Glaubwürdig | 02.03.2019 Renate Alt will ihren Körper spenden

Renate Alt wünscht sich oft, sterben zu können. Dann wäre sie endlich bei ihrem Mann Kurt - und bei Gott. Aber die heute 84-Jährige fürchtet den Tod auch, denn sie hat eine Entscheidung gefällt, die für Katholiken ein Dilemma darstellt: Sie will Körperspenderin für Medizinstudenten der Leipziger Universität werden.

"Bei Gott ist alles möglich, auch so modern zu handeln", sagt Renate Alt, wenn sie über ihr Vorhaben nachdenkt. Sie ist eine der etwa Hundert potenziellen Körperspendern, die sich jährlich am Leipziger Institut für Anatomie anmelden. Nur mit einer solchen Hilfe ist es möglich, dass die Studenten wochenlang akribisch Zellen, Knochen und Organe studieren können.

Gemeinsamer Entschluss

Auch Renates Mann Kurt vermachte seinen Körper der Anatomie. Als das Ehepaar Alt 2011 einen Artikel über Körperspende las, meldete es sich an, damit Medizinstudenten gut ausgebildet werden. Renates Mann verstarb vor einiger Zeit. Sein Grab, das sie jede Woche besucht, ist ein besonderes. Die Urnenstätte der Universität Leipzig ist "Den Toten, die Euch, den Lebenden, halfen" gewidmet.

Zweifel an der Entscheidung

Nur manchmal, wenn Renate Alt am Urnengrab ihres Mannes steht, zweifelt sie an ihrer Verpflichtung zur Spende. Denn bis zur Beerdigung ist es eine lange Zeit - über ein Jahr musste sie bei ihrem Mann warten, bis sie Abschied nehmen konnte. Und außerdem stammt Renate aus Oberschlesien, einer streng katholischen Region. Und streng katholisch wurde sie auch erzogen. "Früher war bei uns Katholiken noch nicht mal eine Einäscherung möglich", so Renate Alt.

Ihren inneren Zwiespalt überwindet Renate Alt aber immer wieder, der Entschluss ist gefasst. Es sei gut für die Menschen, so zu handeln, ist die mittlerweile 84-Jährige überzeugt, "und man hat noch ein gutes Werk getan."

Zuletzt aktualisiert: 03. März 2019, 20:47 Uhr