Glaubwürdig | 28.03.2020 | Jetzt in der Mediathek Wertschätzung bis zum Ende: Sterbebegleiter Rudolf Keßner aus Weimar

Viele Weimarer kennen Rudolf Keßner als einen umtriebigen Menschen. Im Stadtrat bringt sich der Unternehmer genauso ein wie in der Kirchgemeinde St. Peter und Paul. Und seit einem Jahr ist er nun auch Sterbebegleiter.

Rudolf Keßner
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die meisten Weimarer kennen Rudolf Keßner und treffen ihn oft: im Eiltempo auf dem Fahrrad, in seinen graphischen Betrieben,  im Stadtrat, wo er seit 1990 die Grünen vertritt, in der Kirche St. Peter und Paul, wo er mindestens einmal in der Woche die Aufsicht übernimmt, oder neuerdings im Sophien- und Hufeland Klinikum.

Vor etwa zwei Jahren begann er mit der Ausbildung zum Sterbebegleiter beim Ambulanten Besuchs-, Hospiz- und Palliativberatungsdienst der Johanniter Unfallhilfe. Seit dem ist er der Mann unter den "Grünen Damen", die in Krankenhäusern, Pflegeheimen und Hospizen Patienten seelisch zur Seite stehen. Ein Ehrenamt, das er schon lange übernehmen wollte, für das er, nun im Ruhestand, endlich Zeit findet. Ihm geht es vor allem darum, den Menschen, die schwer krank sind, oder jenen, die wissen, dass sie bald sterben werden, auf Augenhöhe zu begegnen - ihr Leben weiterhin zu achten und wertzuschätzen bis zum Schluss.

Halt im Glauben

Rudolf Keßner stammt aus Herrnhut in der Oberlausitz.

Rudolf Keßner
Rudolf Keßner Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Herrnhuter, ja, denen scheint das in die Wiege gelegt zu sein, tätig zu werden. Dass man eben nicht nur da sitzt und Hände faltet, sondern auch praktisch was tut. Nicht das eine gegen das andere ausspielen, aber das gehört für mich zusammen. Also irgendwie kann man auch beim Fahrradfahren beten, oder beim Autofahren.

Rudolf Keßner

Sein Glaube, durch das christliche Elternhaus und die vielen Jahre im Internat der Herrnhuter Brüdergemeine geprägt, kommt aus tiefstem Herzen: "Mein Glaube schenkt mir Geborgenheit. Ich kann es mir nicht anders vorstellen", sagt er.