Glaubwürdig | 19.06.2021 | In der Mediathek ansehen Warum Sabine Bley im Kloster Wechselburg mit den Mönchen singt

Seit 15 Jahren lebt Sabine Bley im Kloster von Wechselburg. Nicht als Nonne, sondern als Nachbarin der Benediktinermönche. Wenn es ihre Zeit zulässt, teilt sie den Alltag mit ihnen – beim Essen und beim Gebet. In der alten Klosterkirche im sächsischen Muldental fühlt sich die Jugendseelsorgerin zuhause. Sie ist ein Kraftquell so wie ihr Glauben, den sie in schweren Zeiten neu entdeckte.

Sabine Bley, Jugendseelsorgerin im Dekanat Chemnitz 5 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Als wohl weltweit einzige Frau singt Sabine Bley für Mönche vor. Danach gedrängelt habe sie sich nicht, sagt die lebensfrohe Katholikin. Seit 15 Jahren lebt sie im Kloster von Wechselburg. Nicht als Nonne, sondern als Nachbarin der Benediktinermönche. Und die fanden, sie könne sehr gut singen, wie Sabine Bley erzählt. Wenn es ihre Zeit zulässt, teilt sie den Alltag mit ihnen – beim Essen und beim Gebet. Täglich viermal treffen sie sich dazu in der romanischen Klosterkirche.

Sabine Bley, Jugendseelsorgerin im Dekanat Chemnitz
Beim Gebet in der Klosterkirche Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Es ist ein Raum, in dem seit 852 Jahren gebetet wird. Das ist eigentlich unvorstellbar. Das ist ein Ort, an dem ich mich zu Hause fühle.

Sabine Bley

"Ich freue mich über jedes Lebensjahr"

Sabine Bley ist 55. Ein Alter, in dem nicht mehr alle Frauen gern über ihr Alter sprechen. Bei ihr ist es anders:

Zwei Krebserkrankungen habe ich überstanden. Ich freue mich über jedes Lebensjahr, das hinzukommt und feiere das auch groß! Gott stand in dieser schweren Zeit hinter mir. Auch wenn ich das damals in meiner Verzweiflung nicht so gefühlt habe. Heute weiß ich es und schaue vorwärts.

Sabine Bley

Jugendseelsorgerin im Dekanat Chemnitz

Sabine Bley, Jugendseelsorgerin im Dekanat Chemnitz
Die Jugendseelsorgerin im Homeoffice bei einer Online-Schalte Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Sabine Bley arbeitet als Jugendseelsorgerin im Dekanat Chemnitz. Am liebsten aber kommen die jungen Leute zu ihr aufs Land, ins Kloster mit der berühmten romanischen Basilika. Gemeinsam erkunden sie dann jeden Winkel der alten Kirche und entdecken zwischen Lettner, Altar und Dachboden immer wieder etwas Besonderes oder Neues.

Mit ihren Kolleginnen und Kollegen plante sie, bis Corona kam, regelmäßig große Jugendvespern im Kloster. Jeder war eingeladen, egal, ob gläubig oder nicht: "Das ist mir wichtig. Alle mit Christus in Berührung zu bringen. Voneinander lernen und sich verstehen, das geht nur, wenn wir miteinander reden."

Kraftquellen: Beten, Musizieren, Malen

Sabine Bley, Jugendseelsorgerin im Dekanat Chemnitz
Blick aufs Klostergelände Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Im Laufe ihres Lebens wurde es Sabine Bley immer wichtiger, Menschen auf den Weg zu Gott zu bringen. Obwohl sie selbst auch schon an ihm zweifelte.

Damals als sie mit 35 das erste Mal an Unterleibskrebs erkrankte und sich erstmal komplett verlassen fühlte:

'Warum ich?' Das ist einfach die falsche Frage. Es hat viele andere ja auch getroffen und das Einzige, was galt, war: Kämpfen.

Sabine Bley
Sabine Bley, Jugendseelsorgerin im Dekanat Chemnitz
Sabine Bley beim Saxophonspielen Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Krebs kam zurück. Sie kämpfte weiter. Den Kontakt zu Gott hielt sie damals auf ungewöhnliche Weise. Sie bat andere, für sie zu beten. Die Menschen, die es taten, hatten wahrscheinlich einen guten Draht nach oben, wie sie lachend erzählt: "Deswegen bin ich vielleicht immer noch da."

Das Musizieren hilft ihr heute über Krisen hinweg. Ikonen zu malen, erlernte sie kurz nach ihrer Krankheit. Für die 55-Jährige ist es wie eine Andacht, die ihr hilft, Kraft zu tanken.

Dieses Fokussiert-Sein auf den, der mir da entgegen kommt. Dieses mit Gott rechnen hilft, wieder Kraft zu tanken. Ja, und dann kann's wieder los gehen.

Susanne Bley

Kloster Wechselburg: Berühmter Marienwallfahrtsort und Basilika minor

1168 waren es Augustinermönche, die im heutigen Wechselburg ein Kloster gründeten. Für sie stiftete Markgraf Dedo von Groitzsch die Klosterkirche. Gut 100 Jahre später übertrug Bischof Withego von Meißen das Kloster an den Deutschen Ritterorden.

In der Reformationszeit fiel das Kloster mit all seinen Besitzungen an Herzog Moritz von Sachsen, der es säkularisierte. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die schwer beschädigte Basilika katholische Pfarr- und Wallfahrtskirche. 1993 erweckten Benediktinermönche aus Ettal in Bayern das Kloster zu neuem Leben.

Als einzige Kirche in Ostdeutschland trägt die Wallfahrtskirche den Titel Basilika minor, wurde also zur Papstkirche erhoben. Gewürdigt wird damit, dass Wechselburg auch ein berühmter Marienwallfahrtsort ist. Der Gnadenaltar mit der Maria der Immerwährenden Hilfe ist eine Replik, das Original steht in Rom und zeigt eines der meist verehrten Gnadenbilder der katholischen Kirche.

Das Grabmal des Stifterpaares, ein Weihwasserbecken und ein Porphyrtaufstein gehören neben dem Lettner zu den ältesten Zeugnissen der Spätromanik in Wechselburg.

Die Chorschranke mit der Triumphkreuzgruppe wurde Anfang der 1970er-Jahre aus eingelagerten Werksteinen rekonstruiert. Eine Meisterleistung der Denkmalpflege und mittlerweile gewürdigt durch die Aufnahme in die UNESCO-Denkmalliste.