Tag der Organspende Wie der Thüringer Uwe Alberti ein zweites Leben geschenkt bekam

Sie haben beide eine Narbe an der gleichen Stelle: rechter Unterbauch, da wo die Leber sitzt. Der Apoldaer Uwe Alberti hat von seiner Frau zwei Drittel ihrer Leber bekommen und konnte deshalb weiterleben. Auch beruflich legte der Christ nach einem Astrophysik-Studium als Mittfünfziger einen Neustart hin – und er ist ein vehementer Aufklärer zum Thema Organspende geworden. Es sterben viel zu Viele, die vergebens warten, dagegen will er etwas tun.

Eine Frau und ein Mann teilen sich mit viel Vergnügen eine Schokolade. Hinter ihnen hängen Bilder einer gemeinsamer Vergangenheit an der Wand. 5 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Eine Frau und ein Mann teilen sich mit viel Vergnügen eine Schokolade. Hinter ihnen hängen Bilder einer gemeinsamer Vergangenheit an der Wand. 5 min
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Das Jahr 2010 wird Uwe Alberti nicht vergessen. Seine Leber ist am Ende. Die Gallenwege sind chronisch entzündet und verengt aufgrund einer Autoimmunerkrankung. Nur eine Organtransplantation kann helfen. Doch bis ein Spenderorgan bereitsteht, kann es Jahre dauern. Als seine Frau Silke erfährt, dass auch lebende Menschen einen Teil ihrer Leber spenden können, wird sie hellhörig: "Ich habe noch an selben Tag gefragt, ob das für mich auch in Frage kommt."

Eine Leber als Geschenk

Doch Uwe Alberti wollte lange nicht, dass sie sich als gesunder Mensch für ihn in Gefahr begibt: "Dann hat eine Oberärztin, die für die Transplantation zuständig war, gesagt: 'Gehen Sie doch mal davon aus, dass ihre Frau Ihnen ein Geschenk machen will – dann ist es an Ihnen, das Geschenk anzunehmen.'"

Alberti
Im Blumenladen von Silke Alberti Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

So gesehen hat Silke Alberti ihrem Mann bis heute schon 12 Lebensjahre geschenkt. Inzwischen hat Uwe Alberti ein Buch über die Zeit geschrieben und er wirbt für den Organspendeausweis. Auch damit Angehörige im Falle eines Falles wissen, was zu tun tun: "Erst im Fall des Verlusts eines Angehörigen, etwa bei einem tödlichen Unfall, die Entscheidung zu treffen, ob Organe gespendet werden sollen oder nicht, ist eine Katastrophe. Der Ausweis hilft dann, weil sie wissen, was die angehörige Person bereits entschieden hat."

Fernsehtechniker, Astrophysiker, Lehrer: Die Schöpfung im All

Wegen der Krankheit hat Uwe Alberti seine Fernsehreparaturfirma in Apolda aufgegeben und einen Neustart gewagt:

Meine Frau hat gesagt: 'Du musst was für deinen Kopf tun, du darfst jetzt nicht verblöden und dich in der Jogginghose vor den Fernseher setzen.

Uwe Alberti
Glaubwürdig: Uwe Alberti
Heute arbeitet Uwe Alberti in Teilzeit als Lehrer für Astronomie. Bildrechte: Glaubwürdig / MDR FERNSEHEN

Mit 55 Jahren begann er, Astrophysik an der Jenaer Universität zu studieren. Für den Christen ist der Urknall ein Akt der Schöpfung, sein Glaube schließt die Wissenschaft mit ein. Heute arbeitet er als Lehrer in Teilzeit: "Es gab die Möglichkeit, als Seiteneinsteiger ein paar Stunden Astronomie zu geben. Das macht mir einfach Spaß und erfüllt mich." Himmel und Weltall – die wissenschaftlichen Erkenntnisse darüber faszinieren Uwe Alberti. Mit seinem christlichen Glauben kann er das gut vereinbaren: "Für mich ist Gott eher das, was im Universum stattfindet. Also Ehrfurcht vor dem, was dort an Sternen ist in dieser Menge, in dieser Masse, in dieser Vielfalt – das ist, was ich als Schöpfung empfinde." Die Frage, warum Gott seine Krankheit zugelassen hat, stellt sich für ihn nicht:

Man darf sich nicht in seine Kammer zurückziehen, mit sich oder mit Gott hadern. Es ist wichtig, an sich selber zu glauben.

Uwe Alberti

Dankbar für ein normales Leben

Uwe Alberti ist dankbar, ein weitgehend normales Leben führen zu können: "Dieses Jahr ist es zum ersten Mal passiert, dass ich meinen zweiten Geburtstag – den ich am Tag der Transplantation feiere – vergessen habe. Also 11-mal habe ich dran gedacht, aber dieses Mal sagte Silke am Abend zu mir: 'Weißt du, eigentlich war ja heute unser Transplantationstag!'. Das fand ich ein gutes Zeichen."

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Glaubwürdig | 04. Juni 2022 | 18:45 Uhr