief.

An der Weihnachtskrippe in seinem Garten arbeitet Rolf Steinbach schon seit drei Jahren. Ihn drängt ja keiner. Er lässt dabei die Seele baumeln, sagt er und dann gestaltet er, so wie er möchte, ohne Auftrag, "ohne irgendwelches: Du musst, du musst. Nein! Nur spielen, mit Männeln spielen und Geschichten erzählen", das möchte der gelernte Gärtner, der in einem abgelegenen Waldstück bei Dresden wohnt.

Glaubwürdig: Rolf Steinbach
Ab und an besuchen ihn die Kita-Kinder, sie dürfen sogar durch die Krippe gehen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wer vorbeikommt, der darf mitspielen, so wie die Kindergartenkinder von nebenab, die seit Wochen ein Adventsstück proben. Bei ihm im Garten könnte sie die Weihnachtsgeschichte in Augenschein nehmen - seine Krippe gibt Steinbach sogar zum Versteck spielen frei. Kinder dürfen bei ihm fast alles.

Vom der Krippe zur Kirchenburg: Der Glaube als Ruhepol

Glaubwürdig: Rolf Steinbach
Kirche als Burg? Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Überhaupt ist Steinbach einer, der mit Menschen aller Couleur ins Gespräch kommen möchte. Dafür provoziert er auch gern. Mit Mitte 30 begann er mit dem Schnitzen, damals aus Spaß. Heute haben viele seiner Werke einen ernsten Hintergrund. So gibt es abgesehen von der XXL-Krippe im Garten noch ein anderes Werk in Steinbachs Haus, eine große und gut besuchte Kirchenburg. Die hölzerne Gemeinde, die er darstellt, singt und betet friedlich hinter wehrhaften Türmen und Mauern. Krieg und Glaube, die Glaubenskrieger - dieses Thema treibt Rolf Steinbach um:

Der Glaube ist Gott als Ruhepol, als Ausgleich zwischen dem, was sich bewegt, (denn) wenn an allen Ecken des Teppichs, wo man draufsteht, gezogen wird, fällt man (…). Man braucht trotzdem den ruhigen Punkt (…) und ob man das Gott nennt oder Allah, das ist doch alles eins! Es ist göttlich, nicht menschlich. Es ist göttlich.

Rolf Steinbach

Schnitzen und Nachdenken über Gott und die Welt

Glaubwürdig: Rolf Steinbach
Das Sächsische Volkskunstmuseum zeigt Steinbachs Werke. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Viele seiner Arbeiten haben die Staatlichen Kunstsammlungen in Dresden erworben. Das Museum für Sächsische Volkskunst stellt seit über 20 Jahren Steinbachs Weihnachts-Krippen aus. Direktor Igor Jensen liebt sie wegen der vielen Details, die es zu entdecken gibt:

Er ist ein großer Erzähler und das kann eigentlich nicht traditionell oder veraltet sein, weil es jedes Mal frisch gedacht ist und frisch erfunden.

Igor Jensen, Direktor des Sächsischen Volkskundemuseums
Rolf Steinbach
Auch seine Krippen sind in dem Museum ausgestellt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Angefangen hat Steinbach ganz klein, damals vor 40 Jahren. Er sägte und schnitzte einen erzgebirgischen Schwibbogen für die Verwandtschaft aus dem Westen. In einem seiner Werke hat er sich selbst zusammen mit seiner Frau abgebildet: So, wie er sich auch im wirklichen Leben am wohlsten fühlt. Auf einer Bank. Beim Schnitzen und Nachdenken über Gott und die Welt:

Ich komme hier an und dann fühle ich mich wieder aufgenommen. Mein Gott - der spiegelt sich hier in der Natur wider, ist überall. Einmalig, schön, erhaltenswert. Und in meinem Alter freut man sich, wenn man noch dabei ist.

Rolf Steinbach

Zuletzt aktualisiert: 03. Januar 2019, 15:17 Uhr