Michael Schicketanz
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Glaubwürdig vom 21.04.2014 Michael Schicketanz alias Philipp Melanchthon

Michael Schicketanz lebt für den Kirchenwald. Schon in der DDR organisierte er ein Netzwerk der Förster - im Kirchlichen Forschungsheim Wittenberg, einem Zentrum der DDR-Umweltbewegung. Sein Netzwerk gibt es noch, denn der Wald kränkelt immer noch. Doch nicht nur für dieses Thema brennt Michael Schicketanz. Wenn er nicht für den Wald kämpft, betreibt er die Farbenküche im Wittenberger Cranach-Hof oder ist als Philipp Melanchthon in Wittenberg unterwegs ...

Michael Schicketanz
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Michael Schicketanz aus Zahna ist der Motor des inzwischen gesamtdeutschen Kirchenwald-Netzwerks. Der Förster, Ingenieur und Verwalter kirchlicher Wälder erhebt mit seinen Kollegen Waldschäden, die auf Umweltverschmutzung zurückzuführen sind und geht den genauen Ursachen nach. Dafür interessierte er sich schon in einer Zeit, als Umweltdaten noch streng geheim waren. Noch zu DDR-Zeiten begann er, sich im Netzwerk der Kirche für den Wald zu engagieren. Der Wald ist sein Lebensthema geblieben, denn die Waldschäden gibt es immer noch:

Man sieht es teilweise nicht mehr jetzt, weil man den Blick nicht mehr hat, weil man nicht mehr weiß, dass früher ein Kiefernwald solche Calamagrostis, solche Grasstrukturen unten nicht hatte, sie konnten im Kiefernwald Pilze finden (...) Und früher lagen hier Nadeln unten im Kiefernwald, weil oben viel mehr Schatten war (...) Den Blick haben wir alle nicht mehr. Wir denken, so ein luftiger Wald ist ein schöner Kiefernwald, aber dass er nur zwei Nadeljahrgänge hat, wo drei bis fünf dran sein müssten, das sehen wir gar nicht mehr.

Michael Schicketanz

Was die Arbeit für den Wald und die Farbenküche verbindet ...

Michael Schicketanz
Im Wald unterwegs Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Bezahlter Kirchenwald-Verwalter ist Michael Schicketanz heute nicht mehr. Seine Stelle wurde abgebaut, er kümmert sich ehrenamtlich um das Netzwerk.

Für seinen Lebensunterhalt betreibt er einen regionalen Kaufring für Bio-Lebensmittel ebenso wie eine Farbenküche im Wittenberger Cranach-Hof.

Michael Schicketanz
In der Farbenküche im Cranach-Haus in Wittenberg Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In seiner Farbenküche will Schicketanz seinen Kunden vor allem zeigen, wie sie selbst aus einfachen Zutaten und den bei ihm erhältlichen Pigmenten Farbe herstellen können. Auch das ist seine Welt.

So experimentiert er gerade daran, wie man auf der Grundlage eines aus Soda, Ton und Schwefel hergestellten Blaus eine Schuhcreme herstellen kann. Denn ihn interessieren Farben und Anstriche, die man auch essen oder zumindest kompostieren könnte.

Man sollte auch nur das arbeiten, was einem Spaß macht. Dann muss man auch nicht auf den Ruhestand hoffen zum Beispiel. (...) Ich bin sehr glücklich mit dem, was ich machen kann hier. Und wenn ich in einem Gewerbe mal nicht glücklich bin, was es ja auch gibt, dann mache ich das nächste ...

Michael Schicketanz

Als Reformator in Wittenberg unterwegs

Michael Schicketanz
Als Philipp Melanchthon Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wenn er sich nicht um den Wald oder seine Farbenküche kümmert, ist Michael Schicketanz als Philipp Melanchthon in Wittenberg unterwegs - und erzählt Besuchern der Stadt vom Leben und Wirken des Reformators.

Ein Bekannter machte ihn auf die äußerliche Ähnlichkeit mit Melanchthon aufmerksam. Doch Schicketanz verbindet auch abgesehen vom Aussehen so einiges mit dem Original, nämlich das Wichtige vom Unwichtigen unterscheiden zu können und auf dem Grundsätzlichen zu bestehen und dafür zu streiten - wie für"seinen" Wald, denn die Arbeit dafür reicht schließlich weit über sein eigenes Leben hinaus.

Der Bauer kann jedes Jahr neu überlegen, was fördert die EU oder was möchte er gerne anbauen und dann macht er das ein Jahr oder vielleicht zwei. Aber der Förster muss wissen, was er in 100 Jahren eigentlich ernten will oder was sein Nach-Nach-Nachfolger in 100 Jahren ernten will.

Michael Schicketanz

Zuletzt aktualisiert: 23. April 2014, 18:49 Uhr