Glaubwürdig | 24.04.2021 Wie Michael Diegmann für den Papst putzte

Die salzige Meeresluft setzt den einst prächtigen Fassaden Havannas zu, der Eichsfelder Michael Diegmann hilft, sie zu retten. Seit zehn Jahren lebt und arbeitet er auf der Karibik-Insel, dort traf er sogar den Papst.

Der Thüringer Bauunternehmer Michael Diegmann 5 min
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Glaubwürdig Sa 24.04.2021 18:45Uhr 04:38 min

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Die kubanische Hauptstadt versprüht morbiden Charme. Die salzige Meeresluft setzt den einst prächtigen Fassaden Havannas zu. Michael Diegmann aus Küllstedt ist angetreten, etwas dagegen zu tun. Vor zwölf Jahren war der Thüringer Bauunternehmer das erste Mal auf der Karibik-Insel. Sein erstes Projekt war gleich die berühmte Uferpromenade, der Malecón:

Der Thüringer Bauunternehmer Michael Diegmann
Arbeiten am Malecón Bildrechte: Michael Diegmann

"Wir mussten gegen die Zeit arbeiten, eine Kaltfront war angesagt, tatsächlich schossen dann 20 Meter hohe Wellen über den Malecón. Deshalb haben wir in der Woche davor auch nachts gearbeitet. Da standen immer bestimmt 20 bis 30 Kubaner, die wahrscheinlich dachten: 'Was machen die Leute da an unserem heiligen Malecón?!'"

Der Thüringer Bauunternehmer Michael Diegmann
Blick auf das Kapitol im Herzen Havannas Bildrechte: Michael Diegmann

Die Restaurierung der Uferpromenade wurde zum Türöffner. Es folgten 20 weitere Bauvorhaben, sein größtes wurde das Kapitol, das bekannteste Gebäude auf der Insel, einst als Regierungssitz nach dem Vorbild des US-amerikanischen Capitols in Washington errichtet. Noch immer ist Michael Diegmann stolz darauf, dass er sich an die Restaurierung der 30.000 Quadratmeter großen Fassade wagte: "Es ist nicht nur das größte Kapitol auf der Welt, sondern auch ein außergewöhnlich schönes Gebäude. Ich denke, jeder, der daran beteiligt war, hat jetzt etwas, dass er seinen Kindern oder Enkeln irgendwann erzählen kann."

Mit offenen Armen empfangen

Der Thüringer Bauunternehmer Michael Diegmann
Michael Diegmann und seine Brigade Bildrechte: Michael Diegmann

Diegmann wurde auf Kuba mit offenen Armen empfangen. Nicht nur, weil er hilft, die einzigartige Architektur zur retten: Die Kubaner freuen sich, einen Ostdeutschen zu treffen. Denn viele haben einst in der DDR studiert oder gelernt. Mit ihm können sie über ihre Erinnerungen sprechen. Seit zehn Jahren verbringt der Eichsfelder nun schon die meiste Zeit des Jahres in der Karibik.

Als Dankeschön für die Großaufträge schenkte er den Kubanern die Restaurierung des Che Guevara-Monuments. Auf eigene Kosten renovierte er außerdem den Altar in der Kathedrale von Havanna, als hoher Besuch anstand. 2015 wurde der Papst auf Kuba erwartet. Die Fassade der Kathedrale strahlte bereits. Dafür wirkte der Tisch des Herren im Inneren aber umso düsterer. Das zu ändern, war für den Katholiken aus dem Eichsfeld Ehrensache:

"Der Stadthistoriker Eusebio Leal kam und fragte: 'Michael, kannst du mir die Kathedrale reinigen?' Und ich habe einfach 'Ja' gesagt, ohne lange darüber nachzudenken. Es ist ein großartiges Gebäude. Als ich erfuhr, dass der Papst schon in zehn Wochen kommt, dachte ich: 'Um Gottes Willen.' Der Papst wird seine Reise sicher nicht verschieben, du musst jetzt Gas geben." Den Papst konnte er dann sogar treffen. Er ist immer noch beeindruckt von dessen "Wahnsinnsausstrahlung".

Der Thüringer Bauunternehmer Michael Diegmann
Die Kathedrale in der Altstadt Bildrechte: Michael Diegmann

Auf Kuba wurde Michael Diegmann bewusst, dass seine Nähe zu Gott keine starren Rituale braucht: "Es geht vielmehr um eine Beziehung zu Gott und darum, Danke zu sagen für die normalen Dinge. Das ist auf Kuba ganz wichtig. Wenn man dort tätig ist oder lebt, wird man einfach wieder demütiger. Und das ist ganz gut so."

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Glaubwürdig | 24. April 2021 | 18:45 Uhr